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Politik im Rest der Welt „Entwicklungshilfe muss drastisch erhöht werden“
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09:34 11.07.2018
Mojib Latif ist Präsident der deutschen Sektion des Club of Rome. Quelle: Arno Burgi/dpa

Herr Latif, in jeder Sekunde wächst die Weltbevölkerung um zwei bis drei Menschen, in jedem Jahr um 80 Millionen, vor allem in den Entwicklungsländern. Bis 2050 werden wir mehr als neun Milliarden Erdenbewohner sein. Welche Schwierigkeiten entstehen aus dem rapiden Wachstum?

Vorweg, weil es wichtig ist: Auch wir, in den Industrienationen, würden den Planeten gegen die Wand fahren. Unser Ressourcenverbrauch ist nicht nachhaltig. Wir können nicht alle Probleme der wachsenden Bevölkerung in den Entwicklungsländern in die Schuhe schieben.

Wie ist dieses Wachstum zu bremsen?

Viele Menschen in Entwicklungsländern bekommen viele Kinder, weil sie glauben, nur dadurch ihre Zukunft sichern zu können. Was wir als Industrienationen tun müssen, ist den Menschen dort eine Zukunft zu sichern. Wohlstand und Bildung, Gleichberechtigung von Mann und Frau – das alles führt dazu, dass man das Wachstum der Bevölkerung bremsen und die Bevölkerung stabilisieren kann. Wir reden darüber seit Jahrzehnten, aber setzen diese Dinge einfach nicht um. Und das ist das große Problem.

Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) hat einen Masterplan für Afrika aufgestellt und nicht ausreichend finanziert bekommen. Was heißt das für sie?

Dass hier vor allem viel heiße Luft produziert wird. Das Budget für Entwicklungshilfe muss drastisch erhöht werden. Stattdessen zieht man jetzt die Mauern hoch und baut Europa zu einer Festung um. Man müsste den Menschen vor Ort Chancen bieten. Doch wir überfluten sie mit billigen Exporten und lassen Industrien und Landwirtschaft in den Entwicklungsländern nicht hochkommen. Wir führen eine scheinheilige Diskussion. Wir in den Industrienationen werden unserer Verantwortung einfach nicht gerecht.

Was gehört zu dieser Verantwortung?

Wir haben in der Vergangenheit viel zu lange aus rein wirtschaftlichen Interessen korrupte und diktatorische Regime unterstützt. Das muss aufhören. In solchen Ländern wird sich nichts bewegen, dort gibt es keine Chancengleichheit, keine Bildung für breite Bevölkerungsschichten und keine Selbstbestimmung der Frauen.

Sie sind Klimaforscher – welche Rolle spielt der Klimawandel bei der Destabilisierung der Welt?

Die Kriege um Wasser und Ressourcen in vielen Teilen der Welt werden kommen, da bin ich mir sicher. Die Menschen werden es nicht klaglos hinnehmen, wenn ihre Lebensgrundlagen gefährdet sind durch Trockenheit des Landes oder durch Überfischung der Meere. Und schon heute drängen Menschen zu uns, die wir als Wirtschaftsflüchtlinge abtun, die aber vor den Folgen des Klimawandels fliehen. Wir haben es in der Tat mit einer Destabilisierung der Weltgesellschaft zu tun. Der aktuelle Migrationsdruck ist ein Symptom davon.

Von Jan Sternberg/RND

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