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Politik im Rest der Welt Wagenknecht: „Echte Freundschaften können in diesem Klima nicht entstehen“
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Wagenknecht: „Echte Freundschaften können in diesem Klima nicht entstehen“
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16:43 20.03.2019
Sarah Wagenknecht ist froh darüber, Auseinandersetzungen wie in der Vergangenheit nicht mehr führen zu müssen. Quelle: imago
Berlin

Warum zieht sich Sahra Wagenknecht vom Posten der Chefin der Linksfraktion zurück? Die Politikerin hat nun zum ersten Mal deutlich gemacht, dass tiefe Verletzungen durch interne Widersacher zu ihrer Entscheidung beigetragen haben.

In einem Interview in der aktuellen Ausgabe des Hamburger Magazins Stern, das am Donnerstag erscheint, sagt Wagenknecht auf die Frage, was sie besonders verletzt habe: „Wenn man mich in die Nazi-Ecke stellt, meine Auffassungen als nationalistisch oder gar rassistisch diffamiert. So etwas ist einfach niederträchtig.“

Ein Panzer für die Außenwelt

Im Stern spricht Wagenknecht davon, wie lange sie dagegen angekämpft habe. „Man versucht, der Außenwelt weiszumachen, dass man einen Panzer hat. Es soll ja niemand wissen, wo und wie sehr man verletzbar ist. Aber tatsächlich perlen Angriffe und Diffamierungen nicht so einfach ab.“

Wagenknecht hatte Anfang vergangener Woche ihren Rückzug vom Fraktionsvorsitz mit dem Verweis darauf bekannt gegeben, sich „ausgebrannt“ zu fühlen. Beim Anne Wills Polittalk vom Sonntag wollte sie innerparteiliche Differenzen nicht als ausschließlichen Grund für ihren Rückzug verantwortlich machen. Dennoch plädierte sie mit Verweis auf ihre eigenen Erfahrungen: „Wir müssen menschlicher miteinander umgehen.“

Schlangengrube Politik

Im Stern-Gespräch wird die Linken-Politikerin nun deutlicher: „Politik ist schon eine Schlangengrube. Echte Freundschaften können in diesem Klima nicht entstehen.“ Sie sei froh darüber, in Zukunft die Auseinandersetzungen, die sie in der Vergangenheit geführt habe, nicht mehr führen zu müssen. „Insoweit fühle ich mich wirklich befreit.“

Parteiintern wurde sie wiederholt für ihre Positionen in unterschiedlichen Debatten kritisiert. So stand sie 2015 hinsichtlich der Flüchtlingsfrage klar gegen offenen Grenzen – anders als ihr eigener Parteivorstand. Auch ihre mit Ehemann Oskar Lafontaine gegründete Sammelbewegung stieß auf harsche Kritik aus den obersten Reihen. Gregor Gysi etwa befand, dass diese den Bestand der Links-Partei gefährde.

Wie richtet sich die Linke aus?

Im Stern appelliert Wagenknecht nun an die Linke, sich zu entscheiden, welche Partei man in Zukunft sein wolle. „Es gibt zwei Konzepte linker Politik. Entweder man konzentriert sich auf die akademisch geprägten großstädtischen Milieus - den Weg ist die Parteiführung in den letzten Jahren gegangen. Oder man bemüht sich um die abstiegsbedrohte Mittelschicht und die Ärmeren.“ Wagenknecht weiter: „Eine Linke, die von den Menschen, denen der Raubtierkapitalismus am übelsten mitspielt, nicht mehr gewählt wird, hat ihre Seele verloren.“

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Von RND / OTS

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