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Panorama Missbrauch in Lügde: Polizei übersieht Geräteschuppen des Hauptverdächtigen
Nachrichten Panorama Missbrauch in Lügde: Polizei übersieht Geräteschuppen des Hauptverdächtigen
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13:54 16.04.2019
Der Abriss hat begonnen: Der Campingplatzbetreiber lässt den Tatort abreißen, auf dem mehrere Kinder missbraucht und dabei gefilmt wurden. Quelle: Guido Kirchner/dpa
Lügde

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde hat es offenbar erneut eine Ermittlungspanne gegeben: Polizei und Staatsanwaltschaft hätten einen Schuppen neben der Parzelle des Hauptbeschuldigten Andreas V. übersehen, berichten „NDR“, „WDR“ und „Süddeutsche Zeitung“.

Es hätten keine Erkenntnisse vorgelegen, „dass dieser Schuppen dem Hauptbeschuldigten zuzuordnen ist“, teilte die Polizei mit. Laut der Angaben von „NDR“, „WDR“ und „Süddeutsche Zeitung“ habe der Campingplatzbesitzer die Polizei aber sehr wohl frühzeitig darüber informiert, dass der Schuppen Teil von Andreas V.s Parzelle sei. Auf Nachfrage der Reporter sei der Geräteschuppen „wenige Meter von der bekannten Parzelle des Hauptbeschuldigten entfernt“, der bislang „nicht Gegenstand polizeilicher Ermittlungen“ gewesen sei, dann am Montagnachmittag durchsucht worden.

Abrissunternehmer räumt Tatort aus – vor der Durchsuchung durch die Polizei

Bei der Erstdurchsuchung seien Werkzeuge und Metallschrott gefunden worden - allerdings keine strafrechtlich relevanten Materialien, hieß es von der Polizei. Unerwähnt ließen Polizei und Staatsanwaltschaft, dass der Abrissunternehmer den Schuppen Tage zuvor längst ausgeräumt hatte, da der Tatort seit Ende März offiziell wieder freigegeben worden war.

Der Abrissunternehmer Christopher Wienberg und seine Mitarbeiter hätten laut „NDR“, „WDR“ und „Süddeutsche Zeitung“ mehrere Kisten aus dem Schuppen herausgetragen und in Container mit Abrissschutt geworfen. Sie hätten die Kisten dabei nicht durchsucht. „Es ist ja eigentlich auch nicht unsere Aufgabe nach Spuren hier zu suchen oder zu gucken, ob irgendwo was vergessen wurde“, so Wienberg zu den Reportern. Die Container mit dem Schutt wurden anschließend zu einer Müllverbrennungsanlage gefahren.

In den vergangenen Tagen hatten Arbeiter des Abrissunternehmens immer wieder Datenträger im Abrissschrott gefunden: Am Montag elf Videokassetten, wenige Tage zuvor eine CD und zwei Disketten in einem Hohlraum im Holzboden des Wohnwagens, die von der Ermittlern zuvor nicht entdeckt worden waren. Hinweise auf weitere Opfer hatten die Ermittler nach Angaben der Polizei Bielefeld vom Montag auf den Datenträgern nicht entdeckt. „Aufgrund von Beschädigungen lässt sich aktuell lediglich eine CD teilweise auslesen“, hieß es in einer Mitteilung über diesen Fund.

Videokassetten sollen nicht aus dem Besitz von Andreas V. stammen

Zuvor hatten die Beamten in einer Pressemitteilung betont, dass die Tatorte sehr aufwendig untersucht worden seien. Es habe daher keine Veranlassung gegeben, Beamte tagelang für eine Beobachtung der Abrissarbeiten abzustellen, hieß es.

Die Datenträger seien „obenauf in einem Container aufgefunden worden, in dem Abrissschutt von der Parzelle des Hauptbeschuldigten zur Entsorgung abgeladen worden war“, hieß es. Nach einer ersten Durchsicht enthielten die Datenträger „keine strafrechtlich relevanten Inhalte, sondern Unterhaltungssendungen“, teilte die Polizei mit. Die Herkunft war zunächst unklar. Ob Unbekannte die Datenträger in dem Abriss-Container abgelegt hätten, sei Gegenstand von Ermittlungen. Dass die Datenträger aus der Behausung des Hauptverdächtigen Dauercampers stammten, schlossen die Ermittler aus.

Innenminister Herbert Reul unter Druck

Auf dem Campingplatz in Lügde soll der 56-jährige Dauercamper mit einem Komplizen (33) über Jahre hinweg Kinder missbraucht und dabei gefilmt haben. Die beiden Verdächtigen sowie ein 48-Jähriger aus dem niedersächsischen Stade sitzen in Untersuchungshaft.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) steht wegen der pannenreichen Ermittlungen zunehmend unter Druck. Am Wochenende hatte der innenpolitische Sprecher der SPD im nordrhein-westfälischen Landtag, Hartmut Ganzke, den Rücktritt Reuls gefordert. Die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Verena Schäffer, hatte erklärt: „Er hat die Aufklärung zu seinem Projekt gemacht - daran muss er sich messen lassen.“

Von RND/dpa/mat

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