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Politik im Rest der Welt Frauenförderung ist mehr als Hilfe beim Putzen
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10:00 19.01.2019
Frauenförderung ist mehr als Hilfe beim Putzen. Quelle: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin

Frauen, Frauen, überall Frauen. Was ist also das Problem? Manchmal genau das. Auf den Zuschauerrängen des Bundestags, im Präsidialamt, bei einer Rede der Kanzlerin – die Männer waren in der Minderzahl als es da dieser Tage etwas zu feiern gab. Das ist selten so an diesen Orten und bei diesen Gelegenheiten. Aber nun gab es einen runden Geburtstag, der die Gewichte ungewohnt verschob. Am 19. Januar 1919, vor 100 Jahren also, durften Frauen in Deutschland das erste Mal wählen und gewählt werden. Es war ein Markstein nicht nur für die Frauen, sondern auch für die Demokratie und für die Menschenrechte. Ein Männertermin war es offenbar nicht.

Den Seufzer hören vor allem Frauen

Es war bezeichnend. Den Seufzer, dass Gleichberechtigung noch immer nicht erreicht ist, hören und hörten vor allem die, die es ohnehin wissen: Frauen.

Rund 20 Jahre ist es her, dass der damalige Kanzler Gerhard Schröder, Frauenpolitik als „Gedöns“ bezeichnete. Er dockte direkt an die Verachtung für die Frauenbewegung an, die dem Kampf um Gleichberechtigung als lilagewandete Überspanntheit lächerlich machte. Und es ist erst wenige Wochen her, dass die Friedrich-Merz-Euphorie Teile der CDU und der Publizistik erfasste – auch das war, nicht nur, aber auch – ein Männer-Thema.

Bewegung kann auch rückwärts gehen

Durch die Aufschrei- und MeToo-Debatten um sexuelle Belästigung hat der Feminismus neuen Schwung und mehr Selbstverständlichkeit bekommen. Die strukturelle Benachteiligung von Frauen ist mit diesem neuen Selbstbewusstsein noch nicht beendet – wie der Bundestag zeigt, kann die Bewegung auch rückwärts gehen.

Es gibt eine Kanzlerin, es gibt Parteichefinnen und Ministerinnen. Aber nur ein Drittel der Bundestagsabgeordneten sind Frauen und nur neun Prozent der Oberbürgermeister. Drei Viertel der knapp 100 oberen Bundesbehörden werden von Männern geleitet, genauso wie meisten Führungsetagen der Unternehmen. Nervige Aufzählung, nerviges Thema? In der Tat.

Junge Frauen als Quotengegnerinnen

Es ist ein mühsamer, ein aufreibender und ein höchst ärgerlicher Kampf, der sich im Laufe eines Berufslebens immer deutlicher manifestiert. Es ist kein Zufall, dass junge Frauen öfters Quotengegnerinnen sind, weil ja mit Recht alles möglich scheint mit einem guten Abschluss. Ausgerechnet Frauen in Führungspositionen sind oft entschiedene Verfechterinnen der Quote. Die gläsernen Decken werden schmerzhaft erst in der Nahsicht, beim Durchzählen an den Konferenztischen zum Beispiel. Beim Blick auf Führungsetagen. Oder wenn ausgerechnet dann Hierarchieebenen abgeschafft werden, sobald eine Frau ihnen nahe kommt.

Und nur weil es um Führungsjobs geht, ist die Sache kein Elitenproblem. Es geht nicht nur darum, ein paar Frauen Top-Jobs und gute Gehälter zu verschaffen. Es geht zu allererst um Gerechtigkeit, um die Erfüllung einer Verfassungsvorschrift: Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Mühsame Fortschritte

Und es geht auch darum, Diskussionen zu verändern und Themen neu und anders in den Blick zu nehmen. Frauen werden nicht nur Frauenpolitik machen. Aber es ist kaum ein Zufall, dass Fortschritte so mühsam waren mit einem Parlament, in dem bis 1987 zu über 90 Prozent von Männern besetzt war. Bis 1977 mussten Frauen in Deutschland ihren Ehemann fragen, wenn sie arbeiten wollten. Das Recht Vergewaltigung in der Ehe wurde sogar erst in den 90er Jahren strafbar.

Und anderes immer noch nicht abgestellt: Nach wie vor verdienen Frauen im Schnitt weniger als Männer, werden so genannte Frauenberufe schlechter bezahlt, gibt es Probleme mit Teilzeitarbeit, trägt das Ehegattensplitting im Steuerrecht dazu bei, dass die meist schlechter verdienenden Frauen ihre Selbstständigkeit zu vermasseln.

Freiwillig scheint es nicht zu gehen

Der Gleichberechtigungssatz ist übrigens auch erst auf Betreiben einer Frau ins Grundgesetz gekommen. Seit 1994 gibt es noch einen Zusatz: Der Staat muss danach die Gleichberechtigung fördern und Nachteile beseitigen. Ein Paritätsgesetz, das Parteien zu Gleichberechtigung bei Kandidaturen verpflichten würde, ist offenkundig notwendig.

Freiwillig scheint es ja nicht zu gehen, wenn nicht weitere 100 Jahre ins Land ziehen sollen.

Es könnte ernst werden

Der treuherzige Hinweis von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Männer müssten endlich mehr im Haushalt helfen, wirkt schon fast wie Panik. Es könnte ernst werden mit dem Teilen der Macht.

Von Daniela Vates/RND

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