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Politik im Rest der Welt Heiko Maas riskiert die Rückkehr der Taliban
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13:17 12.03.2019
Straßenkünstler malen anlässlich des Internationalen Frauentags ein Wandbild von demonstrierenden Frauen an eine Mauer des afghanischen Frauenministeriums. Unter den Taliban hätte es das nicht gegeben. Quelle: dpa
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Islamabad

Jeder Zweite in Afghanistan ist jünger als 18 Jahre alt. All diese Menschen sind mit dem Krieg aufgewachsen, den der Westen seit dem Jahr 2001 gegen den Terror in ihrem Land führt. Eigene Erinnerungen, Erfahrungen gar mit den Taliban und deren Schreckensherrschaft haben diese jungen Frauen und Männer nicht. Das aber könnte sich schon bald ändern.

Die Taliban sind wieder ein Machtfaktor in Afghanistan, sie sind zurück auf der weltpolitischen Bühne. Die USA haben direkte Gespräche mit ihren Vertretern in Doha aufgenommen – ausgerechnet mit jenen Bärtigen also, die doch die US-Regierung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 ein für alle Mal von der Macht in Kabul verjagen wollte.

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Mit Taliban reden? Ja, meint Maas

Argwohn und Sorge, mit denen Afghanistans Regierung auf diese Gespräche blickt, sind berechtigt – schließlich sitzen deren gewählte Vertreter nicht mit am Tisch.

Bei seinem Besuch in Afghanistan ist Außenminister Heiko Maas diesen Ängsten der moderaten Kräfte Afghanistans auf Schritt und Tritt begegnet. Auch Maas hat appelliert, das Rad jetzt ja nicht zurückzudrehen. Doch auch er vermochte nicht die Angst vor der Rückkehr der Taliban zu vertreiben – im Gegenteil:

Bei seinem Besuch in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad begrüßte Maas am Dienstag die Direktgespräche der USA mit den Taliban. Sie seien „notwendig“ zur Schaffung eines breiter angelegten Dialogs.

Verrat an Afghanistans Jugend

Die westlichen Alliierten sind kriegsmüde geworden. Doch der berechtigte und nachvollziehbare Wunsch nach einem Abzug vom Hindukusch darf nun nicht zu voreiligen, womöglich fatalen Zugeständnissen gegenüber den Islamisten führen.

Andernfalls droht ein Verrat an den eigenen Werten, mit denen doch immer wieder die Opfer begründet wurden, die der Westen in Afghanistan erbracht hat. Und es droht ein Verrat an einer jungen Generation von Afghanen, die jetzt um ihr kleines bisschen neu erworbener Freiheit bangen.

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Von Marina Kormbaki/RND