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Politik im Rest der Welt “Die Rekrutinnen”: Bundeswehr wirbt mit Webserie um Frauen
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15:00 16.10.2019
Geübt in der Selbstvermarktung: Lea, Melanie, Enny und Leah (von links) bespielen vor der Premiere der neuen Webserie "Die Rekrutinnen" noch schnell die Social-Media-Kanäle der Bundeswehr. Quelle: Bundeswehr/Oliver Lang
Berlin

Lea verlässt heute ihr Idyll. Sie steht kurz vor Beginn ihrer Grundausbildung bei der Bundeswehr. Für die Luftwaffe zieht die 18-Jährige vom thüringischen Ziegenrück in die Otto-Lilienthal-Kaserne im bayerischen Roth. Grenzen erfahren, eine Uniform tragen und Reisen, das sei ihre Motivation. Doch zuvor gibt es noch ein letztes Abendbrot – mit Mama, Papa, Oma und Opa. Immer dabei: die Kamera.

Lea ist eine der Protagonistinnen der neuen Youtube-Serie „Die Rekrutinnen“. Ab kommender Woche wirbt die Bundeswehr wieder im Netz um den Nachwuchs. Dieses Mal geht es gezielt um mehr Frauen für die Grundausbildung.

Damit der Zuschauer sich hinreichend mit den sieben ausgewählten Akteurinnen identifizieren kann, geben Homestorys zum Start einen Einblick in ihr Privatleben. Freunde und Familie kommen zu Wort - so weit, so gemütlich. Doch der Umbruch kommt schnell und der Ton wird rauer. „Finger an die Hüfte, gerade, aber nicht verspannt.“ Feldwebel Isabel diktiert im Bundeswehrjargon in Folge eins, wie man richtig steht.

Die hippe Jugendserie läuft auf erfolgreichem Youtube-Kanal

Schneller Schnitt, humoristische Animationen und die Handkameraführung machen die Zeit bei der Bundeswehr zur hippen Jugendserie. Zwischendurch gibt es opulente Musik zu schwachen Bildern und blechernem Ton. Authentisch und ohne jegliches Skript wolle man dem Zuschauer die Ausbildung näher bringen, wirbt die Bundeswehr für die neue Staffel der Serie. Online-Marketing ist die Antwort der Truppe auf die Aussetzung der Wehrpflicht. Auf Youtube hat ihr Kanal mittlerweile mehr als 400.000 Abonnenten, ihre Videos mehr als 200 Millionen Aufrufe.

Schon die erste Staffel der Serie „Die Rekruten“, dem männlichen Pendant, war nicht unumstritten. Kritiker warfen der Bundeswehr vor, die Videos im Stil eines Actionfilms seien dem Ernst der Lage nicht angemessen. Auch mit ihren Werbeplakaten stößt die Bundeswehr immer wieder auf negatives Echo. Im vergangenen Jahr hatte die Truppe auf der Spielemesse Gamescom mit Sprüchen wie „Multiplayer at its best“ oder „Mehr Open World geht nicht“ geworben. Kritiker sprachen erneut von Kriegsverherrlichung.

"Keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern"

Kurz vor Abschluss ihrer Grundausbildung sieht sich die 18-Jährige Lea zum ersten Mal vor großem Publikum selbst auf der Leinwand. Die Darstellung sei realistisch, findet sie. „Es bildet die Höhen und Tiefen der Grundausbildung gut ab."

Vor allem aber soll Lea ein Vorbild sein - bei nur knapp einem Fünftel Frauenanteil. „Klar würde ich mir mehr Frauen in der Bundeswehr wünschen, aber so ist das halt“, sagte Lea dem RND. In der Grundausbildung würde aber kein Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, ist jedenfalls begeistert von der Werbeaktion. „Ich gucke selber gerne Youtube“, sagt er. Und das Thema Frauen in der Bundeswehr empfinde er zunehmend als normal - sie würden hier genauso behandelt wie jeder andere.

Ob die Serie den Bewerberanteil der jungen Frauen steigert, bleibt abzuwarten. Beim militärischen Personal sind laut Angaben der Bundeswehr 12 Prozent weiblich – das macht 22.300 Soldatinnen. Immerhin komme mittlerweile jede vierte Bewerbung für die Offizierslaufbahn von einer Frau, heißt es. Für die militärische Laufbahn können sich Frauen ohnehin erst seit der Öffnung 2001 entscheiden.

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Projekt kostet 7 Millionen Euro, 63 Folgen laufen täglich um 17 Uhr

Die Verantwortlichen sind offenbar zuversichtlich, dass die Social-Media-Kampagne wirkt. Immerhin kostet allein die Serie den Steuerzahler auch 7 Millionen Euro, inklusive der aufwendigen Werbekosten. „Die jungen Leute sind heute im Netz unterwegs, deswegen bewegen wir uns auch da – das ist unser Auftrag“, sagte eine Sprecherin der Bundeswehr.

Seit 2016 gingen durchschnittlich 120.000 Bewerbungen bei der Bundeswehr ein, aus denen rund 25.000 Stellen besetzt würden. "Online-Serien wie Die Rekrutinnen tragen natürlich dazu bei, junge Menschen für den Dienst bei der Bundeswehr zu begeistern", sagte sie dem RND.

Bereits in dieser Woche hat die Bundeswehr erste Videos mit den sogenannten Homestorys der Protagonistinnen veröffentlichen. Insgesamt soll es 63 Serienfolgen geben, die jeweils Montag bis Donnerstag um 17 Uhr bei Youtube ausgestrahlt werden. Am 30. September ist dann der offizielle Serienstart. Zusätzlich wird die Serie in den Sozialen Netzwerken begleitet – bei Instagram, Snapchat, Facebook sowie neuerdings auch Tiktok.

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Von Sebastian Stein/RND

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