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Politik im Norden Polit-Showdown in der Kulturwerft
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23:11 25.04.2017
Die beiden Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 07.05.2017 Torsten Albig (SPD, l) und Daniel Günther (CDU, r) stehen am 25.04.2017 in Lübeck (Schleswig-Holstein) vor dem Fernsehduell der beiden Spitzenkandidaten im Studio neben dem Moderator Andreas Cichowicz. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Lübeck/Kiel

Günther ist der erste, der das eigens eingerichtete Studio in der Kulturwerft Gollan in Lübeck erreicht. Um 19.33 Uhr fährt sein schwarzer Audi vor. In Sachen jugendlicher Unterstützer liegt der 43-Jährige immerhin schon mal vorn. 50 Jung-Unionler begrüßen ihn mit lauten „Daniel“-Rufen, schwenken CDU-Plakate. Die 20 Jusos kommen von der Lautstärke her nicht dagegen an. Dafür sind ihre Plakate handgemalt. „Danke Torsten für den höchsten Landes-Mindestlohn“, ist zum Beispiel drauf zu lesen. Sie eskortieren Torsten Albig schweigend zum Eingang, als der eine halbe Stunde später als sein Herausforderer in der Kulturwerft eintrifft.

Albig hat seine Partnerin Bärbel Boy dabei, außerdem einen Tross aus der Staatskanzlei, den Regierungssprecher, den Büroleiter. Günther ist mit seiner Büroleiterin und seinem Sprecher gekommen. Was anziehen? Albig hat den dunklen Anzug schon an, weißes Hemd, rote Krawatte, rote Socken, braune Schuhe. Günther zieht sich erst hier um. „Jetzt geht die Debatte los: Welche Krawatte?“, sagt die Büroleiterin zum Sprecher. Sie ist für die blaue, er für die braune. Am Ende setzt sich der Sprecher durch.

In der Maske liegt dann Albig vorn. Nur knapp zehn Minuten braucht Maskenbildnerin Christiane Greve, um den SPD-Ministerpräsidenten fernsehfit zu machen. „Meine Frisur sitzt halt einfach immer“, sagt Albig, zeigt auf seinen kahlen Kopf und lacht. „Er hat aber vor allem auch eine tolle Haut“, sagt Christiane Greve. In einer der Hallen hat sie zusammen mit einer Kollegin in einem großen schwarzen Zelt ihre Schmink- und Frisier-Kabinen aufgebaut.

Seit einer Woche schon haben Dutzende NDR-Mitarbeiter in der Kulturwerft gewerkelt, neun Kameras und 150 Scheinwerfer installiert, viele Kilometer Kabel verlegt. „Eine tolle Location“, heißt es aus dem Team. Die „Wahlarena“, wie das mobile Studio heißt, passe mit seinen 400 Quadratmetern haargenau in eine der Hallen hinein. Drumherum gebe es ausreichend Raum für die Technik und die Bewirtung. Alles verströmt den Charme der Industrialisierung. Die älteste Halle auf dem großen Areal wurde schon 1873 erbaut. Die letzte entstand in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Gleich neben dem Masken-Zelt ist das Buffet für die Kontrahenten und ihre Teams aufgebaut. Auf den Stehtischen stehen Gläser mit geschnittenen Gurken und Karotten. Fünf Minuten nach Albig ist auch Günther geschminkt. Ein kurzer Smalltalk. Man geht freundlich miteinander um. Etwas später stehen die beiden doch wieder an getrennten Tischen.

Es ist halb neun Uhr. Vor der Eingangstür wächst die Schlange der Besucher. 120 Gäste dürfen in die Wahlarena mit hinein. Das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap hat sie ausgesucht. Das Publikum soll repräsentativ sein für alle Schleswig-Holsteiner, heißt es. 15 Minuten lang dauert das „Warm up“: Wie schaut man interessiert? Fragen kurz und präzise stellen.

Zehn Minuten vor neun erreichen auch Albig und Günther die Wahlarena. Albig wirkt entspannt. Am Morgen hat er noch die Kabinettssitzung geleitet. Günther wirkt etwas angestrengt. Noch ein schneller Fototermin an den Stehpulten. „Alle Nicht-Beteiligten verlassen jetzt bitte die Arena“, ruft eine Mitarbeiterin. Die Türen schließen sich. Gut 150 000 Zuschauer dürften daheim vor den Fernsehgeräten sitzen. Es ist 21 Uhr. Das Duell beginnt.

Von Wolfram Hammer

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