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Norddeutschland Zweite Trasse nach Fehmarn: Bahn gibt Widerstand auf
Nachrichten Norddeutschland Zweite Trasse nach Fehmarn: Bahn gibt Widerstand auf
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12:20 13.06.2013
Von Curd Tönnemann
Torsten Albig (SPD,l) und Bahnchef Rüdiger Grube vor Demonstranten am Bahnhof von Timmendorfer Strand.
Torsten Albig (SPD,l) und Bahnchef Rüdiger Grube vor Demonstranten am Bahnhof von Timmendorfer Strand. Quelle: dpa
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Fehmarn/Timmendorfer Strand

Die Deutsche Bahn (DB) öffnet die Tür: Im Konflikt um eine neue Bahntrasse im Hinterland des Fehmarnbelttunnels lehnt das Unternehmen eine Trassenführung entlang der Autobahn 1 nicht länger ab. Das verkündete Bahnchef Rüdiger Grube gestern. Bislang hatte die Bahn sich gesperrt und vehement für den billigeren Ausbau der Bestandstrasse durch die Badeorte ausgesprochen – mit nur zwei Ortsumfahrungen. Das führte zu massivem Bürgerprotest.

Kommentar zum Thema: Ein kluger Zug

„Wir dürfen uns nicht nur von Kosten und Zeitplan leiten lassen. Wir wären falsch beraten, wenn wir Erfahrungen aus anderen Großprojekten ignorierten“, sagte Grube und spielte damit auf das Desaster um „Stuttgart21“ an. Es müsse Ziel sein, die für die Bevölkerung bestmögliche Lösung zu finden, erklärte Grube in einem Sonderzug zwischen Fehmarn und Bad Schwartau (beide Ostholstein). Dabei hatten die eingeladenen Bürgermeister der Region und Vertreter des Kreises Gelegenheit, dem Bahnchef ihre Bedenken aus der Zugperspektive näher zu erläutern. Tatsächlich ist die gestrige Einlassung der Bahn keine spontane Entscheidung, sondern Ergebnis von Gesprächen, die die Landesregierung seit Anfang des Jahres mit Grube nicht-öffentlich führte.

Mehr zum Thema: Bahnchef geht auf die Belt-Gegner zu

Die sogenannte 2+1-Variante ist jetzt nachträglich in das laufende Raumordnungsverfahren aufgenommen, das zum 31. Juli abgeschlossen sein soll. Sie sieht vor, das bestehende Bahngleis für den Regionalverkehr zu erhalten. Eine neue Trasse landeinwärts – westlich oder östlich der Autobahn – soll auf zwei schnellen Gleisen den Güter- und Personenfernverkehr aufnehmen. Mit Prüfung dieser Alternative kommt die Bahn den Wünschen der Kieler Landesregierung und des Kreises Ostholstein nach. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte bereits signalisiert, dass der Bund sich bereit erkläre, die teurere Variante zu zahlen, soweit das Raumordnungsverfahren zu diesem Schluss komme.

„Das ist ein großer Schritt nach vorne“, begrüßte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) die Entscheidung der Bahn in der Timmendorfer Trinkkurhalle. Dorthin hatte die Landesregierung zu einem Gespräch zwischen Befürwortern und Gegnern des Beltprojekts eingeladen. Er habe Verständnis dafür, dass „dieses Thema die Menschen anrührt“, sagte der Regierungschef vor 100 wütenden Demonstranten, die im Kurpark mit Trillerpfeifen auf ihn warteten.

„Die Entscheidung der Bahn wird für mehr Akzeptanz des Projekts in der Bevölkerung sorgen“, ist sich der Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) sicher. Lange Gesichter gab es bei den anwesenden Ratekauern. Sie wären von einer 2+1-Lösung am härtesten betroffen.

Curd Tönnemann