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Politik im Rest der Welt „E-Roller sind ein Risiko für kleine Kinder, Ältere und Menschen mit Behinderung“
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05:00 03.08.2019
VdK-Präsidentin Bentele: „E-Roller in diesem großen Maßstab einzuführen, war unbedacht.“ Quelle: Roland Weihrauch/dpa
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Frau Bentele, wie erleben Sie den aktuellen E-Roller-Hype?

Ich kann den Reiz nachvollziehen. Und ich verstehe, dass E-Roller in großem Maßstab zum Verleih angeboten werden, um sich schnell und flexibel durch die Stadt zu bewegen. Diese Roller sind klein und leicht. Man kann sie auch mal kurz tragen. Wenn das Ganze zu weniger Autos führen würde, wäre es ja auch eine gute Sache. Aber das ist ja erkennbar nicht der Fall. E-Roller in diesem großen Maßstab einzuführen, war unbedacht. Es zeigt sich, dass sie eher eine Alternative für Fußgänger oder zum Fahrrad sind. Und das sorgt für jede Menge Probleme.

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Welche denn?

Die Sicherheit von allen, die auf dem Gehweg unterwegs sind, ist gefährdet. Das bleibt beim ganzen Hype um die E-Roller leider völlig unberücksichtigt.

Sie persönlich sind ja blind. Gab es bei Ihnen schon Situationen, in denen es brenzlig wurde?

Vor zwei Tagen bin ich aus dem Haus gegangen, hatte meinen Blindenstock noch nicht ausgeklappt – und bin direkt bei mir vor der Tür über einen E-Roller gestolpert. Ich habe immer neue blaue Flecken am Schienbein, weil ich ständig gegen diese Hindernisse laufe. E-Roller sind eine absolute Behinderung und nervig.

Für wen ist die Gefahr durch E-Roller Ihrer Meinung nach am größten?

Für kleine Kinder, für Ältere und für Menschen mit Behinderung ist das Risiko am höchsten. Sie können oft nicht so schnell reagieren und zur Seite springen, wie es notwendig wäre. Weil E-Roller so leise sind und so schnell, kommt es häufig zu gefährlichen Situationen. Nicht nur Fußgänger sind ungeschützt, sondern auch die E-Roller-Fahrer. Es gibt ja keine Helmpflicht.

Was erwarten Sie von der Politik?

Es müssen unter anderem Parkmöglichkeiten geschaffen werden. Heute ist es ja so, dass E-Roller überall kreuz und quer herumstehen oder herumliegen. Ich bin auch dafür, so wie jetzt in Paris, das Abstellen auf Fußwegen zu verbieten. Und, ganz wichtig, es muss besser kontrolliert werden, wer wo damit fährt. Viele sind mit dem E-Roller auf Fußwegen unterwegs. Das geht nicht. Dafür muss es deutlich höhere Bußgelder geben. Wir fordern auch eine 0,0-Promille-Grenze für alle, die E-Roller fahren. Manche sind alkoholisiert unterwegs, was die Sache noch gefährlicher macht.

Ihr Verband vertritt die Interessen insbesondere von Millionen älteren Menschen in Deutschland. Prüfen Sie rechtliche Schritte gegen die Regelungen für E-Roller?

Wir haben darüber noch nicht entschieden. Viele Mitglieder melden sich bei uns, vor allem aus Städten wie Berlin oder München. Seit Zulassung der E-Roller fühlen sie sich unsicherer, wenn sie in der Stadt unterwegs sind. Viele weisen darauf hin, dass sie mit ihrem Rollator oder ihrem Rollstuhl an manchen Stellen auf dem Bürgersteig Slalom fahren müssen.

Glauben Sie, mit Ihren Forderungen nach höheren Bußgeldern und mehr Kontrollen durchzudringen?

Wir haben bereits im Frühjahr auf die Gefahren hingewiesen, als die Gesetzgebung lief. Leider ist das unbeachtet geblieben. Aber wir werden nicht lockerlassen und weiter auf die Probleme hinweisen.

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Von Rasmus Buchsteiner/RND