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Politik im Rest der Welt Schreckensherrscher Al-Bagdadi hinterlässt ein Vermächtnis des Terrors
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10:38 28.10.2019
Das Ende eines brutalen Terroristenanführers. Quelle: imago images/United Archives International
Beirut

Abu Bakr Al-Bagdadi rief ein islamisches Kalifat in weiten Teilen Syriens und des Iraks aus. Aber am stärksten dürfte er als der skrupellose Anführer einer Gruppe in Erinnerung bleiben, die Terror ins Herz Europas brachte und so extrem war, dass sie sogar von der Al-Kaida gemieden wurde. Der vermutlich 48-Jährige war einer der wenigen noch flüchtigen Kommandeure der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), als er sich - von US-Spezialkräften in die Enge getrieben - am Samstag selbst in die Luft sprengte.

Die Nachricht von seinem Tod kam fünf Jahre, nachdem die Terrormiliz fast ein Drittel des Iraks unter seine Kontrolle gebracht hatte. Aber umfasste das IS-Territorium einst ein Gebiet von der Größe Großbritanniens, schrumpfte es nach einer Serie von Niederlagen in den vergangenen zwei Jahren zu einem Flecken im Euphrat-Flusstal zusammen. Im April verkündeten von den USA gestützte kurdisch geführte Kräfte schließlich den Sieg über die Gruppe, nachdem deren letzte Bastion, das Dorf Baghus im östlichen Syrien, zurückerobert worden war.

Augenzeuge schildert Angriff auf IS-Anführer al-Bagdadi

Wie einflussreich war Al-Bagdadi wirklich?

Welche Auswirkungen Al-Bagdadis Tod auf künftige IS-Aktionen haben wird, ist unklar. Der schattenhafte Mann galt gemeinhin nur dem Namen nach als Führer des globalen Terrornetzes, ein Sprecher der US-geführten Koalition im Kampf gegen die Terrormiliz bezeichnete ihn 2017 gar als "unbedeutend". Auch hat die Gruppe seit 2015 viele ihrer führenden Kommandeure durch Luftangriffe verloren.

Was über den Terroristen bekannt ist, ist mit Vorsicht zu genießen. Viele Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Doch laut einer UN-Sanktionsliste kam Al-Bagdadi 1971 als Ibrahim Awwad Ibrahim Ali al-Badri al-Samarrai im irakischen Samarra zur Welt. Eine 2014 in Dschihadisten-Internetforen verbreitete Biografie führt seine Abstammung auf den Kuraisch-Stamm des Propheten Mohammed zurück. Weiteren unbestätigten Angaben zufolge erwarb Al-Bagdadi an der einstigen Saddam-Universität in Bagdad einen Doktortitel in islamischen Studien. Vehement trat er für die Anwendung einer strikten Version der islamischen Gesetze ein - und fühlte sich dazu berufen, diese durchzusetzen.

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Sein Aufstieg beim IS

Nach Angaben IS-naher Webseiten wurde Al-Bagdadi 2004 wegen seiner militanten Aktivitäten vom US-Militär festgenommen. Nach seiner Freilassung zehn Monate später trat er dem Al-Kaida-Ableger im Irak unter Abu Musab al-Sarkawi bei. Nach dessen Tod bei einem US-Luftangriff 2006 verfestigte er seine Rolle in der Gruppe, die sich damals Islamischer Staat im Irak nannte, und übernahm 2010 schließlich die Kontrolle.

Zwar war die Organisation durch jahrelange US- und irakische Operationen geschwächt, doch setzte Al-Bagdadi Selbstmordattentäter, Autobomben und andere bewaffnete Kämpfer ein, um ihr mehr Geltung zu verschaffen.

Die Extremistengruppe dehnte sich dann nach und nach über die Grenze nach Syrien aus - im Streben nach der Bildung eines mittelalterlichen islamischen Staates. Die radikale Expansion stieß bei der Al-Kaida auf entschiedene Ablehnung, aber Al-Bagdadi lehnte jeglichen Kompromiss ab, und es kam zum Bruch zwischen beiden Gruppen.

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Die Geburt einer Schreckensherrschaft

Al-Bagdadis Organisation setzte ihren Vormarsch fort, eroberte Städte wie Al-Rakka in Syrien und Falludscha im Irak. Im Juni 2014 übernahm sie mit Unterstützung verbündeter sunnitischer Kämpfer die Kontrolle über die zweitgrößte irakische Stadt Mossul und rief Ende des Monats dann ihren eigenen Staat aus - das islamische Kalifat mit Al-Bagdadi als "Kalifen". Muslime weltweit wurden aufgerufen, ihm und seiner nunmehr in Islamischer Staat umbenannten Gruppe Treue zu schwören. Am 29. Juni 2014 tauchte ein Video auf, in dem Al-Bagdadi offenbar in einer Moschee in Mossul predigt.

Anfang August 2014 ordnete der damalige US-Präsident Barack Obama Luftangriffe gegen den IS an, nachdem Al-Bagdadis Kämpfer Tausende irakische Jesiden - Anhänger einer alten Religion - ins Visier genommen hatten. IS-Extremisten reagierten mit der Enthauptung westlicher Gefangener, Videos der Gräueltaten stellten sie ins Internet. Insgesamt nutzten IS-Kämpfer unter Al-Bagdadis Kommando die sozialen Medien geschickt, um die militärischen Erfolge der Gruppe hervorzuheben, ihre blutigen Massentötungen und andere Gräueltaten zu dokumentieren und für ihr Anliegen zu werben.

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Öffentliche Rückkehr von Al-Bagdadi

Während die USA und arabische Verbündete Luftangriffe in Syrien zur Unterstützung kurdischer Kräfte im Kampf gegen den IS ausführten, wandte sich die Terrormiliz dem Ausland zu. Sie bekannte sich zu Anschlägen am 13. November 2015 in Paris mit 130 Toten und am 22. März 2016 in Brüssel mit 32 Todesopfern.

Nach Angaben aus Bagdad wurde Al-Bagdadi am 8. November 2014 in der irakischen Provinz Anbar bei einem Luftangriff verletzt. Tage später erschien eine ihm zugeschriebene Tonbandaufzeichnung, in der Gefolgsleute dazu aufgerufen wurden, "die Vulkane des Dschihad (Heiligen Krieges) überall zur Explosion zu bringen".

Am 30. April 2019 tauchte Al-Bagdadi zum ersten Mal seit fünf Jahren in einem Video auf, in dem er die Niederlage des IS in dessen letzter syrischer Bastion einräumte. Zugleich kündigte er eine fortdauernde "lange Schlacht" an. Die Bombenanschläge zu Ostern in Sri Lanka, bei denen 250 Menschen getötet wurden, bezeichnete er als Teil dieses Kampfes, der "bis zum Tag des jüngsten Gerichts weitergehen wird".

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