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Politik im Rest der Welt Nach Tötung von Al-Bagdadi: IS-Sprecher soll ebenfalls tot sein
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18:26 28.10.2019
Neben IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi soll auch sein enger Vertrauter, der IS-Sprecher Abu Hassan al-Muhadschir, getötet worden sein.
Istanbul

Ein enger Vertrauter des toten IS-Chefs Abu Bakr al-Bagdadi ist laut den syrischen Kurden ebenfalls getötet worden. Der Kommandeur der kurdischen Truppen, Maslum Abdi, sagte, kurdische Kämpfer hätten Stunden nach dem Tod Al-Bagdadis in Nordsyrien eine gemeinsame Operation mit US-Soldaten ausgeführt. Abu Hassan al-Muhadschir, der auch Sprecher der Terrormiliz Islamischer Staat war, sei am Sonntagabend in der Nähe von Dscharablus getötet worden.

US-Vertreter äußerten sich zunächst nicht dazu. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien berichtete ebenfalls, dass Al-Muhadschir tot sei. Er sei in einem Konvoi gereist, der aus einem Öltanker und einer Limousine bestanden habe. Al-Bagdadi hatte sich nach US-Angaben selbst getötet, nachdem er von US-Truppen gestellt worden war.

IS-Sprecher bei Einsatz in Nordsyrien getötet

Auf den Philippinen wurden verschärfte Sicherheitsmaßnahmen im Süden des Landes angeordnet, wo Extremisten mit Verbindungen zum IS aktiv sind, wie General Cirilito Sobejana berichtete. Aufständische könnten Al-Bagdadis Tod als Anlass nehmen, um zu Vergeltung aufzurufen, sagte er. Verteidigungsminister Delfin Lorenzana sagte, al-Bagdadis Tod sei „ein Schlag“ gegen den IS. „Aber das ist nur ein kurzer Rückschlag, wenn man die Tiefe und Reichweite der Organisation weltweit bedenkt“, sagte er.

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Türkei will eng mit USA kooperiert haben

Unterdessen sagt auch die türkische Regierung, beim Einsatz gegen den Chef der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien eng mit den USA zusammengearbeitet zu haben. Präsidentensprecher Ibrahim Kalin sprach am Montag von "intensiver Diplomatie" und sagte: "Unsere militärischen und geheimdienstlichen Einheiten hatten Kontakt zu ihren amerikanischen Kollegen und haben auch koordiniert." Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte kurz darauf: "Die Türkei und die USA haben bei der Neutralisierung Bagdadis zusammengearbeitet." Man habe Informationen und Ideen ausgetauscht.

Trump zufolge war die Türkei über einen US-Einsatz, aber nicht über dessen Ziel informiert worden. Der US-Präsident hatte sich unter anderem bei der Türkei und den syrischen Kurden bedankt. Deren Verdienste will die türkische Regierung nicht anerkennen. "Von wegen sie haben Geheimdienstinformationen geteilt und Unterstützung geboten und so weiter", sagte Kalin. Das seien "Bemühungen, die Terrororganisation YPG zu legitimieren".

Augenzeuge schildert Angriff auf IS-Anführer al-Bagdadi

Die von der Kurdenmiliz YPG dominierten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) waren bisher der wichtigste Verbündete der USA im Kampf gegen den IS. Die Türkei betrachtet die YPG, die in Nordsyrien lange Gebiete kontrolliert hat, dagegen als Terrororganisation und hatte am 9. Oktober eine Militäroffensive gegen sie begonnen. Derzeit gilt ein mit Russland ausgehandeltes Waffenruheabkommen.

Die SDF hatten am Sonntag eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie die Tötung Al-Bagdadis als "Ergebnis einer engen Zusammenarbeit" mit den USA beschrieben.

Die Türkei hat sich bisher nicht dazu geäußert, dass Al-Bagdadi nur wenige Kilometer von der türkischen Grenze entfernt aufgespürt worden war - in einem Gebiet, das unter der Kontrolle von durch die Türkei unterstützen Rebellen steht.

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Arabische Staaten loben US-Einsatz

Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien haben die Tötung von Al-Bagdadi begrüßt. Alle drei Länder sind Verbündete der USA im Kampf gegen Terrorismus. Sie bekräftigten, ihre Bemühungen voranzutreiben, um extremistische Gruppen auszulöschen.

Saudi-Arabien würdigte am Montag die „großen Anstrengungen“ der US-Regierung, Mitglieder der „gefährlichen Terrororganisation“ aufzuspüren. Der IS habe „das wahre Bild des Islam und der Muslime weltweit verzerrt“. Jordaniens Außenminister Aiman al-Safadi bezeichnete den Tod Al-Bagdadis auf Twitter als wichtigen Schritt im Kampf gegen Terrorismus und gegen die „Ideologie des Hasses“. Ein Sprecher des ägyptischen Außenministeriums forderte „vereintes Handeln“ im Kampf gegen Extremisten.

Der IS bestätigte den Tod seines Anführers auch am Montag zunächst nicht. Auf ihrer Plattform Naschir News sprach die Terrororganisation über laufende Aktivitäten in Syrien, im Irak und Ägypten, äußerte sich aber nicht zum Einsatz gegen Al-Bagdadi. Möglicherweise soll vor einer solchen Bestätigung erst ein neuer Anführer bestimmt werden.

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