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Politik im Rest der Welt Chinas Führung will nun mehr Babys – aber die Bevölkerung zögert
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Chinas Führung will nun mehr Babys – aber die Bevölkerung zögert
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21:20 18.02.2019
Eigentlich sollten die Chinesen wieder mehr Kinder kriegen, wenn es nach Willen der Politiker geht. Doch die Bevölkerung hat nur mäßig Lust darauf. Quelle: AP
Peking

Chinas „Ein- und Zwei-Kind-Politik“ ist Geschichte, nun lautet die Devise mehr Nachwuchs. Denn die Aussicht auf eine alternde Gesellschaft und eine demografische Krise sorgt bei der Führung in Peking für Unruhe. Nur: Paare von mehr Babys zu überzeugen, gestaltet sich schwieriger als gedacht, auch weil die Botschaft bei den Bürokraten der unteren Ebenen offenbar noch nicht angekommen ist. Dies zeigt der aufsehenerregende Fall um die Wangs, die in Bedrängnis gerieten, weil sie mehr Nachwuchs bekamen, als es das Gesetzes will.

Unmittelbar nach der Geburt ihres dritten Kinds im Januar 2017 wurden die Eltern auf Anordnung der Lokalverwaltung in der Provinz Shandong zu einem Bußgeld von 64 626 Yuan (etwa 8400 Euro) verdonnert – auch bekannt als die „Sozialerhaltungsgebühr“. Etliche Zahlungsfristen verstrichen, im Januar wurde letztlich das gesamte Familien-Sparkonto mit rund 3000 Euro eingefroren. „Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll“, wurde der Vater, Wang Baohua, vergangene Woche in Lokalmedien zitiert.

Die Probleme der Wangs haben ihre Ursachen aus Sicht von Experten aber auch in jahrzehntelangen Ängsten in China, dass ein rasantes Bevölkerungswachstum die Ressourcen des Landes auffressen könnte. Hinzu kommt eine Inbrunst der Kommunistischen Partei, selbst intimste Entscheidungen der Bürger steuern zu wollen.

2016 wurde aus „Ein-Kind-Politik“ die „Zwei-Kind-Politik“

Ihren Anfang nahmen die Regeln zur Familienplanung in den 1970er Jahren, im Jahrzehnt darauf trat die berüchtigte „Ein-Kind-Politik“ in Kraft. Bei Verstößen drohten oft brutale Strafen – von Bußgeldern über beruflichen Degradierungen bis hin zu erzwungenen Abtreibungen und Sterilisierungen.

35 Jahre später kam es zum radikalen Kurswechsel: Die Führung merkte, dass eine alternde Bevölkerung und schwindende Arbeiterschaft die künftige Entwicklung der Volksrepublik zu lähmen droht. Geht hin und mehret euch – aber in Maßen, lautete nun die Ansage an chinesische Paare. Im Jahr 2016 wurde die „Ein-Kind-Politik“ offiziell durch eine „Zwei-Kind-Politik“ ersetzt.

Mehr zum Thema: Überwachung – Big Brother in China

Doch der Aufwärtstrend in der Geburtenrate war nur von kurzer Dauer. Im Januar meldete das nationale Statistikbüro für 2018 einen Rückgang bei den Neugeburten auf 15,23 Millionen bei einer Bevölkerungszahl von 1,395 Milliarden Menschen. Damit waren gut zwei Millionen weniger Geburten verzeichnet worden als im Vorjahr 2017 – zugleich war es der geringste Zuwachs seit 1961. Die geschätzte Fruchtbarkeitsrate lag 2018 bei 1,02 Kinder pro Frau.

Wird die Volksrepublik alt, bevor sie reich wird?

Chinas Bevölkerungszahl wird Schätzungen zufolge im Jahre 2029 mit 1,442 Milliarden einen Höchststand erreichen, um dann allmählich zu sinken. Damit wäre die landläufige Meinung wahr geworden, wonach die Volksrepublik alt wird, ehe sie richtig reich geworden ist.

Trotz der zunehmenden Einsicht, wie ernst es mit dem demografischen Wandel ist, dürften Fälle wie jener der Wangs aber eher die Regel als die Ausnahme bleiben, sagt Yi Fuxian, Professor an der University of Wisconsin Madison und führender Kritiker der Bevölkerungspolitik Chinas. Auch er sieht in bürokratischer Trägheit und dem Streben von Lokalpolitikern nach Einnahmen durch Bußgelder einen Faktor, der das Problem verschärft. Und die „Ein-Kind-Politik“ habe China mit einer zusätzlichen Last schräger Einstellungen zu Familie, Gesellschaft und dem Kinderkriegen beschwert, findet Yi. Folglich sei es dort zur Norm geworden, ein oder gar kein Kind zu haben.

Viele junge Chinesen frönen heute lieber Aktivitäten wie dem Reisen und schieben Ehe und Kinderwunsch für unbestimmte Zeit auf. Familien in der Volksrepublik beklagen zudem steigende Kosten für Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung und sichere Lebensmittel. Forscher Yi schreibt vor diesem Hintergrund, dass mehr Kinder auch Reformen in Wirtschafts-, Gesellschafts- und Bildungspolitik erforderten. „Das wird sehr schwierig“, sagt er. „Voraussetzung dafür wäre natürlich, dass die Menschenrechte geachtet werden und die Regierung ihre Hände von den Körpern der Bürger nimmt.“

Von tap/RND

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