Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Söder gibt Horst Seehofer eine Jobgarantie
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Söder gibt Horst Seehofer eine Jobgarantie
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 19.11.2018
Söder ist der neue starke Mann in der CSU, aber er will keine „One-Man-Show“. Quelle: dpa
Berlin/München

„Ich habe es mir lange überlegt. Es war keine leichte Entscheidung“, sagt Markus Söder am Montag vor der Landtagspresse in München. Es sei „eine Pflicht, eine Chance, eine Ehre, diese großartige Partei CSU zu führen“. Was man so sagt in solchen Momenten.

Nur: Besonders freudig wirkt Söder dabei nicht. Woraus man schließen kann, dass er noch nach seiner Rolle sucht, zumindest nach dem richtigen Ton. Bei einem Sonderparteitag am 19. Januar in München soll er zum neuen CSU-Chef gewählt werden. Ausdrücklich stellt der Kandidat klar, dass aus seiner Sicht auch ein „Doppelspitze“ funktioniert hätte. Doch nach Seehofers Rückzugsankündigung hätten eben sowohl Manfred Weber als auch Alexander Dobrindt abgesagt. Der eine kandidiert als Spitzenkandidat der konservativen EVP bei der Europawahl, der andere fürchte wohl, nicht den ausreichenden Rückhalt in der Partei zu erhalten.

Söder, der ein Minus von elf Prozentpunkten bei der Landtagswahl in Bayern Mitte Oktober zu verantworten hat, erweckt den Eindruck, als wäre es ihm durchaus recht gewesen, wenn einer von beiden den Hut in den Ring geworfen hätte. „Irgendwann muss auch mal jemand die Verantwortung übernehmen“, begründet der 51-Jährige seine Kandidatur. Ein Satz, der nicht gerade nach großem Machtanspruch klingt.

Söder macht auf Demut – eine Eigenschaft, die in der Vergangenheit nicht unbedingt mit seinem Namen in Verbindung gebracht wurde. „Nicht alles anders machen, aber manches besser“, das sei die Herausforderung, vor die CSU nun stehe, so der designierte Parteichef.

Jobgarantie für Seehofer

Überraschend deutlich fällt sein Bekenntnis zu Horst Seehofer als Bundesinnenminister aus. „Wir wollen Stabilität in der Regierung und auch Kontinuität. Das gilt auch personell“, sagt Söder. Es ist eine Art Jobgarantie seinen langjährigen Widersacher, wenn auch von unbestimmter Dauer. Die Spekulationen über einen raschen Abgang Seehofers aus dem Bundeskabinett dürften damit aber erst einmal beendet sein.

Söder, der in der Vergangenheit oft als politisches Alphatier und rücksichtloser Karrierist beschrieben wurde, gibt plötzlich den Teamplayer. „Die Zeiten von One-Man-Shows sind out“, kündigt er an. Er spricht von Mannschaftsspiel und Miteinander, von „neuer Offenheit“, von Zuhören und Fehlern, die gemacht worden seien. Die schwierigste Zeit für ihn sei in diesem Jahr der große Asylstreit innerhalb der Union gewesen. Nun gelte es, ein neues Verhältnis zur CDU zu begründen, Konstruktivität zu zeigen und sich klar von der AfD abzugrenzen sowie den Wähler-Exodus Richtung Grüne zu stoppen.

Der bayerische Löwe plötzlich ganz zahm

Kooperation statt Krawall und Kraftmeierei? Geht es nach Söder, der selbst im Sommer den Konflikt über die Flüchtlingspolitik mit auf die Spitze getrieben hatte, soll der bayerische Löwe künftig in Berlin weniger laut brüllen. „Öfter“ als bisher werde er in der Hauptstadt sein. CDU und CSU sollten sich wieder als politische Familie verstehen. Der CSU-Chef in spe sieht da gute Voraussetzungen: Mit allen drei aussichtsreichen Kandidaten für die Merkel-Nachfolge an der Spitze der Schwesterpartei verstehe er sich gut.

„Stabil mit Stil und trotzdem offen für Neues“, so umschreibt Söder die neue Aufgabe. Er setzt dabei auch auf Manfred Weber, den im Moment größten Hoffnungsträger der CSU. Im Europawahlkampf werde seine Partei einen klar proeuropäischen Kurs fahren und nicht wie in der Vergangenheit auf ein „sowohl als auch“ setzen. Weber macht am Montag in Berlin noch einmal deutlich, wo seine persönlichen Prioritäten liegen, als gefragt hat, warum er nicht für das Amt des CSU-Chefs zur Verfügung stehe. Diese Aufgabe zu übernehme, funktioniere nur ganz oder gar nicht: „Ein bisschen schwanger geht ja auch nicht.“

Von Rasmus Buchsteiner/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der CDU bestimmt dieser Tage die anstehende Wahl des neuen Parteichefs die Debatte. Ein wichtiger Aspekt dabei ist auch die Kanzlerfrage. Der aktuellen Forsa-Umfrage zufolge hat CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer gute Chancen, in die Fußstapfen von Kanzlerin Angela Merkel zu treten.

19.11.2018

Deutschland zieht nach der Tötung des saudi-arabischen Regierungskritikers Jamal Khashoggi Konsequenzen. Wie Außenminister Heiko Maas mitteilt, wurden gegen 18 saudische Staatsangehörige Einreisesperren verhängt. Die Betroffenen stünden mutmaßlich in Verbindung zu der Tat.

19.11.2018

Die Bundesregierung verteidigt im Streit um den Migrationspakt ihre Haltung. Sie sei überzeugt, dass die globale Herausforderung der Migration nur global und multilateral angegangen werden könne. Nationale Alleingänge führten in Sackgassen.

19.11.2018