Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Algerien: Zehntausende protestieren gegen Machtelite
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Algerien: Zehntausende protestieren gegen Machtelite
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:04 01.11.2019
Tausende Algerier protestieren gegen die Machtelite und die anstehende Präsidentschaftswahl. Darunter auch Richter und Staatsanwälte demonstrieren, die sich gegen die Einmischung der Exekutive in die Justiz am Obersten Gerichtshof auflehnen. Quelle: XinHua/dpa
Algier

Zehntausende Algerier sind allein in der Hauptstadt Algier auf die Straße gegangen, um gegen die Machtelite des Landes und die geplante Präsidentschaftswahl zu protestieren. Die Straßen im Stadtzentrum waren voll mit Menschen, die den Rücktritt der alten Elite und unabhängige Institutionen forderten. Auch in vielen anderen Städten des Landes versammelten sich Tausende Demonstranten.

Bereits in der Nacht zu Freitag waren zahlreiche Menschen von außerhalb der Hauptstadt nach Algier gekommen, weil sie Straßensperren der Sicherheitskräfte fürchteten. Viele von ihnen schliefen auf offener Straße oder protestierten bereits in der Nacht. Nach lokalen Medienberichten wurden mehrere Dutzend Protestierende bei den nächtlichen Demonstrationen festgenommen, die in Vorbereitung auf die großen Freitagsdemonstrationen stattfanden. Es ist bereits der 37. Freitag in Folge, an dem es zu Massenprotesten in dem nordafrikanischen Land gekommen ist.

Die Demonstrationen hatten im Februar begonnen und Anfang April zum Rücktritt von Langzeitpräsident Abdelaziz Bouteflika geführt. Auch das in Algerien mächtige Militär, das Bouteflika vor 20 Jahren mit an die Macht gebracht hatte, hatte sich angesichts des Drucks der Demonstranten schließlich von Bouteflika abgewandt. Für den Sommer angesetzte Neuwahlen wurden allerdings zunächst auf Dezember verschoben.

"Keine Wahlen unter der Kontrolle der Bande!"

In einer Rede an die Nation rief Übergangspräsident Abdelkader Bensalah die Algerier auf, zur Wahl zu gehen. Zahlreiche Oppositionsgruppen und Richter hatten bereits angekündigt, die Wahl zu boykottieren. "Ich rufe euch alle auf, zum Erfolg dieser entscheidenden Wahl beizutragen", sagte Bensalah am Donnerstagabend.

Als Reaktion riefen Demonstranten: "Keine Wahlen unter der Kontrolle der Bande!" Die Massenproteste für den Freitag waren bereits länger angekündigt und fallen mit dem 65. Jahrestag des Beginns des Unabhängigkeitskampfes gegen Frankreich zusammen. Einige Demonstranten sprachen auch von einem Tag, an dem zwei Revolutionen gedacht würde: dem Kampf gegen Frankreich und dem Kampf gegen die alten Eliten des zurückgetretenen Präsidenten Bouteflika.

Frankreich zeigt sich solidarisch mit den Demonstranten

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sendete per Twitter Grüße und Gratulationen an die Algerier. "Ich zolle ihrem Geist der Verantwortung Respekt in dieser wichtigen Zeit für die Zukunft", schrieb Macron.

Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian betonte, dass Frankreichs einziger Wunsch an diesem Tag sei, dass die Algerier gemeinsam den Weg zu einem demokratischen Übergang finden. Es liege einzig an den Algeriern über ihre Zukunft zu entscheiden. "Das ist es, was wir für Algerien hoffen, angesichts der tiefen Bindungen, die uns an dieses Land binden", so Le Drian einer Mitteilung zufolge.

Es wird erwartet, dass die Wahlkommission an diesem Wochenende die endgültige Liste der zugelassenen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl bekanntgeben wird.

Mehr zum Thema

„Warten auf Schwalben“ – Vom Leben in Algerien

RND/dpa

Im Rennen um den SPD-Vorsitz können sich Vizekanzler Olaf Scholz und Partnerin Klara Geywitz über prominente Unterstützung freuen. Trotz einer schwierigen Vergangenheit mit Scholz will Ex-SPD-Vorsitzender Martin Schulz das Duo wählen. Leicht falle es ihm zwar nicht, doch es gebe einen entscheidenden Grund.

01.11.2019

Die syrischen Kriegsparteien sitzen an einem gemeinsamen Verhandlungstisch – immerhin etwas. Der Genfer Verfassungsprozess wird jedoch von den Geschehnissen in Syrien unterlaufen. Ein letztes Mittel, um Druck auf Machthaber Assad auszuüben, bleibt den Europäern, kommentiert Marina Kormbaki.

02.11.2019

Einige Städte in Deutschland haben bereits den Klimanotstand ausgerufen, in Dresden wäre nun beinahe der “Nazinotstand” eingetreten. Ein Stadtratsmitglied der Satirepartei “Die Partei” hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Der Dresdner Rat hat die Formulierung im letzten Moment abgeschwächt - mit einem simplen Satzzeichen.

01.11.2019