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Politik im Rest der Welt Bluttest auf Trisomie: Wann die Kassen die Kosten übernehmen
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18:07 19.09.2019
Zur Entscheidung über Trisomie-Bluttests gibt es viele rechtliche Fragen und Auflagen. Quelle: imago images/Christian Ohde
Berlin

Es ist eine ethische Frage, die eigentlich der Bundestag entscheiden wollte. Doch nun ist das höchste Entscheidungsgremium der gesetzlichen Krankenversicherung, in dem Kassen, Ärzte, Kliniken und Patientenvertreter sitzen, vorgeprescht und hat Fakten geschaffen. Worum geht es?

Wie ist die Ausgangslage?

Um Trisomien, also genetische Fehlbildungen wie zum Beispiel das Downsyndrom, beim ungeborenen Kind zu entdecken, stehen bisher die Fruchtwasseruntersuchung oder die Punktion der Plazenta zur Verfügung. Beide Methoden sind risikoreich, weil sie zu Fehlgeburten führen können. Seit 2012 stehen risikolose, aber sehr zuverlässige Bluttests zur Verfügung, die allerdings selbst bezahlt werden müssen. Sie kosten um die 300 Euro.

Was sieht der Beschluss des G-BA vor?

  • Die Kosten für Bluttests auf die Trisomien 13 (Pätau-Syndrom), 18 (Edwards-Syndrom) und 21 (Downsyndrom) werden künftig von den Krankenkassen übernommen.
  • Das gilt aber nur „bei besonderen Risiken oder zur Abklärung von Auffälligkeiten“. In der neu gefassten Mutterschafts-Richtlinie heißt es: „ Der Test kann dann durchgeführt werden, wenn er geboten ist, um der Schwangeren eine Auseinandersetzung mit ihrer individuellen Situation hinsichtlich des Vorliegens einer Trisomie im Rahmen der ärztlichen Begleitung zu ermöglichen.“
  • Weitere Einschränkung: „Ein statistisch erhöhtes Risiko für eine Trisomie allein reicht für die Anwendung dieses Tests nicht aus.“

Was bedeuten diese Bedingungen?

Sobald es eine erbliche Vorbelastung gibt oder Auffälligkeiten im Ultraschall und die Schwangere angibt, Sorgen wegen einer möglichen Trisomie ihres Kindes zu haben, dürfte der Test bezahlt werden. Allein die Tatsache, dass bei älteren Schwangeren das Risiko von genetischen Fehlbildungen beim Kind statistisch höher ist, reicht als Begründung für den Test aber nicht. Damit will der G-BA verhindern, dass der Bluttest de facto zu einer allgemeinen Reihenuntersuchung wird.

Mehr zum Thema: Trisomiebluttest: „Ich bin froh, dass wir den Test nicht gemacht haben“

Wann wird der Beschluss wirksam?

Der Beschluss muss zunächst vom Bundesgesundheitsministerium bestätigt werden. Es handelt sich aber nicht um eine inhaltliche, sondern um eine rechtliche Prüfung. Daher dürfte es sich eher um eine Formalie handeln. Dennoch wird die Kostenübernahme voraussichtlich erst Anfang 2021 wirksam. Denn der Beschluss sieht auch vor, dass Experten zuerst ausführliche Informationen für die Versicherten erarbeiteten. Sie sollen Ende 2020 vom G-BA beschlossen werden.

Was spricht für die Kostenübernahme?

Befürworter argumentieren, es wäre ungerecht, wenn sich nur Gutverdiener den risikolosen Bluttest leisten könnten. Die Kritiker, hier vor allem Behindertenverbände, beklagen, dass durch den Test der Druck auf werdende Mütter weiter steige, Kinder mit Fehlbildungen abzutreiben.

Warum hatte der Bundestag im Frühjahr das Thema diskutiert?

Auf Anregung einer parteiübergreifenden Gruppe war die Kostenübernahmen Thema im Parlament. Die Idee der Abgeordneten war eigentlich, die Frage der Kostenübernahme nach einer ausführlichen ethischen Debatte selbst zu regeln. Der Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken, hatte den Bundestag im vergangenen Jahr auch explizit dazu aufgefordert. Im März leitete er dann aber zur Überraschung vieler Parlamentarier die letzte Stufe des Genehmigungsverfahrens ein. Die Bitte einiger Abgeordneter, die jetzige Beschlussfassung zu verschieben, lehnte Hecken ab. „Es erscheint nicht begründbar, den betroffenen Schwangeren dieses risikoärmere Testverfahren vorzuenthalten“, schrieb Hecken jetzt in seinem Antwortbrief.

Wie geht es jetzt im Bundestag weiter?

Theoretisch könnte das Parlament den G-BA-Beschluss wieder aufheben. Dafür gibt es aber keine Mehrheit. Das hatte die sogenannte Orientierungsdebatte über die Kostenerstattung im April ergeben. Gleichwohl wollen nun mehrere Abgeordnete versuchen, die grundsätzliche Frage des Umgangs mit genetischen Tests bei Ungeborenen auf die Tagesordnung zu setzen. Die Problematik ist sehr aktuell, da Gentests für immer mehr Krankheiten auf den Markt kommen.

Mehr zum Thema: Mein Sohn hat das Downsyndrom – und bereichert unser Leben

Von Tim Szent-Ivanyi/RND

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