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Politik im Rest der Welt „Frau Wagenknecht bleibt liegen“ – so spotten Gegner über den Rückzug aus der Bewegung „Aufstehen“
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19:06 10.03.2019
Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht: extremer Stress der letzten Jahre. Quelle: www.imago-images.de
Berlin

„Sie findet keinen, der mitmachen will“ – als Sahra Wagenknecht im vergangenen Jahr die Gründung ihrer linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“ Monat und Monat verschob, war ihr der Spott aus SPD, Grünen und Linkspartei sicher. Im September gründete Wagenknecht das Bündnis dann doch, um sechs Monate später festzustellen, dass sie nun selber nicht mehr mitmachen will. Zumindest nicht mehr in der ersten Reihe.

„Wir brauchen eine Neuaufstellung an der Spitze“, sagte Wagenknecht der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und fügte hinzu: „Die Parteipolitiker sollten sich zurücknehmen, das betrifft auch mich selbst.“

Wagenknecht begründete den Schritt auch mit persönlicher Überlastung. „Dass ich jetzt zwei Monate krankheitsbedingt ausgefallen bin, hatte auch mit dem extremen Stress der letzten Jahre zu tun. Da muss ich eine neue Balance finden“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Deutschen Bundestag.

In einer Mitteilung betont Wagenknecht, dass sie sich „selbstverständlich“ weiter für das Bündnis engagieren wird. „Aufstehen ist ein großartiges Projekt - und es wird gebraucht. Wir müssen noch sehr viel mehr Druck machen, damit endlich wieder die sozialen Interessen der Mehrheit und nicht die Wünsche einflussreicher Wirtschaftslobbyisten die politische Agenda bestimmen“, so Wagenknecht.

„Aufstehen hat 170.000 Unterstützter“ – zumindest offiziell

Wagenknecht hatte die Bewegung zusammen mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine gegründet – offiziell um linke Wähler zu erreichen, die sich von den klassischen Parteien abgewendet haben. Parteiinterne Gegner hatten immer geargwöhnt, dass sich die innerhalb der Linkspartei umstrittene Politikerin eine auf sich selbst zugeschnittene Partei basteln wolle.

Sollte das der Plan gewesen sein, muss er als gescheitert gelten. Zwar zählt das Projekt „Aufstehen“ nach eigenen Angaben rund 170.000 Unterstützer. Allerdings hatte es schon vier Wochen nach Gründung 100.000. Und: Anders als Mitglieder politischer Parteien müssen Unterstützer von „Aufstehen“ keinen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Sie könne sich einfach im Internet anmelden. Wir belastbar eine solche „Mitgliedschaft“ ist, muss sich erst noch herausstellen.

Simon Vaut: R2G ist „wieder ein bisschen wahrscheinlicher geworden

Beim politischen Gegner löste Wagenknechts Ankündigung Häme aus. „Wagenknecht bleibt liegen. Will nicht mehr aufstehen. Die Arbeit sollen jetzt andere machen. Peinlich“, twitterte der SPD-Politiker Johannes Kahrs.

Sein Parteikollege Simon Vaut, SPD-Europakandidat aus Brandenburg, sprach von einer „guten Nachricht“. Wagenknecht sei mit ihrer Bewegung zu recht sang- und klanglos gescheitert: „Ihr nationaler Sozialismus schadet.“ Rot-Rot-Grün sei nun „wieder ein bisschen wahrscheinlicher geworden“.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sebastian Steineke schrieb auf Twitter: „Aufstehen ist schon wieder am Ende, der linke Traum bleibt wie zu erwarten eine bloße Utopie.“

Dieser Deutung widersprach Wagenknecht am Sonntag via Facebook. „Selbstverständlich werde ich mich weiter für „Aufstehen“ engagieren und die Bewegung mit aller Kraft unterstützen“, versicherte sie.

Lesen Sie auch den Kommentar: Ihr Rückzug aus „Aufstehen“ wird Wagenknecht schwächen

Von Andreas Niesmann/RND mit dpa

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