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Politik im Norden Lehrermangel an Grundschulen: SPD kritisiert Ministerin
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18:37 20.02.2019
Der SPD-Bildungspolitiker und Landtagsfraktionsvize Martin Habersaat fordert von der CDU-Bildungsministerin einen klareren Reformkurs an den Schulen. Quelle: LN
Kiel

Für 2020 habe die Ministerin eine Schulgesetz-Novelle angekündigt, sagt der SPD-Fraktionsvize und Bildungspolitiker Martin Habersaat. Alle Reform-Ankündigungen dafür hätten sich bislang als heiße Luft erwiesen. Vor allem an den Grundschulen drohe unter Prien zudem ein eklatanter Mangel an ausgebildeten Lehrkräften.

Immer mehr Lehrer ohne abgeschlossene Ausbildung

„Der Personalmangel an den Grundschulen wird anscheinend schlimmer“, sagt Habersaat. Am Donnerstag erwarte die SPD im Bildungsausschuss endlich eine Antwort auf die Frage, ob sichergestellt werden könne, dass alle Grundschulklassen in Schleswig-Holstein zumindest in der Hälfte der Stunden von fertig für die Grundschule ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet würden.

Unterricht an einer Grundschule in Neumünster: Auch in der Primarstufe fehlen immer mehr ausgebildete Lehrer. Quelle: Frank Molter/dpa

Tatsächlich werden an Schulen immer häufiger Aushilfs-Lehrkräfte eingesetzt. Im Mai 2018 etwa wurde bekannt, dass allein an Lübecks Grundschulen 30 Vertretungskräfte unterrichten, von denen nur drei ein zweites Staatsexamen abgelegt haben. Sie stopfen dort die größten Personallöcher. Denn: Nachwuchs-Lehrer fehlen, vor allem auch in Mangelfächern wie Musik, Physik oder Mathematik. In den Grundschulen wird Mathe zudem generell häufig von Lehrern unterrichtet, die das Fach gar nicht studiert haben. Das Land steuere aber gegen, kontert Ministeriumssprecher Thomas Schunck. Seit 2014 schon müssten alle Studenten fürs Grundschullehramt als Hauptfach Deutsch oder Mathematik und dazu das jeweils andere Fach als „Lernfeld“ mitstudieren.

Ministerium: Lehrer-Studium wurde bereits reformiert

Habersaat bleibt skeptisch. Ohnehin laute die Bilanz der Arbeit der Ministerin bislang: „Viel Zickzack, oft in die falsche Richtung.“ So sei das Konzept des Bildungsbonus für Schulen in schwierigen sozialräumlichen Lagen von ihr zwischenzeitlich zum Programm zur Stärkung von Grundschulen im ländlichen Raum uminterpretiert worden. Nach ihren jüngsten Äußerungen sollten die Schulen nun offenbar per Sozialatlas ausgewählt werden, sich dann aber noch bewerben und einem Wettbewerb um Fördergelder aussetzen müssen.

Schleswig-Holsteins CDU-Bildungsministerin Karin Prien bereitet für 2020 eine Schulgesetz-Novelle vor, will am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags neue Zahlen zum Unterricht vorlegen. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Die Debatte um die Reform der Oberstufe schließlich habe die Ministerin sofort wieder abgewürgt. „Neue Gedanken wurden nicht zugelassen, die zu drehenden Stellschräubchen wurden vom Ministerium vorgegeben.“ Dass die Rückkehr zu G9 an den Gymnasien auch für die Mittelstufe Chancen zur Neu- und Bessergestaltung biete, werde von Prien bisher völlig ausgeblendet. Bei der Kostenerstattung für die wegen G9 notwendigen neuen Klassenräume und Turnhallen würden die Kommunen als Schulträger bislang immer nur vertröstet werden. Und dass ausgerechnet Förderschüler weiter keine Noten bekommen sollen, sei unverständlich. Wenn Prien Noten sonst stets als Nonplusultra der Bildungspolitik preise, dürften ausgerechnet Förderschüler dabei nicht ausgegrenzt werden.

SPD beklagt Reform-Ankündigungen ohne konkrete Folgen

Dass Prien nach einem Niqab-Fall an der Kieler Uni ankündige, die Vollverschleierung auch an Schulen verbieten zu wollen, „ist vor dem Hintergrund von null konkreten Fällen an den Schulen eher populistisch als liberal“. Sie solle lieber „auf die hohe Problemlösungskompetenz der Schulen vor Ort setzen“. Mit Sorge erwarte man daher, welche Vorschläge die Ministerin für die angekündigte Schulgesetz-Änderung noch parat habe. Von einer groß angekündigten Reform der Unterstützungssysteme Schulbegleitung, Schulassistenz und Sozialpädagogik nach Lübecker Modell sei jedenfalls in der Praxis noch nichts zu sehen. Und auch die angekündigte landeseigene Alternative zum umstrittenen türkischen Konsulatsunterricht lasse weiter auf sich warten.

Wolfram Hammer

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