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Politik im Rest der Welt Armut ist vor allem ein Problem in den Großstädten
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12:36 02.04.2019
Ein Flaschensammler greift in einer Stadt in eine Mülltonne (Symbolfoto). Quelle: Kay Nietfeld/dpa
Gütersloh

Armut ist einer Umfrage zufolge vor allem ein Problem in deutschen Großstädten. Der Anteil der Sozialhilfeempfänger in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern lag im Jahr 2016 bei 14 Prozent, wie die Bertelsmann Stiftung am Dienstag in Gütersloh bei der Vorstellung der Studie mitteilte.

Bundesweit lag der Anteil mit rund zehn Prozent um vier Prozentpunkte niedriger. Unter den Großstädten, in denen Armut zugenommen hat, sind alle 13 Ruhrgebiets-Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern. Die zehn ostdeutschen Großstädte zählten hingegen zu dem Kommunen mit einer geringeren Armutsquote.

Ausmaß von Armut unterschiedlich

Die Armutsquote habe sich in den einzelnen Großstädten im Zehn-Jahres-Vergleich unterschiedlich entwickelt, erklärte die Stiftung. In 37 Kommunen (46 Prozent) sei die Quote der Sozialleistungsempfänger gestiegen. In 27 Städten (34 Prozent) sei sie gesunken und in 16 (20 Prozent) etwa gleich geblieben.

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Ein Großteil der Bevölkerung der deutschen Großstädte hat den Angaben zufolge den Eindruck, dass die Armut vor Ort zunimmt. Etwa die Hälfte (46 Prozent) der Großstädter sei nach einer Umfrage im Jahr 2018 der Meinung, dass die Armut in den vergangenen zehn Jahren gestiegen sei, erklärten die Studienautoren. Bundesweit sei nur jeder dritte Befragte dieser Meinung (34 Prozent). Insgesamt hält jeder Vierte Armut am eigenen Wohnort für ein „großes“ oder sogar „sehr großes Problem“ (27 Prozent).

Befragte sehen Klimaschutz und Armutsbekämpfung als drängende Aufgaben

Soziale und ökologische Probleme in den Kommunen brennen der Umfrage zufolge immer mehr Menschen besonders unter den Nägeln. Dem Bericht zufolge gaben neun von zehn Befragten den Klimaschutz als besonders dringliche Aufgabe an, die vor Ort angegangen werden müsse – 13 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr zuvor. Weitere häufig genannte lokale Herausforderungen waren die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum (84 Prozent), Müllreduzierung und Armutsbekämpfung (jeweils 83 Prozent).

Für den aktuellen Bericht des Monitors "Nachhaltige Kommune" hat die Bertelsmann Stiftung das erste der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen ("Keine Armut") in den Fokus gerückt. Die im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedete Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung umfasst 17 Nachhaltigkeitsziele.

Die Indikatoren für Kommunen wurden gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden und mehreren Instituten entwickelt. Zudem befragte das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid im September 2018 in einer repräsentativen Umfrage mehr als 1000 Bundesbürger ab 14 Jahren.

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Von RND/dpa/epd