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Politik im Norden Mit Kind im Auto: Nord-SPD will Rauchverbot durchsetzen
Nachrichten Politik Politik im Norden Mit Kind im Auto: Nord-SPD will Rauchverbot durchsetzen
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22:05 29.05.2018
Schleswig-Holstein solle sich im Bund für ein Rauchverbot im Auto stark machen, fordert die oppositionelle SPD im Landtag.
Schleswig-Holstein solle sich im Bund für ein Rauchverbot im Auto stark machen, fordert die oppositionelle SPD im Landtag. Quelle: Fotolia
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Kiel

Die Jamaika-Regierung solle sich im Bund dafür stark machen. Und tatsächlich ziehen CDU, Grüne und FDP mit.

„Passivrauchen ist eine Gefahr für unsere Kinder“, sagt der SPD-Gesundheitspolitiker Tobias von Pein. Er hat den Landtagsantrag entworfen – denn es könne nicht angehen, dass das Rauchen in Gaststätten verboten ist, in viel kleineren Autos aber nicht.

Bei Gesundheitsexperten rennt er damit offene Türen ein. „Richtig so!“, sagt Klaus F. Rabe, Professor für Lungenheilkunde, Leiter der Lungenklinik Großhansdorf und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie. Man könne es sich ja kaum vorstellen, dass Eltern ihre Kinder heute noch wissentlich Zigarettenrauch aussetzen würden, aber offenbar geschehe es doch. Der Rauch schade ihrer Gesundheit aber sehr, so steige etwa das Risiko für Infektionen.

Selbst bei offenem Fenster Werte wie in einer Raucherkneipe

Auch das „Aktionsbündnis Nichtrauchen“, dem unter anderem die Deutsche Krebsgesellschaft und die Bundesärztekammer angehören, fordern ein solches Rauchverbot, auch für E-Zigaretten. Selbst bei geöffnetem Fenster erreiche die Schadstoffkonzentration schon nach einer Zigarette Werte einer Raucherkneipe. In Europa gebe es daher Rauchverbote in Autos bereits in Italien, Frankreich, Großbritannien und Griechenland.

Sollte das Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder mitfahren?

Nein, das sollen Eltern selbst entscheiden.  Außerdem kann man ja das Fenster aufmachen, dann zieht der meiste Rauch raus.

Mir egal, ich habe weder Kind noch Auto.

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Jan Mücke, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes, spricht hingegen von einer „populistischen Forderung“. Es bedürfe keiner gesetzlichen Regelung, weil laut einer Umfrage der Drogenbeauftragten ohnehin nur vier Prozent der Eltern überhaupt im Beisein von Kindern rauchen würden. Ein Rauchverbot in Autos sei zudem ähnlich wie das Handyverbot gar nicht kontrollierbar. Außerdem wäre es ein Eingriff in die Privatsphäre. Womöglich komme der Staat dann noch auf die Idee, nachzusehen, ob auch in Wohnungen mit Kinderzimmer geraucht wird.

"Die Gesundheit unserer Kinder muss oberstes Gebot sein"

Klaus Rabe hält dagegen: „Das Verbot ist in jedem Fall das richtige Zeichen.“ Tobias von Pein betont: „Die Gesundheit unserer Kinder muss uns mehr Wert sein als die Freiheit zur Rücksichtslosigkeit.“ Kinder hätten ein Recht darauf, sich in einer Umgebung zu entwickeln, die sie nicht krank macht.

Das sehen auch die Regierungsfraktionen so. „Die Gesundheit unserer Kinder muss oberstes Gebot sein. Ein Rauchverbot im Auto bei Anwesenheit von Kindern ist da eine folgerichtige Entscheidung“, sagt der CDU-Abgeordnete Hans Neve. „Wenn Informationskampagnen und gute Worte von Kinderärztinnen und Kinderärzten nicht helfen, dann sind wir offen für eine gesetzliche Regelung“, sagt die Grüne Marret Bohn. Und der FDP- Abgeordnete Dennys Bornhöft betont: „Bei Kindern besteht eine besondere Verantwortung der Eltern. Wenn sie diese nicht wahrnehmen und das Kindeswohl gefährden, darf der Staat nicht weggucken.“

Warnung wirkt

Schockfotos auf Zigarettenpackungen wirken. Das hat eine Studie der DAK-Gesundheit ergeben. Eine Umfrage unter 7000 Schülern habe gezeigt, dass die Warnhinweise in „beträchtlichem Maße“ negative Emotionen auslösen. Vor allem Jugendliche, die noch nie geraucht hatten, reagierten emotional stärker als ihre rauchenden Mitschüler. 

Von Wolfram Hammer