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Politik im Rest der Welt Barley: „Angriffe auf jüdisches Leben sind unerträglich“
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16:43 08.09.2018
Justizministerin Barley hat den Angriff auf das jüdische Restaurant in Chemnitz verurteilt Quelle: epd-bild/Juergen Blume
Chemnitz

Auch ihn traf der Hass nach der „Pro Chemnitz“-Demo am 27. August: Uwe Dziuballa ist Wirt des „Schaloms“ des einzigen koscheren Restaurants der Stadt. Am Montagabend um 21.45 Uhr stürmten Neonazis an seinem Lokal vorbei, warfen mit Steinen und Flaschen und brüllten „Verschwinde aus Deutschland, Judensau“.

„Ich war voller Adrenalin, ich war nicht mehr ich selbst“, sagt Dziuballa, der bei dem Angriff an der Schulter verletzt wurde. „Und so ähnlich nehme ich jetzt auch die sächsische Landespolitik wahr. Die machen jetzt einfach irgendetwas und hoffen, dass der Spuk wieder vorbeigeht.“ Die Polizei war an diesem Abend allerdings sofort vor Ort, als der Gastronom zum Telefon griff.

Doch wie die „Welt“ berichtet, hätten die Beamten die Schäden am Restaurant und die Wurfgeschosse erst Tage später aufgenommen und sichergestellt. Zunächst waren die Behörden laut der Zeitung von „versuchter Sachbeschädigung“ ausgegangen.

Uwe Dziuballa wurde bei dem Angriff auf sein Lokal verletzt Quelle: Jan Sternberg

Dziuballa hat Anzeige gegen die Unbekannten erstattet, mittlerweile hat das Landeskriminalamt die Ermittlungen aufgenommen. Auch der Staatsschutz und das Extremismus-Abwehrzentrum seien mit dem Fall betraut, schreibt die „Welt“.

Angriffe auf das jüdische Leben sind unerträglich“

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat die Attacke scharf verurteilt. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte sie: „Angriffe auf jüdisches Leben, wie wir sie nun wieder erleben, sind unerträglich. Attacken von rechten Gruppen auf jüdische Restaurants wecken schlimmste Erinnerungen. Jede Tat gegen Jüdinnen und Juden ist ein Angriff auf uns alle, auf unser friedliches und respektvolles Zusammenleben, auf unsere Gesellschaft insgesamt. Die Ermittlungsbehörden müssen die Tat mit allem Nachdruck aufklären und die Täter zur Verantwortung ziehen.“

Der Beauftragte gegen Antisemitismus der Bundesregierung, Felix Klein, zeigte sich alarmiert. „Sollten die Berichte zutreffen, haben wir es mit dem Überfall auf das jüdische Restaurant in Chemnitz mit einer neuen Qualität antisemitischer Straftaten zu tun. Hier werden die schlimmsten Erinnerungen an die dreißiger Jahre wachgerufen“, sagte er der Zeitung. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat dem Bericht zufolge mit dem Betreiber, einem alteingesessenen Chemnitzer, telefoniert.

Gegenüber TV-Teams sagte Kretschmer beim „Tag der Sachsen“, dass er das Restaurant in den nächsten zwei Wochen besuchen wolle.

Für den in Chemnitz geborenen Dziuballa geht der Alltag in seiner Stadt trotz andauernder Demonstrationen weiter. Doch einen Appell an seine Mitbürger hat der gelernte Diplomingenieur noch: „Alle halbwegs demokratischen Kräfte, alle, die sich Menschlichkeit bewahrt haben, sollen auf ihren gesunden Menschenverstand hören, sich nicht aufhetzen lassen und ihre Hoffnung bewahren.“

Von RND/js/mkr/dpa

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