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Norddeutschland Zunehmend Hacker-Angriffe auf Behörden im Norden
Nachrichten Norddeutschland Zunehmend Hacker-Angriffe auf Behörden im Norden
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21:10 09.01.2017
Kriminelle nehmen über Spähsoftware Einfluss auf Computerdaten. Ein Problem, das auch Beamte und Politiker zunehmend beschäftigt. Quelle: Foto: Imago
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Kiel

/Hamburg. Ämter und Behörden im Norden sind nach Beobachtung der Polizei zunehmend Ziel von erpresserischen Hacker-Angriffen. „Unsere Ermittler haben diesen Eindruck“, sagte Carola Jeschke vom Landeskriminalamt (LKA) gestern den LN. Eine erfolgreiche Behörden-Erpressung sei bisher jedoch in keinem Fall gelungen, so Jeschke.

Erst im Dezember waren das Statistikamt Nord und das Landespolizeiamt mit dem Trojaner „Goldeneye“ infiltriert worden, erinnerte die Sprecherin. „Das Landeskriminalamt selbst konnte dann rechtzeitig Abwehrmaßnahmen ergreifen.“ Ein Schaden entstand nicht. „Goldeneye“ sollte bewirken, dass PC-Nutzer nur gegen Zahlung eines Lösegeldes noch auf ihre Daten zugreifen können.

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Etliche verzweifelte Privatleute und Firmeninhaber im Norden kamen – anders als die Ämter – LN-Informationen zufolge der Forderung nach und zahlten. Danach habe ihr PC wieder funktioniert.

Neben Erpressung gehe es dabei um die Straftatbestände der Datenverschlüsselung und der Computersabotage, so das LKA. In der Regel handele es sich um Erpressungsbeträge zwischen hundert und einigen Tausend Euro.

Der IT-Dienstleister Dataport, der in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen rund 70000 Rechner von Behörden und Landesverwaltungen betreut, bestätigte den Trend. Die steigende Zahl von Trojanern und anderen Viren sei bei Ämtern und Behörden bislang erfolgreich gestoppt worden, sagte Britta Heinrich von Dataport. Betrieben werden von der Firma auch 25000 Rechner in Landesbehörden und 8000 in Kommunalbehörden Schleswig-Holsteins. Insgesamt sei die Zahl der Hacker-Angriffe mit etwa 1000 Fällen 2016 auf dem Niveau der Vorjahre geblieben. Schützen könnten sich Behörden durch systematisches Sicherheitsmanagement, so Heinrich.

Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) warnt unterdessen vor Wahlmanipulationen, wie sie angeblich in den USA von Russland vorgenommen worden sein sollen. „Vergleichbare Cyber-Aktivitäten und Versuche von Manipulationen im Wahlumfeld sind auch im Zusammenhang mit der Bundestagswahl 2017 zu erwarten“, schreibt das BSI auf seiner Homepage. Entsprechendes gelte für die schleswig- holsteinische Landtagswahl im Mai, sagte BSI-Sprecher Joachim Wagner. Einflussnahmen durch Hacker-Angriffe seien dort ebenso möglich. Bereits im September vorigen Jahres waren Politiker und Mitarbeiter mehrerer Parteien in Deutschland Ziel von Späh-Software russischer Hacker geworden. Diese wurde ebenfalls über E-Mails eingeschleust.

Zuletzt waren Ende November Hackerangriffe auf DSL-Router der Telekom erfolgt, die mit Schad-Software infiziert wurden. Auch im deutschen Regierungsnetz sei der Versuch registriert worden, so das BSI. Aufgrund funktionierender Schutzmechanismen seien die Angriffe dort aber folgenlos geblieben. M. Stöcklin

LN