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Panorama Frau wird aufgefordert, sich zu bedecken – und ist Auslöser für Oben-Ohne-Protestaktion
Nachrichten Panorama Frau wird aufgefordert, sich zu bedecken – und ist Auslöser für Oben-Ohne-Protestaktion
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22:25 25.06.2019
Oben ohne am Strand zu liegen, ist nicht überall erlaubt. Quelle: picture alliance
München/Oslo

Die Temperaturen steigen, die Kleidung fällt: Glück hat, wer dabei am Wasser wohnt und sich abkühlen kann. Allerdings gilt auch da die Kleiderordnung, wie jüngst junge Frauen in München und Oslo lernen mussten.

In München war in diesen Tagen nämlich ein Sicherheitsdienst am Isarufer unterwegs und sprach Frauen an, die oben ohne an der Isar lagen – im Auftrag der Stadt. Das meldet die „Abendzeitung“. Die Frauen hätten demnach gegen die Kleiderordnung verstoßen.

„Das gleicht ja einer Sittenpolizei!“

Passanten griffen ein und verteidigten die Frauen, nach Angaben von Augenzeugen vor allem wegen des aufdringlichen Verhaltens der fünf Männer. „Den Frauen wurde Angst eingejagt, deshalb haben sich viele auf die Seite der Frauen gestellt. Das gleicht ja einer Sittenpolizei“, sagte ein Augenzeuge der „AZ“.

Die Stadt hatte den Dienst bereits vor Jahren beauftragt, zwischen April und September am Isarufer zu kontrollieren, dass die Landschaftsschutzverordnung eingehalten wird. Das betreffe, so die Stadt, aber vor allem Abfallentsorgung und Einhaltung der Grillregeln. Es sei zwar an einigen Stellen an der Isar, zu der auch die gehört, an der die Frauen kontrolliert wurden, verboten, oben ohne zu baden, der Sicherheitsdienst habe aber nicht den Auftrag, hier einzugreifen.

Männer dürfen ihre Brust zeigen, Frauen nicht

In Oslo verhält es sich ähnlich. Dort forderte eine Aufpasserin die 24-jährige Christa auf, sich ein Bikini-Oberteil anzuziehen, berichtet „Dagsavisen“. Demnach sei die junge Frau in diesem Jahr erstmals angesprochen worden, dass sie ihre Brust verdecken müsse. „Als ich fragte, ob das für meinen Freund auch gilt, hieß es natürlich: nein!“

Auch in Oslo hatte der Sicherheitsdienst eigentlich keine Berechtigung, sondern war nur dafür eingesetzt, das Alkoholverbot und die Öffnungszeiten zu überprüfen sowie sicherzustellen, dass Ruhe und Ordnung herrsche. „Ob die Leute mit nacktem Oberkörper baden, geht den Sicherheitsdienst nichts an“, wird ein Sprecher des Stadtumweltamtes zitiert.

In Oslo ist es erlaubt, oben ohne zu baden

Anders als an der Isar ging Christa selbst mit der Geschichte an die Öffentlichkeit, denn die Sicherheitsbeamten hatten sich mit der Falschen angelegt: „Als Frau wird man im öffentlichen Raum permanent sexualisiert. Ich bade nicht oben ohne, um meinen Körper vorzuzeigen oder Männer anzuziehen. Ich mag es nur nicht, wenn das Oberteil nass und eng wird“, erzählt sie „Dagsavisen“. Im Gegensatz zu München ist es Frauen in Oslo erlaubt, mit blankem Busen sonnenzubaden, wobei auch dort im vergangenen Jahr ein Fall bekannt wurde, in dem eine Frau rund 60 Euro Strafe zahlen sollte, weil sie oben ohne badete.

„Brüstekampf ist Frauenkampf ist Klassenkampf ist Freiheitskampf!“

Viele Frauen ärgerten sich über den Vorfall mit Christa – und organisierten eine Protestaktion. „Ich bin in einem Norwegen aufgewachsen, in dem keiner auf eine Frau reagierte, die oben ohne badete, ob sie fünf oder 95 Jahre alt war“, schrieb die Initiatorin Nosizwe Lise Baqwa. Obwohl sich rund 300 Menschen via Facebook solidarisierten, folgten nur rund 20 Frauen dem Aufruf und badeten am Wochenende in Oslo am Stadtstrand oben ohne – Männer fanden sich unter den Unterstützern auch, einer davon kam im Bikini, wie ein Video von „Dagbladet“ zeigt.

„Brüstekampf ist Frauenkampf ist Klassenkampf ist Freiheitskampf“, schreibt Baqwa auf Facebook. Gegenüber dem Fernsehsender „TV2“ sagt sie: „Überall auf der Welt werden permanent Rechte von Frauen beschnitten, über ihren eigenen Körper zu bestimmen. Das ist unheimlich.“

Von RND/msk

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