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Politik im Rest der Welt 356 Migranten an Bord: Nächstes Schiff sucht im Mittelmeer Hafen
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18:42 21.08.2019
Das Rettungschiff «Ocean Viking». Quelle: Julia Naue/dpa
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Madrid

Nach der Beschlagnahme des Hilfsschiffes "Open Arms" durch die italienischen Behörden bahnt sich im Mittelmeer das nächste Drama um Migranten und Asylsuchende an. Das Schiff "Ocean Viking" der Organisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee lag am Mittwoch mit 356 Menschen an Bord zwischen Malta und der italienischen Insel Linosa in internationalen Gewässern. Die Lage sei unter Kontrolle, aber es gebe zu wenig Duschen und Wasser, twitterte SOS Mediterranee am Mittwoch. Die Menschen müssten so schnell wie möglich von Bord.

Dabei stehen sie vor dem gleichen Problem wie schon die "Open Arms" und andere Schiffe, die Migranten gerettet haben, die auf der Überfahrt nach Europa in Seenot geraten sind: Italien und Malta wollen sie nicht in ihre Häfen lassen - die "Open Arms" selbst dann nicht, nachdem sich Spanien, Portugal, Deutschland, Frankreich und Luxemburg zur Aufnahme bereit erklärt hatten. Der italienische Innenminister Matteo Salvini wirft Rettern vor, mit Schleusern zusammenzuarbeiten.

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Die "Open Arms" irrte deswegen 19 Tage mit zeitweise 163 Geretteten im Mittelmeer umher, bis der sizilianische Staatsanwalt Luigi Petronaggi am Dienstag anordnete, das Schiff zu beschlagnahmen und die verbliebenen 83 Menschen an Land zu bringen. Die Übrigen waren zuvor von Bord geholt worden oder ins Wasser gesprungen. Einige schwammen im nahen Lampedusa ans Ufer.

Die EU-Kommission erklärte, die 83 Migranten würden auf europäische Länder verteilt. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete, sie seien medizinisch untersucht worden und sollten als nächstes identifiziert werden.

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Petronaggio ermittelt in dem Fall auch gegen Salvini. Open Arms erklärte, man werde den Ermittlern helfen, diejenigen zu finden, die "für das seelische Leid verantwortlich sind, das Menschen gezwungen hat, solch extreme Schritte zu unternehmen".

Indessen forderte SOS Mediterranee, die Situation an Bord der "Ocean Viking" müsse gelöst werden. Frauen, Männer und Kinder schliefen dort auf den Fluren. "Diese Menschen haben enorm gelitten. Die meisten von ihnen sind durch Internierungslager in Libyen gekommen", erklärte die Organisation.

Ärzte ohne Grenzen forderte, Europa müsse endlich einen Weg finden, damit Rettungsschiffen nicht immer wieder die Einfahrt in den nächstgelegenen sicheren Hafen verweigert werde.

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RND/AP

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