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Norddeutschland Zweijähriger ertrinkt in Teich: Wird Prozess gegen Erzieherin eingestellt?
Nachrichten Norddeutschland Zweijähriger ertrinkt in Teich: Wird Prozess gegen Erzieherin eingestellt?
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15:32 08.07.2019
Laut Staatsanwaltschaft soll die 33-Jährige Erzieherin (links) durch Fahrlässigkeit den Tod eines zweijährigen Jungen in einem Teich verschuldet haben. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Ahrensburg

Im Prozess um den drei Jahre zurückliegenden Unfalltod eines Zweijährigen hat die Richterin eine Einstellung des Verfahrens ins Gespräch gebracht. In der bisherigen Hauptverhandlung sei klar geworden, dass die angeklagte Erzieherin nicht die alleinige Verantwortliche für den Tod des Kindes gewesen sei, sagte die Richterin am Amtsgericht Ahrensburg am Montag.

Der Zweijährige war bei einem Kita-Ausflug im Juli 2016 auf dem Gelände eines Jugendheims in Hoisdorf im Kreis Stormarn in einen Teich gefallen und ertrunken. Seine Recherchen bei den zuständigen Behörden hätten ergeben, dass es dort trotz des nicht eingezäunten Teiches keine Einschränkungen für Kinderfreizeiten in dem Jugendheim gegeben habe, sagte ein inzwischen pensionierter Kriminalbeamter aus. Die Verteidigerin der Angeklagten wertete das am Montag als klares Versäumnis der Behörden.

Die Staatsanwaltschaft wirft der 33 Jahre alten Erzieherin vor, den Tod des Kindes durch Verletzung ihrer Aufsichtspflicht fahrlässig verschuldet zu haben. Sie war eine von insgesamt sieben Betreuern, die die 20 Kinder im Vorschulalter begleitet hatten. Zu dem Zeitpunkt des Vorfalls war sie allerdings alleine am Ufer des Teiches.

Ein Beamter des Hamburger Landeskriminalamtes, der kurz nach dem Unfall fünf der Betreuer befragt hatte, sagte am Montag, er könne sich nach so langer Zeit nicht mehr erinnern, wer damals was gesagt habe. Zwei der Erzieher hatten bereits am ersten Verhandlungstag von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, nachdem die Richterin sie nicht nur als Zeugen, sondern auch als mögliche Beschuldigte belehrt hatte.

Er könne sich eine vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldbuße vorstellen, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft am Montag. Die Anwältin der Nebenklage, die die Eltern des getöteten Kindes vertritt, wollte den Vorschlag zunächst nicht bewerten. Ihren Mandanten gehe es weniger um eine Verurteilung, sondern darum, dass jemand die Verantwortung für den Tod ihres Sohnes übernehme, sagte sie.

„Fahrlässig war da eigentlich gar nichts“

An dem Verhandlungstag davor hatte ein Erzieher, der damals als Auszubildender im Praktikum dabei war, ausgesagt, dass er eine Gruppe Kinder am Spielplatz, oberhalb des Teiches, betreut hatte. „Plötzlich herrschte am See unten Unruhe.“ Er habe mitgesucht, während die Angeklagte die Polizei gerufen habe. „Das war erst zwei bis drei Minuten, nachdem das Fehlen des Kindes bemerkt worden war.“ Auch ein Kriseninterventionsteam sei erschienen. Leider habe er dann miterlebt, wie das Kind gefunden wurde.

Der Zeuge machte deutlich, dass in der Kita alle Zuständigkeiten gut abgesprochen wurden. „Fahrlässig war da eigentlich gar nichts.“ Zu Beginn des Prozesses vor drei Wochen hatte die Angeklagte über ihre Verteidigerin erklärt, sie empfinde es als ungerecht, dass ihr die alleinige Schuld an dem Unglück gegeben werde. Auch den übrigen Betreuern seien Aufsichtspflichten übertragen worden.

Der Prozess wird am 15. Juli fortgesetzt. Dann soll möglicherweise entschieden werden, ob das Verfahren gegen die 33-Jährige eingestellt wird.

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RND/dpa

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