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Politik im Rest der Welt So schneiden die Kandidaten bei den CDU-Regionalkonferenzen ab
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09:09 22.11.2018
Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn im Kampf präsentieren sich bei acht Regionalkonferenzen in ganz Deutschland. Quelle: Silas Stein/dpa
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Berlin

Acht Auftritte. Acht Gelegenheiten, sich zu präsentieren. Achtmal die Chance, die CDU-Basis von den eigenen politischen Zielen und Ideen zu überzeugen. Im Rennen um den CDU-Vorsitz veranstaltet die Partei Regionalkonferenzen in ganz Deutschland. Es ist die entscheidende Phase im Wettbewerb um die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel. Der ehemalige Unionsfraktionschef Friedrich Merz sagte im Vorfeld, er erwarte einen „sehr fairen, auch anständigen Wettstreit miteinander“. Doch wer hat ihn diesem Konkurrenzkampf die Nase vorne?

Neben Merz treten Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als prominenteste Kandidaten an. Daneben gibt es eine Reihe weniger bekannter Bewerber. Die Reihenfolge ihrer Auftritte wird bei jeder Regionalkonferenzen ausgelost. Nach Lübeck, Idar-Oberstein und Seebach folgen fünf weitere Veranstaltungen, bevor auf einem Bundesparteitag am 7. und 8. Dezember in Hamburg die 1001 Delegierten entscheiden.

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Wie schneiden Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn ab? Das RND wählt bei jeder Regionalkonferenz und für jeden Kandidaten die stärksten und schwächsten Momente aus und bewertet sie.


So schnitten die Kandidaten bei den bisherigen Regionalkonferenzen ab:

Regionalkonferenz in Idar-Oberstein am 20.11.

Annegret Kramp-Karrenbauer:

• Stärkster Moment: Mehrfach wird Kramp-Karrenbauer vom Moderator ermahnt, sich kürzer zu halten. Sie reagiert: „Frauen nutzen ein größeres Vokabular – deswegen brauchen wir mehr Zeit.“
• Schwächster Moment: Kramp-Karrenbauer begrüßt ihren saarländischen Landesverband und hessische Parteimitglieder, vergisst aber den Veranstalter-Verband Rheinland-Pfalz.
• Überraschung: Beim Punkt Energie legt Kramp-Karrenbauer vor. Spahn und Merz sagen, sie hätten dem nichts hinzuzufügen.

Friedrich Merz:  

• Stärkster Moment: Viel Applaus gibt es für diesen Satz: „Wir lösen die Probleme des Sozialstaats nicht, indem wir jedes Jahr mehr Geld ins System geben.
• Schwächster Moment: In der Debatte um Ehrenämter und soziales Engagement schwärmt Merz, wie positiv er seine Kinder in dieser Hinsicht geprägt habe.
• Überraschung: Ein Flirtversuch Richtung Grüne: Von denen habe er in der neuen Debatte um Harzt IV „mehr Vernunft erwartet“, sagt Merz und gibt die Sache noch nicht verloren: „Vielleicht kriegt man das wieder hin.“

Jens Spahn:

• Stärkster Moment: „Diese Jugend ist so CDU wie nie zuvor, sie weiß es nur noch nicht“ - Spahn macht seiner Partei Hoffnung und hat die Lacher auf seiner Seite.
• Schwächster Moment: Unwillen im Publikum gibt es, als Spahn die Parteistrukturen angreift: „Ein Ortsparteitag ist nicht immer so, dass man sagt: Brauche ich mehr davon.“
• Überraschung: „Wir brauchen ein Team und einen Vorsitzenden, der aushält, dass es andere starke Meinungen gibt.“ Ist das schon der halbe Rückzug – und die Bewerbung um einen Vize-Posten?

Regionalkonferenz in Lübeck am 8.11.

Annegret Kramp-Karrenbauer:

• Stärkster Moment: „Wenn Friedrich Merz seine Expertise zur Verfügung stellt, dass die CDU ein Steuerkonzept entwickelt, ist das schon mal eine gute Nachricht.“ Der Chefanspruch ist klar.
• Schwächster Moment: In Kindergärten sollten im Advent Weihnachtslieder gesungen werden, fordert AKK. Ihr Beispiel für Überanpassung an Zugewanderte hat sie schon häufig recycelt.
• Überraschung: AKK fordert, die CDU müsse sich im Frühjahr zusammensetzen und über ihre Linie in der Flüchtlingspolitik beraten.

Friedrich Merz:  

• Stärkster Moment: Die CDU könne wieder 40 Prozent schaffen, verspricht Merz. Er traue sich „die Afd zu halbieren“. Der Saal jubelt.
• Schwächster Moment: Er merke gerade „was mir in den letzten Jahren gefehlt hat“, sagt der Politik-Wiedereinsteiger Merz gleich zu Beginn seiner Rede. Das Publikum reagiert mit einem Mitleids-„Ooooh.“
• Überraschung: Merz stellt seine Bierdeckel-Steuerreform in Frage: Über die Vorschläge von 2003 sei „die Zeit drüber hinweggegangen“.

Jens Spahn:

• Stärkster Moment: „Ich hätte mir gewünscht, wir hätten Sie damals an Bord gehabt“ – Spahn nimmt Merz‘ Kritik am CSU-Verhalten im Flüchtlingsstreit auf und wendet es gegen den Konkurrenten.
• Schwächster Moment: „Weißt Du, Mama, wie das war“ – im Versuch, die Öffnung der Gesellschaft zu beschreiben fällt Spahn in die Nachwuchrolle.
• Überraschung: Der Streit um die von der CSU gewünschte Obergrenze für Flüchtlinge ist seit Monaten vorbei. Spahn holt das Thema hervor und erhöht: „200.000 inklusive Familiennachzug ist immer noch zu hoch.“

Von Daniela Vates und Jana Wolf/RND

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