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Politik im Rest der Welt Mexiko-Stadt verbannt Plastik aus dem Alltag
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10:00 17.05.2019
Plastikmüll findet sich an immer mehr Stränden wieder. (Archivbild) Quelle: Christoph Sator/dpa
Mexiko-Stadt

Wer in Mexiko auf der Straße isst oder im Supermarkt einkauft, kommt an Plastik nicht vorbei. Am Saftstand ist der Becher aus Plastik oder Styropor, in der Tacobude wird das Essen auf Plastiktellern gereicht. Und im Supermarkt wird an der Kasse mit Plastiktüten nur so um sich geschmissen.

In der zweitgrößten Stadt der Welt ist Plastik ein untrennbarer Teil des Lebens. Und das Bewusstsein für die Schädlichkeit des Plastikabfalls entsteht erst ganz allmählich.

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Mexiko-Stadt - das sind im Stadtkern fast neun Millionen Einwohner und 13.000 Tonnen Abfall täglich. Durchschnittlich produziert jeder Einwohner der Megacity 1,7 Kilo Müll.

Das liegt deutlich über dem nationalen Schnitt (1,3 Kilo) und dem Mittel ganz Lateinamerikas (1 Kilo pro Person pro Tag). Zum Vergleich: Jeder Europäer generiert durchschnittlich 1,35 Kilo Müll pro Tag. Nur wenige Städte auf der Welt produzieren derart viel Abfall wie Mexiko-Stadt. Und ein Großteil davon ist Plastik.

„Es ist eine kurze Zeit der Umstellung“

Das soll nun nach den Plänen der Linksregierung der Stadt ein Ende nehmen. Ab 2021 dürfen in der Stadt kein Plastikbesteck, keine Strohhalme oder Teller und auch keine Plastikbecher mehr verkauft oder ausgegeben werden. Selbst Luftballons und Kaffeekapseln sind dann verboten.

„Es ist eine kurze Zeit der Umstellung“, weiß Miguel Rivas von Greenpeace Mexiko „Aber in 18 Monaten gerät immer noch so viel Plastik in die Ozeane. Je eher es gebannt wird, desto besser“. Die Vereinten Nationen schätzen, dass 2050 mehr Plastik in den Meeren schwimmt als Säugetiere und Fische.

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Wenig begeistert von der Maßnahme ist die Plastik-Industrie in Mexiko. „Uns besorgt die Entscheidung der Stadtregierung“, sagt Aldimir Torres, Präsident des Nationalen Verbands der Plastikindustrie (Anipac). Der Sektor setzt jährlich 30 Milliarden Dollar um. „Ein Drittel aller Arbeitsplätze sind gefährdet“.

Der Müll türmt sich vielerorts meterhoch

Die Müllverwertung und Müllverarbeitung sind ohnehin halbwegs anarchisch geregelt in der Stadt. In Mexiko gibt es keine Mülltonnen, wie man sie aus Deutschland kennt. Daher bietet sich in den Vierteln der Metropole jeden Abend das gleiche Bild.

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In der Roma, der Condesa, in Coyoacán und in Iztapalapa türmt sich der Müll meterhoch. Plastiktüten, Tetra-Packs, Flaschen einfach auf einen Haufen geworfen. An den Wochenenden sammelt sich der Abfall mitunter so hoch, dass es auf dem Bürgersteig kein Durchkommen mehr gibt.

Abgeholt wird der Unrat erst in der Nacht oder am nächsten Morgen. Feste Zeiten, an denen die Müllwagen kommen, gibt es nicht. Daher bevorzugen es die Mexikaner, den Müll einfach abends auf der Straße zu verklappen.

„Wir brauchen mehr Aufklärungskampagnen“

Inzwischen aber ist die Mülltrennung verpflichtend. Wer nicht trennt, riskiert sogar ein Bußgeld. „Aber weder ist die Aufklärung gut gelaufen, noch die Kette der Trennung von Haushalt über Müllwagen bis in die Recycling-Anlagen gut durchdacht“, kritisiert Salvador Meneses von der Nichtregierungsorganisation „Basura Cero“, (Null Müll).

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„Wir brauchen mehr Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung, mehr Umwelterziehung. Nur wenn die Bevölkerung und die Behörden an einem Strang ziehen, können wir den Abfall langfristig reduzieren.“ Sonst ersticke die Metropole irgendwann an ihrem Müll, fürchtet Meneses.

Von Klaus Ehringfeld/RND

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