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Politik im Rest der Welt Pisa-Chef: „Lehrer werden viel zu oft wie Fließbandarbeiter behandelt“
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15:29 01.01.2019
Arbeitsplatz Schule – „Es muss Schluss mit dem Einzelkämpfertum in den Klassenräumen sein“, sagt OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Berlin

Der Chef der Pisa-Studie, OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher, übt heftige Kritik am deutschen Schulsystem und fordert Lehrer auf, sich stärker aktiv einzubringen. „In Deutschland ist der Schulbetrieb wie eine Fabrikhalle organisiert“, sagte Schleicher dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Die Lehrer werden viel zu oft wie Fließbandarbeiter behandelt, deren Meinung nicht gefragt ist“, sagte er.

Der Bildungsforscher ergänzte aber auch: Viele Lehrer seien selbst „zu sehr fixiert darauf, dass eine Vorgabe aus dem Ministerium kommt – oder ein neues Lehrbuch“. Jeder Lehrer solle selbst so viel wie möglich darüber nachdenken, was der richtige Unterricht sei um die Kinder auf die Welt von morgen vorzubereiten.

„Schluss mit dem Einzelkämpfertum“

Schleicher forderte weitreichende Veränderungen für die Lehrer an den Schulen: „Es muss Schluss mit dem Einzelkämpfertum in den Klassenräumen sein.“ Er ergänzte: „Lehrer müssen viel mehr gemeinsam Unterricht vorbereiten und auf Plattformen gezielt Unterrichtskonzepte austauschen. Da sind andere Länder viel weiter – bis hin zum regelmäßigen gegenseitigen Unterrichtsbesuch.“ In den Ministerien werde über diese Fragen viel zu wenig nachgedacht, sagte der OECD-Bildungsdirektor. Aber auch die Lehrer selbst sollten sich gemeinsam für solche Reformen einsetzen, forderte er.

„Hauptsache, die Eltern beschweren sich nicht“

„In Deutschland ist der Lehrerberuf im internationalen Vergleich finanziell attraktiv, aber intellektuell zu unattraktiv“, sagte Schleicher. Das sei so, weil das Prinzip gelte: „Mach deine Klassentür zu und zieh den Lehrplan nach Vorschrift durch – Hauptsache, die Eltern beschweren sich nicht.“

Zudem bemängelte Schleicher die Rechtschreibvermittlung an vielen Grundschulen. Schleicher rät Lehrern davon ab, Grundschüler nach der Methode Schreiben nach Gehör zu unterrichten. „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind eindeutig. Schreiben nach Gehör ist keine gute Idee“, sagte Schleicher dem RND. „Die Gefahr ist, dass vor allem schwächere Schüler dabei auf der Strecke bleiben“, fügte der Bildungsforscher hinzu. „Ich würde mir wünschen, dass Lehrer nicht auf diese Methode setzen“, sagte er.

Von Tobias Peter/RND

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