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Politik im Norden Nina Scheer und Karl Lauterbach kandidieren für SPD-Vorsitz
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19:04 12.07.2019
Die schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete Nina Scheer will gemeinsam mit dem Gesundheitsexperten Karl Lauterbach für den Bundesvorsitz der SPD kandidieren. Quelle: SPD
Lübeck

Die Nachricht ist am Freitagnachmittag allen SPD-Mitgliedern in Schleswig-Holstein zugegangen. Zusammen mit Gesundheitsexperte Karl Lauterbach will die schleswig-holsteinische Bundestagsabgeordnete Nina Scheer für den Bundesvorsitz der SPD kandidieren.

Scheer vertritt Herzogtum Lauenburg seit 2013 im Bundestag

In der Mail, die den LN vorliegt, schreibt Scheer: "Gemeinsam mit Karl Lauterbach bewerbe ich mich im Team zur Kandidatur um den Parteivorsitz der SPD." Die 47-jährige Nina Scheer ist seit 2013 für den Wahlkreis Herzogtum Lauenburg/Stormarn Süd im Bundestag. Seit November 2017 ist sie lauenburgische Kreisvorsitzende der SPD. Sie ist Umwelt- und Energiepolitikerin und Tochter des lange Jahre profiliertesten Umweltpolitikers der SPD, Hermann Scheer, der 2010 starb. Lauterbach (56) gilt als ausgewiesener Gesundheitsexperte der Partei. Er sitzt seit 2005 für den Wahlkreis Leverkusen - Köln IV im Bundestag und ist seit 2013 stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Die Bewerbungsfrist läuft bis 1. September

Lauterbach und Scheer sind das zweite Bewerberduo. Zuvor hatten bereits Europa-Staatsminister Michael Roth und die ehemalige nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann ihre Kandidatur angekündigt. Kandidaten für die Nachfolge der zurückgetretenen Parteichefin Andrea Nahles haben bis zum 1. September Zeit, ihren Hut in den Ring zu werfen. Der Vorsitz soll nach einer Mitgliederbefragung auf einem Parteitag Anfang Dezember besetzt werden.

Gemeinsames Kandidaturschreiben

In einem gemeinsam verbreiteten Text der beiden treten sie für eine Politik ein, "die Ungleichheit vermindert, die natürlichen Lebensgrundlagen schützt und unverwässert sozialdemokratisch ist: sozial, ökologisch, klar". Die SPD müsse für Lösung, Zuspruch und Heimat stehen, aus dem Willy-Brandt-Haus, der Berliner Parteizentrale, müsse wieder "eine Denkfabrik" werden.

Scheer wollte die Nord-Genossen als erste informieren

„Die Entscheidung zu der Bewerbung um eine Kandidatur hat sich in der jüngeren Zeit entwickelt“, sagt Nina Scheer gegenüber den LN. Der gesamte Prozess sei schließlich noch recht frisch. „Für eine Kandidatur brauchen wir nun die erforderliche Unterstützung.“ Das vom Parteivorstand entwickelte Verfahren sieht dafür die Unterstützung von mindestens fünf Kreisverbänden oder eines Bezirkes oder Landesverbandes vor. Der Beschluss zur Unterstützung kann von einem Vorstand oder einem Parteitag gefasst werden. Scheer selbst ist seit 32 Jahren SPD-Mitglied und seit 2017 Kreisvorsitzende. „Wir haben unsere Bewerbung als Angebot mit der Bitte um Unterstützung formuliert. Alles weitere hängt jetzt von den Gliederungen ab, wie sie damit umgehen.“ Dass diese Bewerbung in die Sommerferien falle, bedeute aber auch, dass viele im Urlaub seien. Wichtig sei ihr gewesen, die Genossen in Schleswig-Holstein als erste zu informieren. In ihrer Bewerbung sei sie gemeinsam mit Karl Lauterbach bemüht, über die Beweggründe und Motive zu informieren und eine Zielvorstellung zu beschreiben.

