Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Rente mit 63 sorgt für neuen Zoff zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Rente mit 63 sorgt für neuen Zoff zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:29 24.04.2019
Die Rente mit 63 (Symbolbild) wird von immer mehr Arbeitnehmern angenommen. Quelle: imago/Christian Ohde
Berlin

Seit fast fünf Jahren gibt es in Deutschland wieder die Rente mit 63 – und noch immer führt die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge in den Ruhestand zu gehen, zu Streit. Auslöser dieses Mal: Die heftige Kritik des Arbeitgeberverbandes BDA.

Dessen Hauptgeschäftsführer Steffen Kampeter hat die abschlagsfreie Rente mit 63 als „schwere Hypothek“ für Rentenkasse und Arbeitsmarkt bezeichnet und von einer „fehlgeleiteten Rentenpolitik“ gesprochen, die den Fachkräftemangel „weiter befeuert“ habe.

Laut BDA sind allein in den vergangenen zwei Jahren rund eine Viertelmillion Fachkräfte pro Jahr bundesweit vorzeitig in Rente gegangen. Das seien deutlich mehr als von der Bundesregierung ursprünglich prognostiziert, klagen die Arbeitgeber.

Gewerkschaftsboss weist Kritik zurück

Verdi-Chef Frank Bsirske wies die scharfe Kritik umgehend zurück. „Ich finde die Entscheidung richtig, die Rente mit 63 zu ermöglichen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die einzige Alternative wäre doch, noch mehr Menschen, die hart gearbeitet haben und den Belastungen nicht mehr standhalten können, mit gekürzten Renten und Abschlägen nach Hause zu schicken. Das wäre ungerecht.“

Bsirske sagte, der Fachkräftemangel sei hausgemacht. „Immer weniger Unternehmen haben in den letzten Jahren ausgebildet“, so der Gewerkschaftsvorsitzende. „Viel zu viele haben sich zu lange darauf ausgeruht, dass andere Unternehmen ausbilden. Jetzt haben wir eine Rekordzahl an Nicht-Ausgebildeten. Das können die Arbeitgeber sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels so nicht mehr leisten.“

Die Arbeitgeber müssten „jetzt endlich Verantwortung tragen für eine nachhaltige Ausbildung von Nachwuchskräften und in die Qualifizierung ihrer Beschäftigten investieren statt alles auf diejenigen abzuwälzen, die von der Arbeit ohnehin kaputt sind“, sagte Bsirske.

VdK-Präsidentin sieht Arbeitgeber in der Pflicht

„Es ist nur richtig, jemanden mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente zu schicken, der beispielsweise mit 15 oder 16 Jahren in einem Bau- oder Industriebetrieb sein Erwerbsleben angefangen hat und der sein Leben lang geschuftet hat“, sagte Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, dem RND. „Arbeitnehmer sind in vielen Berufen, wie der Pflege, körperlich und psychisch so stark belastet, dass an längeres Arbeiten nicht zu denken ist“, so Bentele weiter.

Die VdK-Präsidentin sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht. „Wer Fachkräfte im Beruf halten möchte, der muss die Arbeitsbedingungen und die Präventionsangebote verbessern. Es ist längst möglich, dass die, die fit sind, länger arbeiten“, betonte sie. Für alle, die das nicht könnten, muss die Rente mit 63 nach 45 Berufsjahren möglich sein.

Auch SPD-Vize Ralf Stegner verteidigte die Rente mit 63. „Die große Zustimmung und die Inanspruchnahme zeigen: die Menschen wollen das, und viele brauchen das auch“, sagte Stegner dem RND. „Die meisten Betroffenen sind mit 16 oder 17 Jahren direkt von der Schule in den Job und haben seitdem 45 Jahre durchgearbeitet und ebenso lange Beiträge in unserer Solidarsystem eingezahlt“, so der stellvertretende Parteivorsitzende weiter. „Diese Generation hat es verdient und es zeugt von Respekt, wenn sie jetzt die Leistungen erhält, für die sie über Jahrzehnte gearbeitet hat.“

Seit Juli 2014 können Arbeitnehmer nach mindestens 45 Jahren Einzahlung in die Rentenkasse bereits ab 63 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen. Von dieser Regelung machten nach Zahlen der Deutschen Rentenversicherung in den vergangenen drei Jahren rund 735 000 Arbeitnehmer Gebrauch. Laut dem Bundesarbeitsministerium liegen diese Zahlen bisher im erwartbaren Bereich.

Lesen Sie auch: Rente – eine Frage der Generationengerechtigkeit

Von Rasmus Buchsteiner und Andreas Niesmann/RND

Éric Drouet hat an bisher 23 Samstagen in Folge zu „Gelbwesten“-Protesten in Frankreich aufgerufen. Nun will der Fernfahrer aufgeben – aus Angst seiner Familie könne etwas zustoßen.

24.04.2019

Ist ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur Arbeit der Treuhand nach der Wende nötig? Die Linke hat die Debatte angestoßen, jetzt meldet sich die designierte FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg zu Wort – mit einer eindeutigen Haltung.

24.04.2019

Die Schotten gelten als pro-europäisch – und vielen von ihnen haben keine Lust, gemeinsam mit Großbritannien die EU zu verlassen. Schottlands Regierungschefin will stattdessen die Unabhängigkeit von Großbritannien. Bis 2021 sollen ihren Landsleute abstimmen.

24.04.2019