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Panorama Messerstecher von Nürnberg gefasst: Was wir wissen – und was nicht
Nachrichten Panorama Messerstecher von Nürnberg gefasst: Was wir wissen – und was nicht
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14:09 17.12.2018
Ein Karte des Nürnberger Stadtteils St. Johannis mit den Markierungen der Tatorte und des Festnahmeorts. Quelle: Daniel Karmann/dpa
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Nürnberg

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Messerstechers von Nürnberg geht das Rätselraten um das Motiv weiter. Warum hat der Mann innerhalb von drei Stunden drei Frauen niedergestochen, die er nicht einmal kannte? Auch viele andere Fragen müssen die Ermittler noch klären. Was wir über den Fall wissen und was nicht:

Die Tat und das Motiv

Der 38 Jahre alte Deutsche Daniel G. soll am Donnerstagabend in rund drei Stunden drei Frauen mit einem 25 Zentimeter langen Messer niedergestochen haben. Ihm wird dreifacher versuchter Mord vorgeworfen. Woher er die Tatwaffe hat, ist bislang unklar.

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Das Motiv ist das bislang größte Rätsel. Der Mann selbst schweigt immer noch zu den Vorwürfen, wie die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth am Montag auf Anfrage erklärte. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag hatten die Ermittler davon gesprochen, dass die Aufarbeitung des Falles Monate dauern könnte. Auch ob bei dem 38-Jährigen eine psychische Erkrankung vorliegt, wird geprüft.

Eine Markierung der Polizei steht an einem Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis. Quelle: Daniel Karmann/dpa

Die Opfer

Alle drei Opfer, Frauen im Alter von 26, 34 und 56 Jahren, wurden am Oberkörper schwer verletzt – zwei der Frauen waren zeitweise in Lebensgefahr. Sie wurden am Sonntag noch im Krankenhaus behandelt.

Der mutmaßliche Täter

Daniel G. ist 38 Jahre alt, Deutscher und ohne festen Wohnsitz. Gemeldet war der gebürtig aus Sachsen-Anhalt stammende Mann zuletzt in einem Obdachlosenheim in Berlin, soll sich dort mit drei Bewohnern ein Zimmer geteilt haben, berichtet die „Bild“-Zeitung. Vor einem Monat soll er aus der Unterkunft geflogen sein. Wie und warum er nach Nürnberg kam, ist nicht bekannt. Allerdings hat er sich laut Staatsanwaltschaft bereits in den Jahren 2005 und 2009 in der Region aufgehalten – nie für längere Zeit.

Seine Vorstrafen

Daniel G. war laut Staatsanwaltschaft zuvor bereits 18 Mal verurteilt worden. Vorwiegend gehe es um Diebstahl, aber auch um Drogendelikte, Brandstiftung, Betrug und Beleidigung – „ein Spaziergang quer durchs Strafgesetzbuch“, wie Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke am Sonntag in Nürnberg sagte. Es habe auch eine Jugendstrafe wegen Vergewaltigung gegeben.

Die Festnahme

Bereits zwei Stunden vor dem ersten der drei Angriffe hatte der 38-Jährige versucht, in einem Nürnberger Kaufhaus ein anderes Messer mit einer gebogenen Klinge zu stehlen. Dies war nicht die Tatwaffe. Bei diesem versuchten Diebstahl wurde der Mann gestellt, und die Polizei nahm seine Personalien auf.

Am Freitagvormittag nahm eine Polizeistreife den Mann dann in der Nähe der Tatorte vorläufig in Gewahrsam. Auf ihn hatten die Beschreibungen der Opfer sowie von Zeugen gepasst. Außerdem hatte er die Tatwaffe dabei – das Messer. Dafür konnte er keine schlüssige Erklärung abgeben. Für die Ermittler erhärtete sich der Tatverdacht unter anderem durch DNA-Spuren eines Opfers an dem Tatmesser.

Ein Bild der Tatwaffe – ein Messer – ist während einer Pressekonferenz zur Festnahme des mutmaßlichen Messerstechers von Nürnberg auf einem Bildschirm eingeblendet. Quelle: Daniel Karmann/dpa

Daniel G. sitzt nun in Untersuchungshaft – allerdings vorerst noch wegen des versuchten Diebstahls eines Messers. Nun wird ihm auch versuchter Mord in drei Fällen vorgeworfen. Im Laufe der Woche will die Staatsanwaltschaft deshalb zusätzlich einen Haftbefehl beantragen.

Von RND/dpa/seb