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Politik im Rest der Welt Bundesweit gibt es 45 Verfahren gegen kriminelle Familienclans
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16:05 24.09.2019
Holger Münch (l), Präsident des Bundeskriminalamtes, und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) stellen das "Bundeslagebild 2018" zur organisierten Kriminaliät vor. Quelle: Gregor Fischer/dpa
Berlin

Menschenschmuggel, Drogenhandel, Schutzgelderpressung: Die Organisierte Kriminalität hat in Deutschland zahlreiche Geschäftsfelder. Dabei mischen auch viele Familienclans mit. Nun gibt es erstmals ein genaueres Bild davon, wie stark diese in Ermittler-Kreisen "ethnisch abgeschottete Subkulturen" genannten Strukturen eigentlich bundesweit im Fokus der Polizei stehen.

Laut "Bundeslagebild 2018", das BKA-Chef Holger Münch und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Dienstag in Berlin vorstellten, gab es im vorigen Jahr in allen 16 Bundesländern zusammen 45 Verfahren gegen kriminelle Familienclans mit insgesamt 654 Tatverdächtigen. 22 und damit fast die Hälfte der Verfahren waren in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Von den beschuldigten Clanmitgliedern, die laut Münch einer "eigenen Werteordnung" folgen, hatten 152 die libanesische, 148 die deutsche, 54 die syrische und 52 die türkische Staatsangehörigkeit. Bei 37 Tatverdächtigen war die Staatsangehörigkeit unklar.

Familienclans verursachten im vergangenen Jahr einen festgestellten Schaden in Höhe von rund 17 Millionen Euro. Und sie erwirtschafteten nach den Erkenntnissen der Ermittler einen kriminellen Ertrag von etwa 28 Millionen Euro. Einen Großteil davon konnte der Staat allerdings vorläufig sichern – nämlich rund 22 Millionen Euro. Die Hauptbetätigungsfelder der Clans: Rauschgifthandel und Schmuggel. In diesem Bereich liefen mehr als die Hälfte der Verfahren.

Mehr lesen: Richterbund fordert mehr Einsatz gegen Clankriminalität

Banden arbeiten "professioneller und digitaler"

Das Bundeskriminalamt hat auch den Zusammenhang von Clan-Kriminalität und Terrorismus untersucht. "Soweit wir das sehen können, gab es zwar einzelne Personen, die entsprechende Kontakte pflegten, aber es gibt keine verfestigten Strukturen", so Münch.

Die Zahl der Verfahren gegen die Organisierte Kriminalität, kurz OK, insgesamt lag 2018 bei 535 mit 6483 Verdächtigen. Unter "OK" versteht die Polizei Rockergruppen wie die Hells Angels, oder Mafia-Organisationen aus Italien, dem Balkan oder Osteuropa. 2017 lag die Zahl der Verfahren noch bei 572. Doch der Rückgang ist nur bedingt eine gute Nachricht: Laut Münch sind die Ermittlungen heute meist komplexer, weil die Banden "professioneller, digitaler und stärker über die Grenzen hinweg" arbeiteten.

Von den Tatverdächtigen waren 31,2 Prozent Deutsche, wobei rund zwölf Prozent von ihnen bei ihrer Geburt eine andere Staatsangehörigkeit hatten. Unter den Ausländern dominierten die Türken mit 714 Verdächtigen und polnische Staatsbürger (404 Verdächtige). Eine „überdurchschnittlich hohe Eskalations- und Gewaltbereitschaft“ beobachtete das BKA 2018 bei Verbrecherbanden, die von Tschetschenen dominiert werden.

Seehofer: "Wir dulden keine rechtsfreien Räume"

Den Gesamtschaden durch die OK beziffert das BKA für 2018 auf rund 691 Millionen Euro (2017: 209 Millionen Euro). Das Hauptbetätigungsfeld der mafiösen Strukturen bleibt der Rauschgiftschmuggel (37,6 Prozent) gefolgt von Eigentumsdelikten und Wirtschaftskriminalität. Von den 675 Millionen Euro, die die OK laut BKA insgesamt ergaunern konnte, hat der Staat nur 72 Millionen einziehen können.

Es bleibe zwar noch immer viel zu tun, erklärte Seehofer, aber die Botschaft sei für ihn klar: "Es darf keine rechtsfreien Räume geben. Es gilt eine Null-Toleranz-Strategie."

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Von Christian Burmeister/RND

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