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Politik im Rest der Welt Hubraum-Bewegung wächst, aber wird ihre Fans von Rechts nicht los
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16:57 06.10.2019
Während jeden Freitag tausende Menschen für das Klima demonstrieren, formiert sich auf Facebook eine Gegenbewegung - "Fridays-For-Hubraum". Wegen rechter Parolen und Hass-Kommentaren ging die Seite zeitweise vom Netz. Nun ist sie wieder online - und wird beworben von der AfD. Quelle: imago images/Ralph Peters
Berlin

Klimaschutz hat Konjunktur und seither sprießen unzählige Gruppierungen wie Champignons aus dem Boden. Das Ziel ist klar: Das Klima retten. Auf den Freitags-Demos der Schülerbewegung Fridays for Future skandieren sie: „Es gibt kein Recht, SUV zu fahren“. Nun schlägt eine neue Bewegung den konträren Weg ein. Sie nennt sich „Fridays for Hubraum“ und versteht sich als Gegenbewegung zu der durch Greta Thunberg initiierten Klimabewegung. Für das Auto und gegen Klimahysterie - das ist ihr Ziel - denn geplante CO₂-Abgaben und erhöhte Strompreise würden den Autofahrer unrechtmäßig belasten, findet die Gruppe. Und der Zulauf ist immens. 541.305 Mitglieder zählt die nur auf Anfrage zugängliche Facebook-Gruppe aktuell. Zum Vergleich: Die Facebook-Seite von Fridays for Future Deutschland, die für alle Nutzer frei ist, hat 85.969 Abonnenten.

Lesen Sie hier: Protest gegen Fridays for Future: Autofans gründen Fridays for Hubraum

Mitglieder sind augenscheinliche Autofans, Pendler und Mitarbeiter der Automobilindustrie. Doch zu ihnen gesellten sich schnell auch Radikale und Trolle, die die Seite mit Hassbotschaften fluteten. Wegen rechter Parolen und Gewaltaufrufen wurde die Gruppe zwischenzeitlich abgeschaltet. Hassobjekt Nummer eins war dabei Greta Thunberg. In unzähligen Posts wurde die 16-Jährige auf das Übelste verunglimpft.

Es brauchte einen zweiten Anlauf. Seit knapp einer Woche ist die Gruppe nun wieder am Netz. Klare Regeln, mehr Moderatoren und feste Zeiten, in denen kommentiert werden kann, sollen den internen Umgang und die Atmosphäre in der Community verbessern, sagte Christoph Grau dem WDR. „Das Chaos muss aufhören“, sagt der Initiator der Hubraum-Bewegung in einem Facebook-Video und distanziert sich von rechtem Gedankengut. Die Gruppe stehe „für eine alternative, vernünftige CO₂-Vermeidungs- und eine Umweltpolitik.“ Sie sei keine Bewegung von Leugnern des Klimawandels.

Mehr zum Thema: Protest gegen Fridays for Future: Autofans gründen Fridays for Hubraum

Schließt Hubraum-Bewegung eine politische Lücke? AfD wirbt und wettert drauf los

Aber warum der Erfolg der Gruppe? „Wir müssen einen Nerv getroffen haben“, sagte Grau. E-Auto, alternative Treibstoffe und freier ÖPNV sind die Streitpunkte in der Klimadebatte. Doch was ist mit den Millionen Autofahrern mit Verbrennungsmotoren? Diese Lücke schließt die Bewegung. Doch wird sie ihre Fans von rechter Seite nicht so einfach los.

Vor allem die AfD macht sich das Anliegen der Gruppe zunutze. Während sie für die Hubraum-Bewegung im Netz wirbt, wettert sie im gleichen Atemzug gegen die Klimapolitik der Regierung. So lobte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen die Facebook-Protestgruppe. Sie sei „eine logische und vernünftige Reaktion gegen den ideologischen Irrsinn der Ökoaktivisten“, sagte er dem „Spiegel“.

„Mit der Verteufelung des sauberen Dieselmotors hat sich die Regierung ohne Not, getrieben vom grünen Klima-Irrsinn, zum Handlanger der ideologischen Wirtschaftsfeinde gemacht“, schreibt auch Mario Beger, AfD-Landtagsabgeordneter, auf der Fraktionsseite. Auch der Bundestagsabgeordnete der AfD, Dirk Spaniel, rief dazu auf, die Bewegung zu unterstützen. „Sachlich und fair“ könne dort diskutiert werden, sagt er in einem Facebook-Video. Die Kommentare auf der Seite sprechen jedoch eine andere Sprache.

Bei einer Demonstranten der Fridays for Future Bewegung kleben an einem Auto Protestplakate gegen SUV-Fahrzeuge. Sie sind das Feindbild der Bewegung. Für Autofahrer spricht sich die Hubraum-Bewegung aus. Doch erfährt sie viel Unterstützung von rechts. AfD-Politiker werben für die Gruppe. Doch sind sie nicht die einzigen, die für Autofahrer einstehen. Quelle: Oliver Berg/dpa

ADAC: Klimapolitik schützt auch den individuellen Autofahrer

Der Annahme, dass es an einer Interessenvertretung der individuellen Mobilität in Deutschland mangelt, widersetzt sich der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC). Der Verband fordert einen Mittelweg: Bezahlbare Mobilität erhalten und Emissionen senken. „Der ADAC priorisiert den Klimaschutz und die Verkehrssicherheit ebenso hoch wie das grundsätzliche Bedürfnis der Menschen nach bezahlbarer individueller Mobilität“, erklärte der ADAC auf Anfrage des RND.

Lesen Sie hier ein Kommentar: Hass gegen Fridays for Future: Warum die Jugend sowieso gewinnen wird.

Das Auto habe auch in Zeiten des Klimaschutzes eine tragende Rolle, vor allem in ländlichen Räumen: „Daher haben wir uns auch für die Anhebung der Pendlerpauschale eingesetzt.“ Geplante CO₂-Abgaben, die die Hubraum Bewegung verteufelt, bewertet der ADAC wie folgt: „Aus unserer Sicht ist es richtig, für den nationalen CO₂-Zertifikatehandel einen zeitlich gestreckten Mechanismus gewählt zu haben, der dem Verbraucher Zeit gibt, beim nächsten Kauf eines neuen oder gebrauchten Pkw ein emissionsärmeres Modell zu wählen.“

In ihrer "Agenda", die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, fordern die Macher der Hubraum-Bewegung „ein Abschaffen sogenannter Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH)“, da diese mehr schädige als helfe. Auf RND-Anfrage sagte eine Sprecherin der Umwelthilfe, dass man sich nicht zu dem Vorgang äußere. Vor allem nicht zu Initiativen, die durch die AfD gefördert würden. Es sei allerdings nicht das erste Mal, dass man solchen Provokationen ausgesetzt sei. Auch der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) wollte sich nicht dazu äußern, da es sich bei der Bewegung um keine feste Organisation handele.

Von Fabian Boerger/RND

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