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Politik im Rest der Welt Kann Merkel bei der Lektüre von „Der Tyrann“ entspannen?
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14:16 02.08.2019
Was liest Bundeskanzlerin Angela Merkel im Urlaub und woran denkt sie dabei? Quelle: Michael Kappeler/dpa
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Berlin

Eigentlich möchte man im Urlaub ja mal etwas anderes machen als in der Zeit, in der man arbeitet. Der Manager geht nach Monaten mal wieder ins Kino – und nervt hinterher seine Sekretärin mit Erzählungen über Filme, die sie schon längst gesehen hat. Der Schreibtischarbeiter geht vielleicht in den Bergen wandern – oder zumindest mal wieder mit den Freunden Fußball spielen.

Auch als Urlaubslektüre würden sich vermutlich die wenigsten Menschen ausgerechnet ein Fachbuch mitnehmen. Sicherlich gibt es den einen oder anderen Latein-Lehrer, der sich am Strand am besten mit ein paar besonders kniffligen Texten des Geschichtsschreibers Tacitus entspannen kann, aber der Normalfall dürfte das nicht sein.

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Ein bisschen Heile-Welt-Kitsch?

Was wäre also eine gute Urlaubslektüre für Bundeskanzlerin Angela Merkel? Wir wollen ihr wünschen, dass sie möglichst wenig in Akten schauen muss. Ansonsten gilt: Jemandem, der im Alltag so viel mit der harten Realität beschäftigt ist, würde man etwas Entspannung mit einer gut erzählten Form von Heile-Welt-Kitsch durchaus gönnen.

Doch weit gefehlt: Die „Bild“-Zeitung hat die CDU-Politikerin bei ihrer Ferienlektüre erspäht. Merkel liest offenbar gerade das Buch „Der Tyrann“ des amerikanischen Literaturkritikers Stephen Greenblatt. In ihm untersucht der Autor, einer der bekanntesten Shakespeare-Experten in der Literatur-Welt, die verschiedenen Herrscherfiguren im Werk des britischen Dichters.

Was tun mit dem Buch nach der Lektüre?

Ein Ausflug in eine komplett andere, rein literarische Welt? Von wegen. Der Verlag bewirbt das Buch mit den Worten: „Was uns Shakespeare über Trump, Putin & Co. verrät – wie kann es sein, dass eine große Nation in die Hände eines Tyrannen fällt?“ So wie der Harvard-Professor Greenblatt beim Schreiben ein ums andere Mal an Trump gedacht haben dürfte, so wird es Merkel wohl beim Lesen gehen. Ist das echte Entspannung? Da sind Zweifel erlaubt.

Aber vielleicht hat Merkel ja auch einfach Freude an dem Gedanken, dass man Bücher nach der Lektüre weiterverschenken kann. Das wäre doch ein wirkliches Fest für die Bundeskanzlerin, ein kleines Kärtchen zu schreiben: „Dear Mr President, ich habe dieses Buch über Tyrannen gelesen und musste an Sie denken. Lesen Sie es doch gern mal. Das ist sicher entspannend für sie, mal was ganz anderes als die ganze Zeit zu twittern.“

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Von Tobias Peter/RND