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Politik im Rest der Welt „Die Bundeswehr braucht die Gorch Fock“
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07:53 20.12.2018
Als sie noch fuhr: Die Gorch Fock unter Segeln auf der Kieler Förde Quelle: Carsten Rehder/dpa
Berlin

Explodierende Instandsetzungskosten, ein Korruptionsskandal – das Marine-Schulschiff Gorch Fock ist zum Problemschiff geworden. Am Donnerstag trifft sich Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit dem Marine-Inspekteur Andreas Krause. Die Grünen fordern, ein Abwracken müsse zumindest erwogen werden. Der Kommandeur des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, Jörg Hillmann, ist selbst Marineoffizier. Er begründet, warum die „Gorch Fock“ bleiben sollte.

Herr Hillmann, das Marine-Schulschiff Gorch Fock steht schwer in der Kritik wegen der Kostenexplosion bei der Instandsetzung und nun auch wegen Korruptionsvorwürfen. Wäre es nicht besser, das Schiff einfach außer Dienst zu stellen?

Die Marine braucht das Segelschulschiff. Es ist das einzige Medium, das wir haben, auf dem die Soldaten die Urgewalten spüren können. Wenn man sich ohne Motor an die Naturgegebenheiten anpassen muss, wenn man die Kraft des Wassers und des Windes direkt spürt, schärft das das Verständnis dafür, wie man sich sicher auf dem Wasser bewegen kann. Die Soldaten kriegen Respekt vor der Natur.

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Den kann man aber doch auch auf einer Fregatte kriegen.

Ja aber, da hat man immer die Maschine im Hintergrund. Windstärke 6 auf einem Segelschiff – das ist etwas anderes. Man lernt auf einer Fregatte auch die organisatorischen Grundfähigkeiten. Auf einem Segelschulschiff muss man mit der Natur segeln, leben und arbeiten.

Spielt bei dem Festhalten an der Gorch Fock nicht vor allem die romantische Verklärung eine Rolle?

Seefahrt hat immer auch romantische Elemente. Die gibt es auch auf einer Fregatte. Wenn man Abends nach getaner Arbeit mitten auf dem Atlantik einen Sonnenuntergang erlebt - das ist schon was. Das ändert sich dann aber natürlich schnell, wenn die Alarmglocken schrillen.

Aber auf das schöne Bild von den Matrosen, die auf den Masten stehen, will man wohl nicht verzichten?

Auf Masten rumstehen ist nicht nur ein schönes Bild. Das ist schwerste körperliche Belastung. Das ist auch Ziel der Ausbildung auf dem Schiff: An die Belastungsgrenzen gehen, natürlich bei Wahrung der Sicherheit. Es ist etwas anderes, ob man in einem Übungsgelände auf einen Mast klettert, oder auf hoher See. Wenn das Schiff krängt, ist unter ihnen nur noch Wasser. Das ist ein besonderes Gefühl. Viele erkennen da ihre Grenzen. Das ist für die Ausübung unseres Berufs ausgesprochen wichtig.

Haben Sie das eigentlich selbst erlebt?

Nein, ich war nie auf der Gorch Fock. Sie stand zur Zeit meiner Ausbildung gerade nicht zur Verfügung. Aber ich habe gemerkt, dass die, die auf der Gorch Fock gewesen sind, mir etwas voraus hatten: Sie hatten ein besseres Gespür für meteorologische Bedingungen und Windverhältnisse, also für die Naturgewalt. Es war mir klar: Da fehlt mir etwas.

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Joerg Hillmann, Kommandeur Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften Quelle: privat

Von Daniela Vates/RND