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Politik im Rest der Welt Haftbefehl gegen Fäkalienwerfer außer Kraft
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10:34 28.03.2019
Ein Vermummter geht mit Polizisten zur Überprüfung der Personalien zu einem Einsatzfahrzeug: Bei dem Polizeieinsatz wegen eines mutmaßlichen Fäkalienwerfers im Hambacher Forst hat sich eine Person von einem Baumhaus abgeseilt. Quelle: David Young/dpa
Kerpen

Diese Festnahme hat sich die Polizei Zeit und Personal kosten lassen: Beamte haben am Dienstag im Hambacher Forst nach über 24-stündigem Einsatz einen jungen Mann festgenommen, der von einem Baumhaus aus einen Eimer mit Fäkalien auf einen RWE-Mitarbeiter geworfen haben soll – und dazu einen Brandsatz, der den Mann aber nicht traf.

Gegen den Mann wird nach Polizeiangaben wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung ermittelt. Der Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Fäkalienwerfer ist nun gegen Auflagen außer Kraft gesetzt worden.

Der Mann war am Mittwochabend dem Haftrichter vorgeführt worden, wie eine Sprecherin der Polizei in Aachen am Donnerstag mitteilte. Der 36-Jährige sei zweifelsfrei identifiziert worden. Da keine Fluchtgefahr bestehe, müsse er zunächst nicht in Haft. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung dauerten aber weiter an. Die „Aachener Zeitung“ hatte zuvor berichtet.

Notdurft-Eimer der Baumhaus-Bewohner sind berüchtigt

Der Mann soll am Montag bei Aufräumarbeiten im Hambacher Forst einen Mitarbeiter des Energiekonzerns RWE mit Fäkalien beworfen haben. Die Eimer, in die die Baumhausbewohner in luftiger Höhe ihre Notdurft verrichten, sind berüchtigt: Noch bei der letzten großen Baumhaus-Räumung vergangenen Herbst rückten Polizeikräfte mit Sonnenschirmen an, nachdem Aktivisten immer wieder Fäkalien auf Menschen ausgekübelt hatten - ohne dass das weitere Konsequenzen für die Täter hatte. Das ändert sich nun.

SEK mit Höhlenkletterern vor Ort

Die Polizei riegelte das Baumhaus nach der Tat ab und forderte den Mann auf herunterzukommen. Der weigerte sich. Den ganzen Montag, in der Nacht und auch am Dienstagmorgen. Die Polizei hatte das Baumhaus die ganze Zeit abgeriegelt. Am Morgen waren noch die Strahler zu sehen, mit denen die Einsatzkräfte das Gelände in der Nacht erleuchtet hatten.

Lesen Sie auch: Polizei schnappt „Fäkalien-Täter“ – nach über 24 Stunden

Inzwischen war das SEK da, auch mit Höhenkletterern. Ein Hubwagen stand bereit und auch die Männer mit den Motorsägen, die für das schwere Gerät Platz schaffen sollten. Bäume sollten fallen. Das sagte auch die Polizei in ihren Ansagen, mit denen sie den Mann am Dienstagmorgen drei Mal aufforderte herunterzukommen. Ein Gericht hatte einen Durchsuchungsbeschluss zur Ergreifung des Tatverdächtigen in der Baumhaussiedlung „Krähennest“ erlassen.

„Die Unverhältnismäßigkeit dieses Einsatzes ist grotesk“

Als die Motorsäge aufkreischte und ins Holz des ersten Baumes schnitt, waren Schreie zu hören: „Nein, nein, nein“ und „lass den Baum in Ruhe!“ –wahrscheinlich von Aktivisten, die hinter die Polizeiabsperrung verwiesen wurden. Blitzschnell seilte sich der mutmaßliche Fäkalienwerfer von seinem Baumhaus ab. Später die Nachricht aus dem Aachener Polizeipräsidium: „Er ist es.“ Der Abgleich mit einer Täterbeschreibung und Fotos habe ergeben, dass der Mann den Fäkalieneimer geworfen habe. Er kam in Haft, teilte die Polizei mit.

Der Tatverdächtige Fäkalienwerfer seilt sich von einem Baumhaus ab. Quelle: David Young/dpa

„Die Unverhältnismäßigkeit dieses Einsatzes ist grotesk, aber leider nicht überraschend“, twitterte das Aktionsbündnis Ende Gelände. Die Polizei lobte sich dagegen für das „schrittweise, besonnene und konsequente Vorgehen“. Sie zog nach Einsatzende am Mittag ab.

Das ehemalige Mitglied der Kohlekommission Antje Grothus kritisierte, das Vorgehen von RWE und Polizei im Hambacher Forst schade dem Demokratieverständnis vieler Menschen. Die NRW-Landesregierung „täte gut daran“ mit Unterstützung beispielsweise der Landeskirchen Gespräche im Sinne einer Mediation aufzunehmen.

Die Polizei hatte im vergangenen Herbst 86 Baumhäuser von Braunkohlegegnern geräumt. Anfang Januar waren knapp 50 neue Baumhäuser und andere Bauten gezählt worden. Der Wald am Tagebau Hambach gilt als Symbol der Klimaschützer im Kampf gegen die Kohle.

Von RND/dpa/ngo

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