Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Politik im Rest der Welt Richard Grenell – ein Diplomat mit Sprengkraft
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Richard Grenell – ein Diplomat mit Sprengkraft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:46 05.06.2018
Shimon Stein war von 2001 bis 2007 Botschafter Israels in Deutschland. Quelle: Zentralbild
Berlin


Ich verfolge das Agieren des neuen US-Botschafters Richard Grenell und bin nicht überrascht. Es gibt zwei Arten von Botschaftern. Die einen sind Berufsdiplomaten und konzentrieren sich auf ihre Arbeit – den Staat zu repräsentieren. Die anderen werden berufen, weil sie für ihren Staatschef eine Leistung erbracht haben. Diese Gesandten halten sich nicht immer an die Regeln, die in der Diplomatie üblich sind.

Als israelischer Botschafter in Deutschland habe ich immer versucht, dem ersten Typus zu entsprechen. Grenell hingegen gehört ohne Zweifel zur zweiten Gruppe. Er genießt offenbar das bedingungslose Vertrauen von US-Präsident Trump. Das wiederum erlaubt es ihm, die Art und Weise, wie Diplomatie betrieben wird, zu sprengen.

Ob es sich hierbei schon um eine Einmischung in innere Angelegenheiten Deutschlands handelt? Da bin ich mir nicht sicher. Als israelischer Botschafter musste ich mich auch einmal dieses Vorwurfs erwehren. Ich hatte mich damals zum Thema Antisemitismus in Deutschland geäußert. Ich glaube nach wie vor, dass ich das Recht dazu hatte, meine Meinung in dieser Sache zu formulieren. Ich muss aber zugeben, dass die Grenze zwischen legitimer und illegitimer Einmischung nicht immer eindeutig gezogen werden kann. Vieles liegt in einer Grauzone. Dennoch hätte ich es mir nie erlaubt, mich so zu äußern, wie Grenell es in den vergangenen Wochen getan hat. Persönlich bin ich nicht mit allem, was er sagt, einverstanden. Ich hoffe sehr, dass daraus keine zusätzliche Krise zwischen den USA und Deutschland entsteht.

Von Shimon Stein

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein „ungeheuerlicher Vorgang“ wird beklagt: Der neue US-Botschafter in Berlin macht sich für Verbündete seines Präsidenten in Europa stark, statt sich neutral zu verhalten. Martin Schulz und die Linken fordern seine Ablösung. Und am Mittwoch kommt er ins Außenamt.

05.06.2018

Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland als Strafe für die Annexion der Krim sind ein Eckpfeiler der EU-Außenpolitik. Kleine Schritte könnten viel bewirken - finden Wladimir Putin und Sebastian Kurz.

05.06.2018

Die Probleme bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 sind nach Ansicht des früheren Chefs des Bundesflüchtlingsamts Bamf, Frank-Jürgen Weise, auf ...

05.06.2018