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Norddeutschland Zu viele Ferienwohnungen im Norden: So wollen Tourismusorte das ändern
Nachrichten Norddeutschland Zu viele Ferienwohnungen im Norden: So wollen Tourismusorte das ändern
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07:04 22.02.2019
Entlang der Küste werden viele Wohnungen über Anbieter wie Airbnb an Feriengäste vermietet. In einigen Orten sind es bereits zu viele Urlauber-Appartements.
Entlang der Küste werden viele Wohnungen über Anbieter wie Airbnb an Feriengäste vermietet. In einigen Orten sind es bereits zu viele Urlauber-Appartements. Quelle: dpa
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Lübeck

Nachdem Lübeck und Grömitz beschlossen haben, künftig weniger Zweit- oder Ferienwohnungen zuzulassen, werden auch andere Badeorte aktiv. „Wir haben derzeit eine Veränderungssperre, die weitere Ferienwohnungen im Ortskern verbietet“, sagt Kuno Brandt, Fachbereichsleiter der Ordnungs- und Bauverwaltung der Stadt Heiligenhafen.

Zwar lebe man vom Tourismus, doch stünden die Wohnungen außerhalb der Saison oft leer. „Das läuft dem Ziel der Belebung der Innenstadt zuwider.“ Auch Timmendorfer Strand gehe das Thema an, erklärt Bürgervorsteherin Anja Evers. „Wir prüfen gerade, ob wir aktiv werden müssen.“

Problem wird kontrovers diskutiert

Auf Landesebene wird die Problematik kontrovers diskutiert – schließlich lebt die Küste vom Tourismus. „Dass Städte wie Lübeck Sorge haben vor ,Gespenstervierteln’ in den Zeiten, in denen Touristen als Gäste ausfallen, kann man durchaus nachvollziehen“, bekräftigt Klaus Jensen, tourismuspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion.

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Was die Badeorte an der Küste betreffe, ist er jedoch skeptisch: „Reine Ferienorte sollten ernsthaft darüber nachdenken, ob ein Zweitwohnsitzverbot der richtige Weg sein kann.“ Die Gäste in diesen Wohnungen seien für den Ort immerhin eine wichtige Einnahmequelle. „Da ist Weitsicht gefragt.“

„Ferienorte dürfen nicht zu reinen Übernachtungsorten werden“

„Auch touristisch wichtige Ferienorte dürfen nicht zu reinen Übernachtungsstätten werden“, fordert dagegen der wohnungsbaupolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Andreas Tietze. Es könne nicht angehen, dass Polizisten, Krankenpfleger oder Gastronomiefachkräfte keinen bezahlbaren Wohnraum mehr fänden. „Dann werden die Grundlagen unserer Gesellschaft brüchig.“

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Unterstützung bekommt er von Uwe Polkaehn, dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Nord. „Das Extrembeispiel ist ja Sylt, wo ja wirklich nur noch gependelt wird von außen. Ich finde die Initiative von Grömitz und Timmendorfer Strand gut, ich kann das nur unterstützen. Wir müssen an die Beschäftigten im Ort denken, dass sie bezahlbaren Wohnraum finden. Da muss man Grenzen setzen.“

Uwe Polkaehn, Chef des DGB Nord. Quelle: Lutz Roeßler

„Es wird niemals eine Lösung geben, die alle zufriedenstellen wird“, befürchtet Jan Marcus Rossa, der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion. Wo Ferienwohnungen zulässig seien und wo nicht, müsse jede Kommune selbst entscheiden. Das gelte auch für Lübeck. Dort seien die betroffenen Urlauber-Appartements anscheinend lange geduldet worden. „Wenn die Stadt diese Duldung jetzt beendet, ist das zunächst ihr gutes Recht.“

Problem zunehmender Wohnraumknappheit

Für das Kieler Bauministerium ist das Thema Zweitwohnungen Teil des allgemeinen Problems zunehmender Wohnraumknappheit. Bund, Länder und Kommunen unternähmen viel, um Wohnraum zu sichern und zusätzlichen zu schaffen, so Sprecher Dirk Hundertmark. „Die im Rahmen ihres Selbstverwaltungsrechts wahrgenommene Regelung der Nutzung von Zweitwohnungen durch Städte und Gemeinden ist Teil dieser Anstrengungen.“

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Tourismusminister Bernd Buchholz hat sich ebenfalls in die Debatte eingeschaltet. Dass besonders betroffene Kommunen eigene Regelungen schüfen, um dem Problem der Zweckentfremdung von Wohnraum beziehungsweise der Belastung von Wohngegenden durch Touristen entgegenzuwirken, sei ebenso nachvollziehbar wie legitim. „Die reinen Wachstumszahlen, etwa die Zahl der Übernachtungen, sind nicht alles“. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei gerade im Tourismus „ein riesiger Erfolgsfaktor“. „Ich wünsche mir eine weiterhin steigende Wertschöpfung im Tourismus, aber natürlich nicht um jeden Preis.“

Marcus Stöcklin