Scheer reist am Sonntag zur Klimaschutzkonferenz nach New York

Für die Umweltpolitikerin Scheer selbst geht es am Sonntag erst einmal für sechs Tage nach New York zur Klimaschutzkonferenz. Ob danach in der parlamentarischen Sommerpause noch Zeit für Urlaub bleibe, ließ Scheer, die grundsätzlich nur wenig von ihrem Privatleben öffentlich macht, offen. „Wir sind mit dem Selbstverständnis am Start, dass wir unsere Kandidatur im Team auch arbeitsteilig wahrnehmen und uns gegenseitig vertreten“, sagt Scheer. Aber auch sonst sei man mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten „ja nirgends aus der Welt“.

Stegner: „Klasse, dass wir zwei Tandems haben“

Bundesvize Ralf Stegner sagte den LN, es sei immer gut, wenn sich Sozialdemokraten aus Schleswig-Holstein für andere Aufgaben bewerben. „Das ist klasse, dass wir jetzt schon zwei Tandems haben. Ich glaube, dass noch weitere dazukommen.“ Dieser Wettbewerb tue der Partei richtig gut. Zu einzelnen Bewerbern will Stegner aber erst Stellung nehmen, wenn die Bewerbungsfrist am 1. September abgelaufen sei. Auf die Frage, ob er selbst über eine Kandidatur nachdenke, wollte Stegner nicht antworten: „Aber Sie bekommen die Antwort bald“, sagte der SPD-Fraktionschef im schleswig-holsteinischen Landtag.

Midyatli: „Auswahl nur wünschenswert“

Auch Schleswig-Holsteins SPD-Landesvorsitzende Serpil Midyatli begrüßte die Kandidatur. „Wir haben mit der Mitgliederbefragung ein transparentes Verfahren gewählt und die Möglichkeit geschaffen, eine Auswahl bei der Wahl zum Parteivorsitz zu treffen“, sagte sie. Von daher sei eine Auswahl bei den Kandidaturen zu haben, „nur wünschenswert“, erklärte Midyatli.

Lauterbach: „Wir wollen eine linkere Sozialpolitik“

„Wir wollen eine Neuausrichtung der SPD in der Sozialpolitik und in der Umweltpolitik“, sagte Lauterbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Der 56-jährige Lauterbach kommt aus Nordrhein-Westfalen und ist Gesundheitsexperte. Er trat 2001 in die SPD ein und ist seit 2005 Mitglied des Bundestages für Leverkusen und Köln. „Wir wollen eine linkere Sozialpolitik und eine progressivere, aber realistische Umweltpolitik. Wir sind in diesen beiden Bereichen zu stark verwässert und nicht ausreichend aufgestellt.“ Die Aussichten, das Kandidatenrennen zu gewinnen, seien gut, fuhr er fort. „Die Basis entscheidet das. Und das Rennen ist ergebnisoffen. Ich denke, dass diese Kandidatur an der Basis auf jeden Fall Chancen hat.“ Das gesamte Verfahren sei eine Bereicherung, und er freue sich auf einen fröhlichen Wettbewerb, betonte der SPD-Politiker. „Ich glaube, dass uns eine gute Bewerberauswahl und echte Unterschiede bei den Kandidaten helfen werden.“

Generalsekretär Lars Klingbeil wartet noch

Unterdessen schloss SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil eine eigene Kandidatur für den Parteivorsitz nicht aus. „Natürlich mache auch ich mir Gedanken. Aber alles zu seiner Zeit“, sagte er „Zeit online“. „Für mich gilt erst mal: Ich will das Verfahren auf den Weg bringen.“ Der SPD-Vorsitz sei „ein großartiger Job“, so Klingbeil. Der Umgang mit Nahles sei jedoch frustrierend gewesen.

Lesen Sie auch das Interview mit Michael Roth und Christina Kampmann: „Die SPD lässt die Menschen im Land derzeit nicht aufhorchen“

Lars Fetköter, Holger Marohn und Markus Decker

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