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Politik im Norden Weißer Ring half 2018 wieder 1593 Mal
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16:45 21.02.2019
Jahresbilanz 2018 des Weißen Rings: 1593 halfen die Opferhelfer Menschen in Schleswig-Holstein. Quelle: Jens Büttner/dpa
Lübeck/Kiel

Der Weiße Ring hat nach der Affäre um den Lübecker Ex-Außenstellenleiter Detlef H. in Schleswig-Holsteins Justizkreisen offenbar an Ansehen verloren. Richterinnen und Richter würden Bußgelder nicht mehr so häufig wie bisher dem Opferhilfeverein zukommen lassen, sagte die Landesvorsitzende des Weißen Rings, Manuela Söller-Winkler, am Donnerstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2018 in Kiel. Man wolle auch dort wieder um Unterstützung werben.

Richter verteilen weniger Bußgeld-Einnahmen an den Verein

Bei den Opfern von Straftaten genieße der Verein mit seinen 180 ehrenamtlichen Mitarbeitern aber weiter hohes Vertrauen, betonte Söller-Winkler. Sie mache das an den konstant hohen Zahlen von Beratungen fest. 1593 Menschen hätten sich 2018 hilfesuchend an den Verein gewandt, das seien sogar geringfügig mehr als im Jahr 2017 mit 1518. „Das Vertrauen ist erhalten geblieben“, sagt Söller-Winkler. Insgesamt habe der Verein 241 506 Euro für Hilfen an Verbrechensopfer ausgeschüttet.

Im März 2018 war bekanntgeworden, dass mehrere Frauen dem früheren Lübecker Außenstellenleiter sexuelle Belästigung vorgeworfen hatten. Die Staatsanwaltschaft leitete zahlreiche Ermittlungsverfahren ein. Daraus ergaben sich vier Anklagen, von denen das Landgericht eine wegen Exhibitionismus zur Verhandlung am Amtsgericht zuließ.

Manuela Söller-Winkler, Landesvorsitzende des Weißen Rings: „Es ist einiges passiert, vor allem an Sensibilisierung.“ Quelle: Lutz Roeßler

Die häufigsten Delikte, wegen der im Jahr 2018 Opfer zum Weißen Ring kamen, seien erneut Körperverletzungen (392), vor allem im häuslichen Bereich, und sexuelle Vergehen (354) gewesen. 81 Mal waren die Hilfesuchenden, vor allem ältere Menschen, Opfer von Betrügern geworden, insbesondere jenem mit dem Enkeltrick. Drei von vier Opfern, die der Weiße Ring betreut, seien Frauen.

Die Außenstelle Lübeck ist nach wie vor stark nachgefragt

Die am stärksten angesteuerte Außenstelle war auch 2018 wieder die Lübecker mit 225 Fällen. Ähnlich hoch ist der Zustrom nur zur Außenstelle in Rendsburg-Eckernförde. In Kiel zum Beispiel liegen die Zahlen nur etwas mehr als halb so hoch. Eine Erklärung habe sie dafür nicht, sagt Manuela Söller-Winkler. Die Zahl sei in Lübeck aber traditionell hoch.

Und auch hier gebe es wegen der Affäre im vergangenen Jahr offensichtlich keinen Vertrauenseinbruch. Das Thema beschäftige den Weißen Ring aber weiter sehr intensiv. Die Frage, wie man es schaffe, solche Vorfälle künftig zu verhindern, begleite jede Besprechung mit den Außenstellenleitern, sagt die Landesvorsitzende. „Es ist einiges passiert, vor allem an Sensibilisierung.“

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