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Politik im Norden Robert Habeck will nicht mehr twittern
Nachrichten Politik Politik im Norden Robert Habeck will nicht mehr twittern
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19:04 07.01.2019
Robert Habeck will nicht mehr twittern. Ein verunglücktes Video, das er über den Kurznachrichtendienst geteilt hatte, brachte ihm zuvor massiv Häme und Kritik ein. Quelle: imago stock&people
Kiel/Berlin

Grünen-Chef Robert Habeck verabschiedet sich aus den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook. Grund für den Twitter-Rückzug sind Häme und Kritik, die der Schleswig-Holsteiner für ein über den Kurznachrichtendienst verbreitetes, verunglücktes Werbe-Video für den thüringischen Wahlkampf einstecken musste.

Spott und Häme für Habecks Wahlkampf-Video

In dem Video ein Habeck-Kurz-Interview – und wieder einmal redet sich der 49-Jährige heiß, poltert schließlich: „Wir versuchen alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“

Wird? Ist Thüringen also nicht heute schon offen, frei, liberal, demokratisch? Und ökologisch? Im Netz ergießt sich Spott über den Tweet – zumal die Grünen seit der letzten Landtagswahl in Erfurt mitregieren. Der aus Thüringen stammende SPD-Bundestagsgeschäftsführer Carsten Schneider etwa fragte auf Twitter mit bitterer Ironie: „In welchem Gefängnis habe ich die letzten Jahre gelebt?“ SPD-Bundesvize Ralf Stegner nennt Habeck dort „ein bisschen überheblich“.

Schon in Bayern fiel Habeck mit einem Video auf die Nase

Thüringens Grüne entschuldigten sich daraufhin im Netz und löschten das Video. Jetzt nennt Habeck auf seinem Blog www.robert-habeck.de das jüngste Video auch selbst einen Fehler – den er jetzt schon zweimal gemacht habe. Tatsächlich war er im Oktober vor der Bayernwahl ebenfalls wegen eines Videos in die Kritik geraten. Darin hatte er die Wähler aufgefordert, die CSU-Alleinherrschaft zu beenden, damit man sagen könne: „Endlich gibt es wieder Demokratie in Bayern.“

Hadert mit seinem zweiten, missglückten Video-Auftritt vor einer Landtagswahl: Grünen-Bundeschef Robert Habeck (49). Quelle: dpa

„Wie dumm muss man sein, einen Fehler zweimal zu begehen?“, schreibt Habeck nun in seinem Blog – und macht dann das soziale Medium mitverantwortlich: „Nach einer schlaflosen Nacht komme ich zu dem Ergebnis, dass Twitter auf mich abfärbt.“ Er habe sich bei beiden Videos unbewusst „auf die polemische Art von Twitter eingestellt“. Twitter sei wie kein anderes digitales Medium aggressiv, und in keinem anderen gebe es so viel Hass, Böswilligkeit und Hetze. Offenbar triggere Twitter in ihm etwas an: „aggressiver, lauter, polemischer und zugespitzter zu sein – und das alles in einer Schnelligkeit, die es schwer macht, dem Nachdenken Raum zu lassen“. Seine Konsequenz: Er lösche seinen Account. „Bye bye Twitter und Facebook.“ Das Facebook-Konto melde er gleich mit ab, weil Hacker darüber in den letzten Wochen an private Telefonnummern und Chatverläufe mit seiner Familie gekommen waren und sie im Internet veröffentlicht hatten.

Viel-Twitterer Ralf Stegner warf Habeck Überheblichkeit vor, bedauert jetzt aber dessen Twitter-Rückzug. Quelle: dpa

Bei Twitter reagierten viele Nutzer mit Bedauern. Der drakonische Umgang mit solchen Versprechern von Politikern zeuge von Humorlosigkeit, heißt es zum Beispiel. Einige politische Weggefährten üben jetzt auch gerade für seinen Social-Media-Abschied Kritik an dem Grünen-Politiker. „Wir sollten die sozialen Medien nicht den ,Hatern’ und Nazis überlassen, sondern müssen dagegen halten“, sagt etwa Viel-Twitterer Ralf Stegner. Er finde den Rückzug falsch, sagt auch Thüringens Linker Ministerpräsident Bodo Ramelow: „Wir alle müssen vielmehr lernen, mit den sozialen Netzwerken und der Sicherheit im Netz besser umzugehen.“ Und: Jeder könne sich mal vertun. Schließlich hätte Habeck in dem Video nur „bleibt“ statt „wird“ sagen müssen.

Der Kieler FDP-Landtagsfraktionschef Christopher Vogt kann Habecks Facebook-Abschied angesichts des Hacker-Vorfalls verstehen, den Twitter-Rückzug aber nicht. Für die Kritik, die Habeck für seinen Spot geerntet habe, sei nicht Twitter verantwortlich, sondern dass er selber in dem Video Unsinn erzählt habe – Vogt attestiert Habeck dabei „Hybris“. Kiels Grünen-Finanzministerin Monika Heinold will die sozialen Medien derweil auch weiterhin nutzen. Sie würden Chancen und Risiken bergen. Für sie seien sie „eine wichtige Möglichkeit, um vielfältig, direkt und transparent zu kommunizieren“.

CDU-Ministerpräsident Daniel Günther twittert nicht – und rät auch jedem Politiker ab, es zu tun. Quelle: Carsten Rehder/dpa

CDU-Ministerpräsident Daniel Günther hingegen, ebenfalls Opfer der Hacker-Attacke der letzten Wochen, kann Habeck gut verstehen. „Ich rate ohnehin jedem dazu, sich in den sozialen Medien zurückzuhalten.“ Er selber habe zum Beispiel noch nie getwittert. Twitter stehe mit seinem Zwang zur Schnelligkeit und der Begrenzung auf wenige Zeichen ja nun auch nicht gerade für politische Seriosität und Nachdenklichkeit, sagt der Ministerpräsident. Und Facebook-Kommentare lese er nur, wenn er „mal schlechte Laune bekommen“ wolle. Dass sich Mehrheitsmeinungen in den sozialen Medien widerspiegelten, glaube er ohnehin nicht. Da sei seiner Erfahrung nach doch nur ein sehr begrenzter Teil der Bevölkerung unterwegs, sagt Günther.

Wolfram Hammer

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