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Politik im Rest der Welt André Poggenburg: der völkische Egoist
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17:55 11.01.2019
André Poggenburg Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa
Riesa

 Vor drei Jahren war André Poggenburg ein Star. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im März 2016 erreichte die AfD mit 24,3 Prozent ihr bisher bestes Ergebnis. Rund um Bitterfeld übersprang die Rechtspartei sogar die 30-Prozent-Marke. Dass im Osten eine neue Volkspartei heranwächst, war zwischen Harz und Saale als erstes zu spüren. Bereits am Wahlabend wurde aber auch deutlich, dass Poggenburg jeglicher politischer Stil und Instinkt fehlte. Das verschwörungstheoretische „Compact-Magazin“ war Exklusiv-Partner der Wahlparty, dessen Chef Jürgen Elsässer gab sich wie der eigentliche Sieger des Abends.

Poggenburg war einmal der „König des Ostens“

Poggenburg war damals wer in der AfD, auch bundesweit. Zusammen mit Björn Höcke führte er den Rechtsaußen-„Flügel“ an, er war deren Mann im Bundesvorstand. Strategisch denkende Köpfe vom rechten AfD-Flügel wie die Potsdamer Alexander Gauland und Andreas Kalbitz schüttelten hinter den Kulissen zwar die Köpfe über Poggenburgs impulsive und beschränkte Art – hier war jemand, dessen Ego seine politischen Fähigkeiten weit überstieg. Aber Poggenburg war halt Mister 24,3 Prozent und damit Oppositionsführer in Magdeburg.

Beruflich und privat ging bei Poggenburg so einiges drunter und drüber. Poggenburg hat eine kaufmännische Ausbildung und eine Ausbildung als Behälter- und Apparatebauer. Für seinen Fachbetrieb für Kühler-Reparaturen kaufte er das Gut Nöbeditz im Burgenlandkreis. Der Firma war kein wirtschaftliches Glück beschieden. Er führte Beiträge zur Handwerkskammer nicht am und hielt Gläubiger hin, was ihn vielfach in Kontakt mit der Justiz brachte. Privat war Poggenburg zuletzt mit der Tochter eines AfD-Landtagsabgeordneten liiert. Die Beziehung trug entscheidend zu seinem Sturz bei: Er verschaffte seiner Freundin einen Ausbildungsplatz bei der Fraktion.

Die AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt forderte nun Poggenburgs Mandat zurück. Poggenburg sei zwar direkt gewählt worden, aber nur weil er für die AfD angetreten sei, sagte der Fraktionsvorsitzende Oliver Kirchner am Freitag. Formal ist Poggenburg trotz seines Parteiaustritts weiter Mitglied der Fraktion.

Im Februar 2018 gab es den entscheidenden Knick

Die politische Karriere des heute 43-Jährigen erfuhr im Februar 2018 ihren entscheidenden Knick. Beim Politischen Aschermittwoch in Nentmannsdorf in Sachsen hatte er die Türkische Gemeinde in Deutschland als „Kümmelhändler und Kameltreiber“ beleidigt und Deutsche mit doppelter Staatsangehörigkeit als „vaterlandsloses Gesindel, das wir hier nicht länger haben wollen“ bezeichnet.

Seine Mitstreiter vom extrem rechten Parteiflügel, Björn Höcke aus Thüringen und Andreas Kalbitz aus Brandenburg, rückten von ihm ab. Höcke ist als Posterboy der Rechtsausleger innerparteilich unangreifbar, Kalbitz ist als geschickter Strippenzieher überall in der Partei vernetzt – und testet geschickt die Grenzen des Sagbaren aus. Poggenburg konnte da nicht auf Dauer mithalten – seine Grenzüberschreitungen waren zu plump. Er wurde zum Klotz am Bein.

Poggenburg verlor in der Folge den Fraktions- und Landesvorsitz in Sachsen-Anhalt. Den „Flügel“ führen nun Kalbitz und Höcke. Beide schicken sich an, als Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen in Brandenburg und Thüringen in die Nähe von Poggenburgs damaligem Wahlergebnis zu kommen.

Den Politischen Aschermittwoch moderierte damals Egbert Ermer, mit dem Poggenburg nun in seiner neuen Partei „Aufbruch deutscher Patrioten“ (AdP) gemeinsame Sache macht – Poggenburg als Vorsitzender, Ermer als Vorstandsmitglied.

In der ersten Reihe saßen damals Siegfried Däbritz und Lutz Bachmann von der Dresdner „Pegida“. Aktuell strebt der Bundesvorstand eine Ämtersperre für Poggenburg an, nachdem er auf Twitter Neujahrsgrüße an die „Mitbürger unserer Volksgemeinschaft“ geschrieben hatte.

Am Donnerstag trat Poggenburg nun aus der AfD aus, mit einem irritierend unentschlossenen Brief: „Selbstverständlich fühle ich mich der AfD und vielen ihrer Mitglieder auch weiterhin irgendwie verbunden“, schreibt er an die AfD-Bundesgeschäftsstelle. Doch die AfD sei „nicht mehr wirklich meine politische Heimat“.

Einen Tag zuvor waren Egbert Ermer und drei weitere Mitstreiter aus dem Kreisverband Sächsische SchweizOsterzgebirge aus der AfD ausgetreten, ebenso Benjamin Przybylla aus Zwickau. Sie alle stört das Vorgehen des AfD-Bundesvorstands gegen besonders radikale Parteimitglieder – das vor allem aus dem taktischen Grund erfolgt, die Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu vermeiden.

Wird Pegida mitmischen?

Gegenüber der „Welt“ kündigte Poggenburg an, mit der „AdP“ als „Ost-AfD“ auch bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg anzutreten – gegen die AfD. Unklar ist noch, mit welchen Verbündeten.

Beim ersten Treffen der damals noch „Nationalkonservative“ genannten Poggenburg-Runde waren die „Pegida“-Frontmänner Däbritz und Bachmann bejubelte Gäste. An Neujahr hatte Bachmann angekündigt, ebenfalls an der Landtagswahl teilzunehmen: „ Pegida wird versuchen, Mandate zu erreichen“. Auf der Website des „Compact-Magazin“ steht, dass Bachmann bei der Dresdner Pegida-Demonstration am Montag eine „strategische Erklärung“ angekündigt habe. Aus dem Pegida-Umfeld verlautet, die Bewegung mische bei Poggenburgs Partei „im Hintergrund mit“.

Auch deswegen blicken sächsische AfD-Politiker mit Sorge auf die Unruhe an der ganz rechten Flanke. „Das könnte uns die entscheidenden paar Prozente kosten, so dass wir bei der Landtagswahl nicht stärkste Partei werden“, befürchtet ein Mitglied des Landesvorstands.

Gauland: „Es ist gut, dass er weg ist“

Im Bundesvorstand sieht man die Sache entspannter. „„Es ist gut, dass er weg ist. Er nervte eher, solange er da war“, sagte AfD-Parteichef Alexander Gauland am Rande des Bundesparteitags in Riesa. Er sei auf dem Weg „in die politische Bedeutungslosigkeit” Wenn radikale Einzelkämpfer mit Kontakten zu Rechtsextremen die Partei verlassen, könnte das die Gefahr einer Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz verringern, hoffen viele AfD-Spitzen.

Doch Radikale gibt es in der AfD noch genug.

Lesen Sie hier: Das ist Poggenburgs neue Rechtsaußen-Partei

Von Jan Sternberg/RND

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