Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Kaum Verurteilungen nach Kölner Silvesternacht
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Kaum Verurteilungen nach Kölner Silvesternacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:22 11.03.2019
In der Silvesternacht 2015 registrierte die Polizei am Kölner Hauptbahnhof Hunderte Übergriffe auf Frauen. Überführt wurden bislang drei Sexualstraftäter. Quelle: dpa
Berlin

Überforderte Beamte, kaum Schutz für Frauen: Die Kölner Silvesternacht hat sich wie ein grauer Schleier über die Sicherheitsbehörden der Domstadt gelegt. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Übergriffe damals „widerwärtig“ und kündigte eine „harte Antwort des Rechtsstaats“ an.

Die jedoch blieb aus. Aus einer internen Auflistung des Kölner Amtsgerichts, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, geht hervor, dass den mehr als 600 Opfern gerade einmal drei überführte Sexualstraftäter gegenüber stehen. Gegen zwei von ihnen wurde eine Bewährungsstrafe verhängt.

Die meisten Verurteilungen erfolgten wegen Diebstahls oder Hehlerei

In den allermeisten Fällen sei eine Verurteilung nur wegen Diebstahls oder Hehlerei erfolgt. In zwei Fällen hätten sich die Vorwürfe der sexuellen Nötigung vor Gericht nicht erhärten lassen. Wegen „Grapschens“ sei es in einem Fall zu einer Verurteilung gekommen.

Die Strafen hätten die „gesamte Bandbreite der amtsgerichtlichen Strafgewalt“ abgebildet. Sie reichten von 30 Tagessätzen zu je zehn Euro auf Bewährung bis hin zu einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung.

Verurteilte machten Selfies von sich und den Opfern

So hatte ein junger Iraker eine junge Frau gegen deren Willen geküsst und ihr Gesicht abgeleckt. Die drei Verurteilten wurden nach RND-Informationen nur überführt, weil sie vor den Übergriffen Selfies von sich und ihren späteren Opfern aufgenommen hatten.

Insgesamt nahm die Kölner Staatsanwaltschaft nach den Anzeigen 290 Ermittlungsverfahren auf. In 52 Fällen kam es zur Anklage. Bei den Angeklagten handelte es sich laut Auflistung um 17 Algerier, 16 Marokkaner und sieben Iraker und jeweils einen Tunesier, Libyer, Afghanen, Ägypter, Somalier, Iraner, Ungarn und Syrer. Auch vier Deutsche seien angeklagt worden.

Für die Kölner Justiz ist die Aufarbeitung abgeschlossen

„Insgesamt fällt das Ergebnis ernüchternd aus“, sagte Amtsgerichtssprecher Wolfgang Schorn dem RND. Besonders frustrierend sei die Beweislage und der Umstand, dass Verurteilungen nur möglich gewesen seien, wenn Selfies vorgelegen hätten. Es sei kaum möglich gewesen, einzelnen Tätern konkrete Handlungen zuzuordnen. Für die Kölner Justiz ist die Aufarbeitung der Silvesternacht 2015 damit abgeschlossen. Bereits elf Monate nach der Tatnacht hatten die Ermittlungsbehörden massive Schwierigkeiten einräumen müssen.

Lesen Sie auch: Polizei will „Lage im Griff“ gehabt haben

Von Jörg Köpke/RND

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei einem Treffen im Weißen Haus nannte Donald Trump Apple-Chef Tim Cook vergangene Woche „Tim Apple“. Ein Versprecher? Der US-Präsident gab nun eine Erklärung über Twitter ab.

11.03.2019

Von Bayern bis Mecklenburg-Vorpommern gehen Bürger auf die Barrikaden, weil sie mitunter sechsstellige Summen zahlen sollen. Die regierenden Parteien wollen die Straßenausbaubeiträge immer öfter abschaffen. Doch Städte und Gemeinden sagen: Wir brauchen das Geld. Ein Überblick.

11.03.2019

Es sollte seine fünfte Amtszeit werden, doch die Ankündigung einer erneuten Präsidentschaftskandidatur von Amtsinhaber Bouteflika hatte in Algerien massive Proteste ausgelöst. Nun gibt der Präsident auf.

11.03.2019