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Panorama Der menschlichen Sprachentwicklung auf der Spur
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20:21 11.01.2017
Ein Mantelpavian sitzt im Tierpark Hellabrunn in München und gähnt. Bei der akustischen Analyse von Pavianlauten konnten Forscher Laute identifizieren, die mit fünf menschlichen Vokalen verwandt sind. Quelle: Andreas Gebert/archiv/symbolbild
Aix-en-Provence

Die Entwicklung der Sprache hat beim Menschen möglicherweise deutlich früher begonnen als bislang gedacht. Bei der akustischen Analyse von Paviangeräuschen konnten Joël Fagot und seine Kollegen Laute identifizieren, die mit fünf menschlichen Vokalen verwandt sind.

Die Forscher der Universität Aix-Marseille in Aix-en-Provence (Frankreich) vermuten deshalb im Fachmagazin „PLOS ONE“, dass schon die letzten gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Pavianen vor etwa 25 Millionen Jahren sprachähnliche Laute von sich geben konnten.

„Gesprochene Sprache hinterlässt keine Fossilien“, schreiben die Biologen. Dies sei der Grund dafür, dass die Entwicklung der Sprache so schwer zu erforschen sei. Einer verbreiteten Theorie zufolge sei die Entwicklung der Sprache an die Lage des Kehlkopfs im Hals gekoppelt: Beim Menschen sitzt der Kehlkopf im Vergleich zu nicht menschlichen Primaten sehr tief. Einige neuere Studien haben allerdings Zweifel an der Theorie aufkommen lassen.

Das Team um Fagot nahm zunächst ein dreiviertel Jahr lang Laute von Guinea-Pavianen (Papio papio) auf, die in einem Primatenzentrum in Rousset-sur-Arc (Frankreich) leben. Besonders ergiebig war nach Angaben der Forscher die halbe Stunde vor der Fütterungszeit. Ausgewertet wurden schließlich die Laute von 15 erwachsenen Tieren, drei Männchen und zwölf Weibchen, weil die hohen Laute der Jungtiere eine Vokalanalyse nicht zuließen.

Die Forscher verglichen die Lautbildung und die jeweiligen Schallfrequenzen der Paviane mit Vokalen, die von zwölfjährigen Menschen gesprochen wurden. Denn bei ihnen ist der Vokaltrakt (der Teil des Sprechapparats oberhalb des Kehlkopfs) etwa gleich lang wie bei den Pavianen. So konnten die Wissenschaftler die einzelnen Pavianlaute schließlich menschlichen Vokalen zuordnen: die für Paviane typischen „Wa-ho“-Schreie dem Ä und dem O, das Kläffen ebenfalls dem Ä, zwei Grunzlaute dem U und ein Grunzen einem besonderen I, wie es häufiger in slawischen Sprachen vorkommt. Der Vokal des Geplappers entspricht dem A und der weibliche Kopulationsruf dem O.

Die Biologen fanden auch zwei sogenannte Achsen der Lauterzeugung: Zunge vorne oder hinten, Zunge hoch oder tief. Diese Achsen gibt es auch beim Menschen. Bestätigt wurde diese Erkenntnis durch anatomische Untersuchungen an zwei Pavianen, die eines natürlichen Todes gestorben waren: Die Zunge der Paviane hat dieselben Muskeln wie die menschliche Zunge. Alle Erkenntnisse der Studie zusammengenommen ergeben den Forschern zufolge deutliche Hinweise darauf, dass die Sprache beim Menschen früher entstanden sein könnte als vor rund 100000 Jahren, wie häufig angenommen wird.

Auf diesem Forschungsgebiet hat es auch in den vergangenen Jahren eine Reihe neuer Erkenntnisse gegeben. So fand eine Gruppe um Zanna Clay von der Universität Neuchâtel in der Schweiz 2015 bei der Untersuchung von Bonobos (einer Schimpansenart) heraus, dass einige Laute mit den Schreien menschlicher Säuglinge vergleichbar sind. Außerdem verstünden Bonobos die Bedeutung der für sie typischen Pieplaute aus der Situation heraus, was auch bei der menschlichen Sprache wichtig ist.

In einer Studie von 2016 konnten Adriano Lameira von der University of Durham (Großbritannien) und seine Kollegen einem Orang-Utan Laute beibringen, die bei seinen wilden Artgenossen nicht zu hören waren. Für die Forscher zeigt dies, dass ein Orang-Utan fähig ist, seine Lautäußerungen bewusst zu steuern und zu verändern.

dpa

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