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Politik im Rest der Welt Libyen: Mindestens 40 Menschen sterben bei Angriff auf Migrantenlager
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16:32 03.07.2019
Dutzende Migranten sind bei einem Luftangriff auf ein Lager nahe Tripolis ums Leben gekommen. Quelle: Hazem Ahmed/AP/dpa
Tripolis

Dutzende Tote und Verletzte: Bei einem mutmaßlichen Luftangriff auf ein Migrantenlager nahe der libyschen Hauptstadt Tripolis sind mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Über 80 Menschen aus verschiedenen afrikanischen Ländern seien verletzt worden. Das berichten die Deutsche Presse-Agentur (dpa) und der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera. Die Attacke in der Nacht zum Mittwoch habe in Tadschura östlich von Tripolis stattgefunden, hieß es aus Regierungskreisen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk schickte Ärzte und medizinisches Personal in die betroffene Region.

Mitarbeiter des Roten Halbmonds bergen nach dem Luftangriff Leichen. Quelle: Hazem Ahmed/AP/dpa

Der libysche Präsidentschaftsrat machte die Truppen des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar für die Attacke verantwortlich und sprach von einem Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Haftars selbsternannte Libysche Nationalarmee (LNA) hatte am Montag bereits schwere Angriffe auf Tripolis angekündigt. Der Präsidentschaftsrat forderte die Vereinten Nationen auf, die Attacke zu untersuchen. Im April hatte Haftar den Angriff seiner Truppen auf die Hauptstadt befohlen. Seitdem ist es der Angriff mit den meisten Opfern. Der Warlord will nach eigenem Bekunden die Kontrolle über die Streitkräfte erringen und kontrolliert mittlerweile große Gebiete Libyens.

UN: Rückführung von Migranten nach Libyen stoppen

In dem Lager in Tadschura seien insgesamt mehr als 600 Migranten unterschiedlicher Nationalitäten untergebracht, hieß es aus Regierungskreisen. In dem getroffenen Lagerteil waren rund 120 Migranten aus verschiedenen afrikanischen Ländern untergebracht. Dem in Katar ansässigen Sender Al-Dschasira zufolge sollen sie aus dem Sudan, Eritrea und Somalia stammen.

Die Vereinten Nationen fordern nach dem mutmaßlichen Angriff Konsequenzen in der Flüchtlingspolitik. Die Rückführung von Migranten auf dem Mittelmeer nach Libyen müsse sofort gestoppt werden, forderte das UN-Flüchtlingshilfswerk am Mittwoch. Bereits in den vergangenen Wochen habe das UNHCR gewarnt, dass das Lager im Vorort Tadschura von Tripolis großen Risiken im Kreuzfeuer ausgesetzt sei, beklagte Sprecher Charlie Yaxley.

Europa finanziert umstrittene Küstenwache

Libyen ist eines der wichtigsten Transitländer für Migranten und Flüchtlinge aus Afrika auf dem Weg nach Europa. Laut UNHCR werden in dem Küstenstaat fast 6000 Menschen in Internierungslagern festgehalten, Tausende weitere leben teils versteckt im Land.

In die Lager kommen alle, die ohne gültige Aufenthaltspapiere aufgegriffen werden. Dazu gehören auch diejenigen, die die libysche Küstenwache auf Druck der EU bei dem Versuch abfängt, per Boot nach Europa zu gelangen.

Die libysche Küstenwache hat Tausende Migranten auf dem Mittelmeer abgefangen und zurück in Haftzentren in Libyen gebracht, die von Milizen geleitet werden, denen wiederum Folter und andere Menschenrechtsverstöße angelastet werden. Europa finanziert die libysche Küstenwache und rüstet sie aus.

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