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Panorama Klage gegen Göttinger Professor: Sexuelle Belästigungen und Schläge?
Nachrichten Panorama Klage gegen Göttinger Professor: Sexuelle Belästigungen und Schläge?
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16:58 14.03.2019
Die Aula der Universität Göttingen. Quelle: Hinzmann
Göttingen

Wegen mutmaßlicher körperlicher und sexueller Übergriffe auf Doktorandinnen und andere Mitarbeiterinnen soll ein 55-jähriger Professor der Universität Göttingen aus dem Beamtenverhältnis entlassen werden. Das ist das Ziel einer Disziplinarklage, die derzeit vor dem Verwaltungsgericht Göttingen anhängig ist. Wie jetzt bei einem ersten Verhandlungstermin bekannt wurde, hatte die Hochschule das Disziplinarverfahren im Sommer 2017 eingeleitet. Zuvor soll sich eine Zeugin an die Gleichstellungsbeauftragte gewandt haben. Mitte September 2017 habe die Universität dem Wissenschaftler, der zeitweilig als Institutsleiter tätig war und auch leitende Positionen in universitären Gremien innehatte, die Führung der Dienstgeschäfte verboten. Außerdem wurde ihm ein Hausverbot erteilt.

Schläge auf Gesäß, Brust oder Beine

Laut dem Sachstandsbericht, der zu Beginn der Verhandlung erörtert wurde, hatte der Professor nach der Einleitung des Disziplinarverfahrens eingeräumt, dass es ihm an professioneller Distanz zu Mitarbeiterinnen gefehlt habe. Vom Vorwurf der sexuellen Belästigung habe er sich indes distanziert. Im Zuge der Ermittlungen seien dann weitere Vorwürfe hinzugekommen. Die Universität habe in ihrem Bericht insgesamt 33 Einzelvorwürfe aufgelistet. Demnach sollen die meisten Vorfälle zwischen 2014 und 2016 stattgefunden haben. Dem Wissenschaftler werde vorgeworfen, Doktorandinnen und Angestellte als „Bestrafung“ auf Gesäß, Brust oder Beine geschlagen oder ihnen Schläge angedroht zu haben. Außerdem würden ihm „vermeintliche medizinische Handlungen“, sexuelle Belästigungen und Berührungen, unangemessenes Auftreten und die Ausnutzung von Abhängigkeiten zur Last gelegt.

Im Frühjahr 2018 legte die Universitätspräsidentin dem Stiftungsausschuss den abschließenden Ermittlungsbericht vor. Dieser folgte ihrer Empfehlung und beschloss, eine Disziplinarklage auf den Weg zu bringen mit dem Ziel, den suspendierten Wissenschaftler aus dem Beamtenverhältnis zu entfernen. Die Klage wurde unter anderem damit begründet, dass der Professor gegen seine Pflichten verstoßen habe und das Vertrauen „irreparabel beschädigt“ sei.

Klage in dieser Form zulässig?

Beim ersten Verhandlungstermin in dieser Woche spielten die einzelnen Vorwürfe noch keine Rolle. Stattdessen ging es ausschließlich um die Frage, ob die Klage in dieser Form zulässig ist – was sich aufgrund der besonderen Konstruktion der Georg-August-Universität als Stiftung des öffentlichen Rechts als relativ verzwacktes juristisches Problem entpuppte. Nach Ansicht des Gerichts hat die Klage einen Mangel: Kläger ist bislang der Stiftungsausschuss der Universität, dieser sei aber gar nicht zuständig.

Gerichtspräsidentin Stefanie Killinger verdeutlichte die Problematik mit Begriffen aus der Architektur: Die landesweit einmalige Konstruktion der Stiftungsuniversität Göttingen bestehe aus zwei Säulen, dem Stiftungsausschuss der Universität und dem Stiftungsausschuss der Universitätsmedizin (UMG). Darüber rangiere der Stiftungsrat, der als übergeordnetes Organ gewissermaßen das Dachgeschoss bilde. Da Statusfragen von beamteten Professoren eine gemeinsame Angelegenheit beider universitärer Institutionen seien, könne nicht der Stiftungsausschuss, sondern nur der Stiftungsrat als Disziplinarklagebehörde fungieren. Das Gericht gab dem Dienstherrn auf, diesen formalen Mangel binnen drei Monaten zu beheben. Dann will es erneut über den Fall beraten.

Mittlerweile beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft Göttingen mit dem Fall. Nach Angaben eines Sprechers habe man strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet, nachdem mehrere Strafanzeigen gegen den Wissenschaftler eingegangen waren.

Von Heidi Niemann