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Politik im Rest der Welt Jemen: 20 Millionen Menschen hungern – im Zehn-Minuten-Takt stirbt ein Kind
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10:34 11.12.2018
80 Prozent der Kinder und damit mehr als elf Millionen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, erklärte Unicef am Dienstag in Berlin. Quelle: Hani Mohammed/AP/dpa
Berlin/New York

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hat vor einer verheerenden Hungersnot im Bürgerkriegsland Jemen gewarnt. 80 Prozent der Kinder und damit mehr als elf Millionen seien auf humanitäre Hilfe angewiesen, erklärte Unicef am Dienstag in Berlin. Offiziell sei zwar noch keine Hungersnot erklärt worden, aber in der Realität hungerten oder verhungerten täglich Kinder. Alle zehn Minuten stirbt den Angaben zufolge ein Kind im Jemen an den Folgen von vermeidbaren Krankheiten oder Mangelernährung. Im Jemen herrscht seit 2015 Bürgerkrieg.

„Im Jemen gehen heute sieben Millionen Kinder jeden Abend hungrig ins Bett. 400.000 Kinder sind lebensbedrohlich mangelernährt und könnten jede Minute sterben“, erklärte Geert Cappelaere, Unicef-Regionaldirektor für den Mittleren Osten und Nordafrika. Das UN-Kinderhilfswerk rief dazu auf, alles zu tun, um eine noch größere Tragödie im Jemen zu verhindern. Derzeit führe Unicef dort seine weltweit größte Nothilfeoperation durch und weite diese Hilfe noch aus.

Unicef appellierte, dass die aktuellen Friedensverhandlungen in Schweden unter der Vermittlung der Vereinten Nationen genutzt werden müssten, um einer Lösung des Konflikts näher zu kommen. Gleichzeitig forderte das UN-Kinderhilfswerk die internationale Gemeinschaft auf, die dringend benötigte Hilfe für Kinder und Familien stärker zu unterstützen.

UN: 250.000 Menschen von Katastrophe bedroht

Nach UN-Angaben hat sichdie Knappheit von Lebensmitteln im Jemen noch einmal verschärft. 20 Millionen Menschen hungerten - also rund 70 Prozent der Bevölkerung, was im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg um 15 Prozent entspreche, sagte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Montag in New York. Bei einem kürzlichen Besuch habe er eine „erhebliche, dramatische Verschlechterung“ der humanitären Lage im Land festgestellt. „Es ist alarmierend.“

Erstmals drohe 250.000 Jemeniten überdies eine „Katastrophe“. Dies bedeute, dass sich die Menschen auf einer globalen Skala, die den Schweregrad und das Ausmaß von Lebensmittelknappheit misst, in der sogenannten Phase fünf befinden. Dies sei die gravierendste Stufe, die mit einer Bedrohung durch „Verhungern, Tod und Verelendung“ einhergehe, warnte Lowcock. Es gebe nur ein weiteres Land, in dem Menschen in Phase fünf seien - der Südsudan mit 25.000 Betroffenen.

Betroffene leben dort, „wo der Konflikt ziemlich intensiv tobt“

Die betroffenen 250.000 Jemeniten lebten vor allem in vier Provinzen, „wo der Konflikt ziemlich intensiv tobt“ - Tais, Saada, Hadscha und Hudaida. Im Jemen gebe es zudem fast fünf Millionen Menschen in der Phase vier, die als „Notfall“-Stufe geführt werde. Demnach litten Menschen an extremem Hunger und „sehr hoher akuter Unterernährung sowie übermäßiger Sterblichkeit“ - oder an extremem Einkommensverlust mit der Folge gravierender Lebensmittelengpässe. Betroffene lebten in 152 der 333 Bezirke Jemens - ein massiver Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als noch von 107 Bezirken die Rede gewesen sei.

Der Jemen-Konflikt entzündete sich an der Einnahme der Hauptstadt Sanaa durch die vom Iran gestützten, schiitischen Huthi-Rebellen 2014. Dabei wurde damals die international anerkannte Regierung verdrängt. Seit 2015 bekämpft eine von Saudi-Arabien befehligte Militärkoalition die Huthis. Von Riad geführte Luftangriffe haben Schulen, Krankenhäuser und Hochzeiten getroffen. Die Huthis haben Langstreckenraketen ins Landesinnere von Saudi-Arabien gefeuert und Schiffe im Roten Meer angegriffen.

Mehr als 10.000 Menschen verloren ihr Leben

Mehr als 10.000 Menschen sind in dem Krieg umgekommen, rund zwei Millionen wurden vertrieben. Beobachter sprechen von der schlimmsten humanitären Krise der Welt.

„Es gibt Millionen von Jemeniten, die hungrig und krank und verängstigt und verzweifelt sind und darben, doch haben sie alle eine Botschaft und die lautet, dass sie am Ende ihrer Kräfte sind und wollen, dass dieser Krieg aufhört“, erklärte Lowcock. Dennoch gebe es Millionen von Menschen, deren Leid noch viel schlimmer wäre, wenn es anhaltende Hilfsaktionen nicht gäbe. Diese erreichten derzeit acht Millionen Jemeniten. 2019 wollten die Vereinten Nationen 15 Millionen helfen. Dazu würden Spenden von vier Milliarden Dollar erbeten. Nötig seien auch erste Schritte zu einem Kriegsende wie Friedensgespräche in Schweden zwischen der Regierung und den Huthi-Rebellen, die unter Vermittlung der UN laufen.

Von RND/AP/epd

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