Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Norden Neuer Umweltminister geht auf Bauern im Norden zu
Nachrichten Politik Politik im Norden Neuer Umweltminister geht auf Bauern im Norden zu
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:24 21.08.2018
Quelle: Markus Scholz/dpa
Anzeige
Kiel/Berlin

Es sei durchaus möglich, „dass wir einer Lösung der Klimaproblematik auch näher kommen, indem wir zum Beispiel die Futtermittelproduktion ein wenig umstellen, statt die Landwirtschaft gleich komplett umzustellen“, sagte Albrecht der Tageszeitung „Die Welt“. Bauern könnten beispielsweise Düngemittel dank der Fortschritte in der Digitalisierung jetzt „sehr viel gezielter einsetzen“ als früher.

Habeck hatte angesichts des Klimawandels und der Ernteeinbußen der Landwirte in den „glühenden Landschaften“ dieses heißen Sommers erklärt, die Tierhaltung stoße an ihre ökologischen Grenzen. „Im Winter kann die Gülle nicht ausgebracht werden, im Sommer mangelt es an Futter. Wir müssen den Tierbestand reduzieren.“ Der Klimawandel erzwinge, „dass wir für die Bauern Einkommensmodelle entwickeln, die jenseits des bisherigen Systems von ’Wachse oder weiche’ funktionieren“. Ein Betrieb sollte nur so viele Tiere haben, wie er mit dem Ertrag seiner Flächen selber ernähren kann.

Anzeige

Zuspruch vom Bauernverband 

Habeck legt sein Amt nieder, weil er den Grünen-Bundesvorsitz übernommen hat und die Grünen-Satzung ihm beide Ämter parallel verbietet. Seither gibt sich Habeck in Sachen Umweltschutz-Forderungen wieder deutlich kämpferischer. Albrecht will als Minister offenbar auf einen pragmatischeren Kurs setzen. Der Präsident des Bauernverbandes im Norden, Werner Schwarz, begrüßt Albrechts Ankündigung jedenfalls bereits. „Das hört sich gut an“, sagt Schwarz. Es sei ein gutes Zeichen, wenn der neue Minister Themen auf diese Art und Weise neu angehe. Tatsächlich hätten auch die Landwirte ein großes Interesse daran, zum Beispiel Düngemittel immer gezielter einzusetzen, aus Umweltschutzgründen, und natürlich auch, weil Dünger teuer sei. „Es ist immer unser Ziel, eine hohe Effizienz zu erreichen, also mit immer weniger Mitteleinsatz höhere Erträge zu erzielen“, sagt Schwarz.

Scharfe Kritik der SPD

Die SPD-Landtagsabgeordnete und Landwirtschaftspolitikerin Kirsten Eickhoff-Weber hingegen übt scharfe Kritik an Albrechts Aussagen. Die Vorschläge des designierten Umweltministers zeigten, dass er Schleswig-Holstein erst noch kennenlernen müsse. „Die Digitalisierung wird nicht alle Herausforderungen der Landwirtschaft lösen können“, sagt Eickhoff-Weber. Offensichtlich müssten sich die Grünen ja aber selber erst noch einig werden, wie ihr Weg für die schleswig-holsteinische Landwirtschaft in der „post-habeckschen Zeit“ aussehen solle.

Von Wolfram Hammer

Kurswechsel: Neuer Minister geht auf Bauern im Norden zu

Grünen-Politiker kassiert schon vor Amtsantritt Habecks Positionen ein
WOLFRAM HAMMER
Kiel/Berlin. Offiziell ist Jan Philipp Albrecht erst ab 1. September Umwelt- und Landwirtschaftsminister im Norden. Einen ersten Kurswechsel hat der Grünen-Politiker dennoch schon eingeleitet. Die Forderung seines scheidenden Vorgängers Robert Habeck, die Tierbestände der Bauern im Land aus Klimaschutzgründen drastisch zu reduzieren, ist vom Tisch.

Es sei durchaus möglich, „dass wir einer Lösung der Klimaproblematik auch näher kommen, indem wir zum Beispiel die Futtermittelproduktion ein wenig umstellen, statt die Landwirtschaft gleich komplett umzustellen“, sagte Albrecht der Tageszeitung „Die Welt“. Bauern könnten beispielsweise Düngemittel dank der Fortschritte in der Digitalisierung jetzt „sehr viel gezielter einsetzen“ als früher.

Habeck hatte angesichts des Klimawandels und der Ernteeinbußen der Landwirte in den „glühenden Landschaften“ dieses heißen Sommers erklärt, die Tierhaltung stoße an ihre ökologischen Grenzen. „Im Winter kann die Gülle nicht ausgebracht werden, im Sommer mangelt es an Futter. Wir müssen den Tierbestand reduzieren.“ Der Klimawandel erzwinge, „dass wir für die Bauern Einkommensmodelle entwickeln, die jenseits des bisherigen Systems von ’Wachse oder weiche’ funktionieren“. Ein Betrieb sollte nur so viele Tiere haben, wie er mit dem Ertrag seiner Flächen selber ernähren kann.

Habeck legt sein Amt nieder, weil er den Grünen-Bundesvorsitz übernommen hat und die Grünen- Satzung ihm beide Ämter parallel verbietet. Seither gibt sich Habeck in Sachen Umweltschutz-Forderungen wieder deutlich kämpferischer. Albrecht will als Minister offenbar auf einen pragmatischeren Kurs setzen. Der Präsident des Bauernverbandes im Norden, Werner Schwarz, begrüßt Albrechts Ankündigung jedenfalls bereits. „Das hört sich gut an“, sagt Schwarz. Es sei ein gutes Zeichen, wenn der neue Minister Themen auf diese Art und Weise neu angehe. Tatsächlich hätten auch die Landwirte ein großes Interesse daran, zum Beispiel Düngemittel immer gezielter einzusetzen, aus Umweltschutzgründen, und natürlich auch, weil Dünger teuer sei. „Es ist immer unser Ziel, eine hohe Effizienz zu erreichen, also mit immer weniger Mitteleinsatz höhere Erträge zu erzielen“, sagt Schwarz.

Die SPD-Landtagsabgeordnete und Landwirtschaftspolitikerin Kirsten Eickhoff-Weber hingegen übt scharfe Kritik an Albrechts Aussagen. Die Vorschläge des designierten Umweltministers zeigten, dass er Schleswig-Holstein erst noch kennenlernen müsse. „Die Digitalisierung wird nicht alle Herausforderungen der Landwirtschaft lösen können“, sagt Eickhoff-Weber. Offensichtlich müssten sich die Grünen ja aber selber erst noch einig werden, wie ihr Weg für die schleswig-holsteinische Landwirtschaft in der „post-habeckschen Zeit“ aussehen solle.