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Politik im Rest der Welt Studie zeigt: Das Bild sorgloser Digital Natives ist falsch
Nachrichten Politik Politik im Rest der Welt Studie zeigt: Das Bild sorgloser Digital Natives ist falsch
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15:02 19.11.2018
Eine junge Frau blickt auf ihrem Smartphone auf die App des Streaming-Anbieters Netflix. Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Berlin

Mal eben noch auf das Smartphone schauen, Nachrichten checken oder auf Instagram ein Like setzen – normal für viele Menschen. Dass jedoch gerade diejenigen, die quasi mit Internet und Smartphone aufgewachsen sind – die 14- bis 24-Jährigen – zunehmend Distanz zur digitalen Welt empfinden sollen, dieser Befund erstaunt. „Es ist so“, sagt Joanna Schmölz, Vizedirektorin des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI). „Das Bild sorgloser Digital Natives ist definitiv falsch.“

Schmölz’s Institut hat bereits vor vier Jahren eine erste Studie über die digitale Lebenswirklichkeit der nachwachsenden Generation veröffentlicht. Damals zeichneten die Ergebnisse der vom renommierten Sinus-Institut Heidelberg durchgeführten Studie das Bild einer relativ sorgloser, junger Internet Nutzer. Das hat sich kolossal verändert:

„Kein Tag ohne dieses blöde Handy“

Einig sind sich eigentlich alle der 1730 Befragten im Alter zwischen 14 und 24: Das Internet ist privat wie beruflich wichtig und bietet unbegrenzte Möglichkeiten. 69 Prozent meinen gar, es mache sie glücklich. Die Schattenseite: Fast jeder Dritte fürchtet „internetsüchtig“ zu sein. Eine 22-Jährige gab zu Protokoll: „Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mal einen Tag ohne dieses blöde Handy aushalten würde.“

41 Prozent fürchten Internet-Macht

64 Prozent glauben, sie würden im Netz zu viel Zeit verschwenden, 19 Prozent empfinden das Internet als nervend. Überraschende Aussage von 41 Prozent: Die Vorstellung, dass vieles in Zukunft nur noch über das Internet erledigt werden kann, macht mir Angst. Das wären vier Millionen junge Frauen und Männer. Vor vier Jahren waren es 22 Prozent. Sinus-Studienleiterin Silke Borgstedt spricht von einem „diffusen Unbehagen“, das junge Leute zunehmend ergriffen hätte.

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Rückzug als passive Beobachter

Knapp zwei Drittel (64 Prozent) befürchten, im Netz beleidigt zu werden. Alarmierend: 38 Prozent verzichten wegen der „Beleidigungskultur“ auf Meinungsäußerungen im Internet. 46 Prozent der Jugendlichen sehen besondere Risiken durch Veröffentlichung peinlicher oder intimer Posts (2014: 28 Prozent), 44 Prozent in Angriffen auf ihre Identität durch Fake-Profile (2014: 28), 41 Prozent durch Stalking (2014: 28) und 35 Prozent fürchten, dass alle wissen können was sie gerade machen (2014: 18).

Die Folge: Viele ziehen sich zurück und beobachten das Geschehen nur noch passiv. DIVSI-Vizedirektorin Joanna Schmölz: „Wir müssen uns schon fragen, was es über den Zustand unserer demokratischen Gesellschaft aussagt, wenn junge Menschen ausgerechnet in dem für sie wichtigsten Raum des Austausches aus Angst vor Beleidigungen und ‚Shitstorms‘ aufhören, ihre Meinung zu äußern.“

Kaum jemand glaubt an Datensicherheit

Nicht mal mehr ein Drittel (30 Prozent) glauben an die Sicherheit ihrer Daten. Vor vier Jahren waren es noch 40 Prozent. Einem Fünftel ist es „persönlich egal“, was mit seinen Daten im Internet geschieht. 2014 waren es nur 8 Prozent. Schmölz interpretiert diese Befunde als „Resignation angesichts der komplexen digitalen Welt“.

Die Studie legt nahe, dass die Generation, der häufig von Älteren nachgesagt wird, sie habe das Digitale quasi mit der Muttermilch aufgesogen, dringend Hilfe benötigt. Nur noch 57 Prozent der U-25-Befragten gab an, sich gut über die Möglichkeiten des Schutzes der persönlichen Daten im Internet informiert zu sein (2014: 74). Ernüchternd: Digitale Kenntnisse werden vor allem durch eigene Erfahrungen (89 Prozent) erworben. Eltern (33 Prozent) oder die Schule (18 Prozent) spielen eine völlig untergeordnete Rolle.

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Giffey will besseren Jugendmedienschutzes

Bundesjugendministerin Franziska Giffey (SPD), die in der Studie „Anlass zur Sorge“ sieht, will hier ansetzen. Sie wünscht sich vor allem, dass die Schule der der Vermittlung von Medienkompetenz eine stärkere Rolle spielt. „Wenn junge Menschen sich im Internet nicht einmal mehr trauen, ihre Meinung frei zu äußern, dann ist das ein erschreckendes Signal.“

Giffey kündigt ein modernes Jugendmedienschutzgesetz an, mit dem Teilhabe, Befähigung und Schutz zugleich gesichert werden solle. „Anbieter müssen ausreichende Sicherungs- und Meldesysteme bereitstellen und Eltern benötigen mehr Transparenz darüber, welche Angebote und Apps für ihre Kinder geeignet sind und welche nicht.“

Von Thoralf Cleven/RND

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