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Politik im Norden Türkisches Boulevardblatt geht auf Lübecks Schulamt los
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06:00 09.02.2019
In Lübeck gibt es Streit um den Türkischunterricht durch Konsulatslehrkräfte (Symbolbild). Darf die Stadt die Teilnehmer erfassen und nachhaken, was genau dort unterrichtet wird? Quelle: dpa
Lübeck/Kiel

Aufregung um den Türkisch-Unterricht an sieben Lübecker Schulen: Wollte die Stadt unzulässigerweise ermitteln, welche Kinder daran teilnehmen? Oder müsste sie nicht sogar noch viel mehr darüber wissen, was die vom türkischen Konsulat geschickten Lehrer den Kindern dort vermitteln? Eine Abfrage des Schulamtes schaffte es jetzt jedenfalls in die Schlagzeilen einer einschlägigen, regierungsnahen türkischen Boulevardzeitung.

Türkischer Konsulats-Unterricht schon länger in der Kritik

Nach LN-Informationen begann alles mit der Nachfrage besorgter Eltern beim Schulamt der Stadt: Was denn wohl in dem Nachmittagsunterricht vor sich gehe, den die vom türkischen Staat bezahlten Lehrer einigen Mitschülern mit türkischen Wurzeln da erteilten. Dieser Konsulats-Unterricht, vor 42 Jahren eingeführt, war zuletzt bundesweit ins Gerede gekommen. Auch in Teilen der türkischen Gemeinde selber wuchs der Verdacht, dass die Kinder dort zunehmend im Sinne Erdogans nationalistisch indoktriniert werden würden.

So richtig wisse man das eigentlich auch nicht, stellten die Mitarbeiter des Lübecker Schulamtes samt Schulsenatorin Kathrin Weiher in einer Besprechung fest, und sie beschlossen: Man werde einfach mal die Schulleitungen fragen, wer da wann wen unterrichtet. Und vor allem: Was?

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Regierungsnahe türkische Zeitung wähnt Bespitzelung

Eine Anfrage von Lübecks Schulsenatorin Kathrin Weiher trat die Berichte in einer türkischen Zeitung los. Quelle: Olaf Malzahn

Auch die Schulleiterinnen und Schulleiter allerdings mussten bei den Inhalten passen. Da allerdings war die interne Abfrage längst nach außen durchgesickert, „durch ein Versehen“, wie es heißt. Und sie erreichte schnell die Türkische Gemeinde in Lübeck. Kurz darauf ein Bericht des der Erdogan-Partei AKP nahe stehenden Blattes „Sabah“. Die Zeitung wirft der Stadt darin Stasi-Methoden vor. Der deutsche Staat solle aufhören, über türkische Schüler Buch zu führen und sie zu bespitzeln. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu fasste nach.

Die Vorsitzende des Türkischen Elternbundes in Lübeck, Müjgan Barasik, kommt in den Sabah-Texten ebenfalls zu Wort. Die Eltern der Kinder, die am Türkischunterricht teilnehmen, seien aufgebracht, so der Tenor der Berichte. Es seien bei den Kindern seelische Folgen zu befürchten, weil sie denken könnten, etwas Falsches zu tun und nun dafür überwacht zu werden. Auch dass Fragen zu Inhalt und Themen des Unterrichts gestellt wurden, wird in den Artikeln kritisiert.

In Weihers Lübecker Schulamt will man zu den Vorgängen vorläufig nicht weiter Stellung nehmen. Nur so viel: Man habe sich schlicht über den Unterricht informieren wollen, stelle ihn nicht grundsätzlich infrage.

Konsulats-Unterricht: Es geht um Sprache und „volkseigentümliche“ Werte

928 Schülerinnen und Schüler an 54 Schulen nehmen in Schleswig-Holstein in diesem Schuljahr am türkischen Konsulatsunterricht teil. Das hat das Hamburger Generalkonsulat dem Bildungsministerium mitgeteilt. Die detaillierte Liste ist notwendig, weil Kiel für die Kinder eine Gruppenunfallversicherung für außerschulische Veranstaltungen abschließen muss. Die EU-Richtlinie über die schulische Betreuung der Kinder von Wanderarbeitnehmern von 1977 sichert dem Konsulat zu, diesen Unterricht in eigener Verantwortung erteilen und allein über die Qualifizierung und Auswahl der Lehrkräfte sowie über Lehrinhalte und Unterrichtsmaterialien entscheiden zu dürfen. Gemäß des 2018 neu gefassten Lehrplans konzentriert sich der Unterricht auf den Spracherwerb und landeskundliche Kenntnisse über die Türkei sowie „volkseigentümliche“ Werte. Die Schulträger können aber entscheiden, ob der Unterricht in der Schule stattfinden darf. Hospitationen durch Schulleiter und Ministerium sind gemäß Absprache mit dem Generalkonsulat jederzeit möglich, heißt es aus Kiel. Mittelfristig wolle das Land in diesem Unterricht in Schleswig-Holstein ausgebildete Fachkräfte einsetzen.

Rückendeckung für die Abfrage bekommt das städtische Schulamt auch aus dem Kieler Bildungsministerium. Schulleitungen hätten selbstverständlich das Recht, jederzeit in den Unterricht zu kommen, der an ihrer Schule stattfindet. Das Ministerium selber werde künftig ebenfalls in einigen Stunden hospitieren, auch wenn es sich streng genommen um eine außerschulische Veranstaltung handle. Das sei mit dem Konsulat so abgestimmt worden. CDU-Bildungsministerin Karin Prien habe darüber bereits mit der Generalkonsulin telefoniert. Schon deren Vorgänger habe ihr mehr Transparenz versprochen.

Jetzt soll es ein klärendes Gespräch geben

CDU-Bildungsministerin Karin Prien will, dass bald nur noch in Deutschland ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer den türkischen Konsulats-Unterricht in den Schulen geben dürfen. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Und: Die Ministerin habe sehr deutlich gemacht, dass das Land mittelfristig nur noch in Schleswig-Holstein ausgebildete Fachkräfte für diesen Unterricht einsetzen wolle, sagt ein Sprecher. Termine für die Hospitationen durchs Ministerium würden derzeit abgestimmt werden. Schulsenatorin Kathrin Weiher hat derweil die insgesamt drei in Lübeck tätigen Lehrkräfte samt Konsulatsvertretern zu einem klärenden Gespräch ins Schulamt eingeladen. Seriöse türkische Zeitungen sollen das Thema nicht aufgegriffen haben, ist in Lübeck zu hören.

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Wolfram Hammer

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