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Politik im Norden SPD fordert: „Hindenburgdamm“ bei Bahn-Feierstunde umbenennen
Nachrichten Politik Politik im Norden SPD fordert: „Hindenburgdamm“ bei Bahn-Feierstunde umbenennen
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20:58 07.02.2019
Von Niebüll nach Westerland soll es bald über den „Sylt-Damm“ oder auch „Sylter Damm“ gehen, fordern SPD und Grüne. Quelle: dpa
Sylt/Kiel

In die Diskussion um die Umbenennung des Hindenburgdammes nach Sylt kommt Bewegung. Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Habersaat fordert die Bahn jetzt auf, zu einer Feierstunde einzuladen, um einen neuen Namen auszurufen.

Dies sei der richtige Weg, dem Damm einen neuen Namen zu geben, sagt Habersaat. Denn: Eine offizielle Benennung als „Hindenburgdamm“ habe es ja nie geben. Erst der Generaldirektor der Reichsbahn und spätere NS-Reichsverkehrsminister Julius Dorpmüller hätte ihm den Namen 1927 in seiner Einweihungsrede verpasst. Der Volksmund habe das dann aufgenommen. Inzwischen taucht der Name sogar in offiziellen Karten oder staatlichen Katstrophenschutzplänen auf. Die Bahn führt den Damm in ihren Unterlagen hingegen schlicht als Teil der Strecke 1210 (sprich: zwölf-zehn).

Wie ändert man einen Namen, der offiziell nicht existiert?

Der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Habersaat macht sich für den Namen „Sylter Damm“ stark. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Die Feierstunde sollte die Bahn, als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn, gemeinsam mit Sylt und dem nordfriesischen Festland, also der Gemeinde und dem Kreis Nordfriesland, planen und umsetzen, sagt Habersaat. Auch die Idee für einen neuen Namen gibt es bereits: „Wir können uns gut vorstellen, einfach vom ,Sylter Damm’ zu sprechen“, sagt Habersaat, so wie der ehemalige Kaiser-Wilhelm-Kanal ja auch schon lange Nord-Ostsee-Kanal heiße.

Für diesen Namen macht sich auf Sylt seit langem auch eine Initiative stark. Der Grünen-Politiker Andreas Tietze hatte zuletzt für die Schreibweise „Syltdamm“ analog zum „Rügendamm“ geworben. Dieser Name sei auch unter touristischen Gesichtspunkten ein Gewinn. Der Direktor des Nordfriesland-Instituts in Bredstedt, Christoph G. Schmidt, schlägt vor, das Bauwerk einfach friesisch „Söl Ring Damm“ zu nennen – was ebenfalls „Sylt Damm“ heißt. Die Friesen seien ja schließlich in der Landesverfassung als Minderheit verankert.

Lübecker Bürgerschaft benennt Hindenburgplatz um

Landes- und bundesweit werden immer mehr Hindenburgstraßen und -Plätze umbenannt, zuletzt in Kiel und Lübeck. Galt Hindenburg vielen einst als großer Feldherr des Ersten Weltkriegs und ehrenwerter Reichspräsident (ab 1925 bis zu seinem Tod 1934), wird ihm heute zur Last gelegt, als Militär und Quasi-Diktator im Deutschen Reich ab 1917 Hunderttausende junge Soldaten in einem aussichtslosen Krieg wissentlich in einen sinnlosen Tod geschickt zu haben.

Hitler und Hindenburg 1933: Der greise Reichspräsident hatte Hitler kurz zuvor zum Reichskanzler ernannt. Es folgten zwölf Jahre Diktatur und Terror. Quelle: dpa

Hindenburg habe die spätere neue Weimarer Demokratie zudem schon 1918 mit der „Dolchstoßlegende“ (der Behauptung, nicht das Militär habe den Krieg verloren, sondern Verräter im Volk hätten die Niederlage verursacht) diskreditiert und schließlich als Reichspräsident Hitler ohne Not zum Reichskanzler gemacht. „Hindenburg hat keinen Platz in der Geschichte der deutschen Demokratie“, sagt Habersaat daher. Er gehöre zu denen, „die die erste deutsche Demokratie auf dem Gewissen haben“.

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Wolfram Hammer

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