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Politik im Rest der Welt Klingbeil zu Rezo-Video: „Es ist gut, dass sich die junge Generation einmischt“
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20:10 24.05.2019
Rezo hat mit seinem Video mit dem Titel «Die Zerstörung der CDU.» mehr als 5 Millionen Menschen erreicht. Quelle: -/Privat/dpa
Berlin

Wie die CDU und andere Politiker auf das kritische Online-Video des YouTube-Stars Rezo reagiert haben, hat die Internetgemeinde massiv aufgebracht. Wie zuvor bereits die Debatten um Uploadfilter und Klima-Demonstrationen.

Nun ist die Stimmung so sehr eskaliert, dass sich rund 80 prominente YouTuber hinter Rezo stellen – und sogar dazu aufrufen, bei den Wahlen am Sonntag auf keinen Fall CDU/CSU, SPD oder AfD zu wählen. Diese Parteien hatte auch Rezo in seinem Video „Zerstörung der CDU“ kritisiert.

Nach der unbeholfenen Replik der CDU auf Rezos Verbalattacke halten sich die meisten Politiker nun mit Reaktionen zurück – doch nicht alle. Der stellvertretende Generalsekretär der CSU, Florian Hahn, sagte dem RND zu dem Boykottaufruf für seine Partei: „Wir haben Gott sei Dank Meinungsfreiheit in Deutschland.“

Gerade CDU und CSU hätten dafür immer gekämpft. „Aber ich erwarte auch Verantwortungsgefühl von denen, die großen Einfluss nehmen“, so Hahn. „Wir brauchen Zusammenhalt statt Spaltung und gute Ideen statt plumpe Halbwahrheiten.“

Klingbeil reagiert mit einem Video

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil reagiert in einem Video auf Twitter auf das kritische Video der Youtuber, in dem auch Juso-Chef Kevin Kühnert auftaucht:

Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) bezeichnete Klingbeil den Aufruf der Youtuber als „deutliches Signal“ und machte ihnen ein Gesprächsangebot.

„Wir können über Fehler sprechen, die in der Vergangenheit gemacht wurden oder wir packen jetzt an. Ich bin für anpacken und ich würde das gerne gemeinsam mit den jungen Leuten tun, in einem offenen Dialog auf Augenhöhe“, sagte der Generalsekretär der SPD. Er bleibe bei seiner Grundhaltung: „Es ist gut, dass sich die junge Generation einmischt und ihre Stimme erhebt.“

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Klingbeil räumte ein, dass die Politik beim Klimaschutz schneller werden müsse. „Was mir aber auch wichtig ist, wir müssen Klimaschutz sozial verträglich gestalten“, sagte er weiter. „Das Klimaschutzgesetz muss jetzt schnell kommen. Da haben wir erhebliche Konflikte mit CDU und CSU, die auf der Bremse stehen.“

Experte überrascht von Politisierung der Szene

Aus Expertensicht sind die Vorgänge aus verschiedenen Gründen beachtlich. So ist Journalistikprofessor Lutz Frühbrodt von der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt, der zuletzt eine Studie über die deutsche Youtuber-Szene erstellt hatte, überrascht von der Politisierung der Szene: „Normalerweise beschäftigen die sich nicht mit politischen Themen, weil diese sich nicht verkaufen“, sagte der Wissenschaftler dem RND.

Frühbrodt führt die Unterstützung für Rezo auch auf den Erfolg des ersten Videos zurück. „Wenn die Einschaltquoten bei Rezo niedriger gewesen wären, hätten sich viele nicht daran gehängt“, sagt er.

Große Debatte um Urheberrecht

Allerdings hätten sich zuletzt aber schon viele Youtuber gegen die Reform des europäischen Urheberrecht ausgesprochen, weshalb ihn die jüngste Entwicklung nicht völlig überrasche.

Die politische Wirkung der neuen Videos hält Frühbrodt für schwer einzuschätzen. Zwar hat das erste Video von Rezo etwa sieben Millionen Aufrufe. „Ich vermute, dass sich das weit weniger zu Ende angeguckt haben“, sagt er.

Trotzdem könnten die Videos zu „kleinen Erweckungserlebnissen“ bei den jungen Zuschauern führen. Das führe im besten Fall dazu, dass sich junge Menschen aktiver mit ihrer Umwelt befassen, so Frühbrodt.

Wahlforscher erwartet langfristige Schäden

Wahlforscher Manfred Güllner, Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, erwartet vor allem für die CDU langfristige Schäden aus ihrem Umgang mit dem kritischen Rezo-Video.

Zwar werde sich bei den Europa- und erst recht bei den Kommunalwahlen an diesem Sonntag noch kein nennenswerter Effekt zeigen, sagte Güllner dem RND.

„Aber die strategische Aufgabe von CDU und CSU ist doch zurzeit, auch junge Wähler an sich zu binden, weil sie viele ihrer bisherigen Anhänger durch deren Tod verlieren.“

Reaktion der CDU schadet der Partei

Dass vor allem Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Generalsekretär Paul Ziemiak teils unsouverän, teils abschätzig auf Rezo reagiert hätten, dürfte sich deshalb noch negativ auswirken, so der Wahlforscher.

„Es ist nicht so sehr der Inhalt des Videos, der der CDU schaden wird. Aber ihre Reaktion darauf hat das Signal gesendet, dass man die Jugend nicht versteht oder nicht ernst nimmt“, sagte Güllner.

„Als Volkspartei kann man es sich aber nicht leisten, eine ganze Gruppe zu verprellen, wenn man zugleich so viele Stammwähler an den Friedhof verliert.“

Von RND/sgey/rb/ch

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